"Die Logik sagt United" - doch Schalke hat Träume

25. April 2011, 13:01
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Schalke 04 will seinen märchenhaften Siegeszug durch die Champions League gegen den haushohen Favoriten Manchester United fortsetzen

Gelsenkirchen - Raúl träumt vom Endspiel gegen "sein" Real Madrid, Manuel Neuer von letzten Glanztaten in Königsblau - und ganz Schalke vom nächsten Sturz eines Giganten. Im Champions-League-Halbfinale gegen Manchester United will der krasse Außenseiter seinen märchenhaften Siegeszug durch die Königsklasse fortsetzen und zum zweiten Mal nach dem UEFA-Cup-Triumph 1997 in ein europäisches Finale einziehen. "Die Logik sagt United, aber wir werden alles geben", sagte Raúl vor dem Hinspiel gegen den englischen Rekordmeister heute Abend in Gelsenkirchen (20.45/Sat.1 und Sky).

Ein Red Devil-Bezwinger

Der 33-Jährige weiß als einziger Schalker, wie man die Red Devils bezwingt. In den Spielzeiten 1999/2000 und 2002/2003 legte Raúl mit jeweils zwei Treffern in den Viertelfinal-Hinspielen gegen ManUnited den Grundstein für Reals Einzug in die Runde der letzten Vier. Wie bei dem Rekordtorjäger der Champions League (73 Treffer), der vor seinem Transfer nach Gelsenkirchen einen Wechsel nach Manchester ins Auge gefasst hatte, mischt sich bei den anderen Schalker Profis in die riesige Vorfreude ein wenig Ehrfurcht.

"Die spielen gefühlte 20 Jahre in der Champions League und haben fast immer mindestens das Viertelfinale erreicht. ManU besitzt eine unglaubliche Erfahrung und eine hohe individuelle Qualität", sagte Christoph Metzelder über die Stars Wayne Rooney, Ryan Giggs und Co. Alexander Baumjohann erinnert aber nicht ohne Grund an das Viertelfinale mit den denkwürdigen Siegen gegen Titelverteidiger Inter Mailand (5:2/2:1): "ManU ist eine absolute Hausnummer, aber das war Inter auch."

Am Samstag feierte der Spitzenreiter der Premier League beim 1:0 gegen den FC Everton eine gelungene Generalprobe für das erste Duell mit Schalke. Teammanager Sir Alex Ferguson ließ seine Mannschaft nahezu in Bestbesetzung auflaufen, um im Titelkampf nicht unnötig Boden zu verlieren.

Befreiter Neuer

"Natürlich wird sich Manchester nach diesem Sieg ganz gut fühlen. Doch die vorherigen Spiele haben sie nicht alle gewonnen. Deshalb wissen wir, dass auch wir eine Chance haben werden", sagte Manuel Neuer. Der Nationaltorwart kann wie von einer Zentnerlast befreit ins Spiel gehen: Der befürchtete Liebesentzug nach der Abschiedsankündigung des Ur-Schalkers blieb gegen den 1. FC Kaiserslautern am Samstag aus. "Ich hatte echt Bammel, bin aber heilfroh, dass es so gelaufen ist", sagte Neuer.

Dass der 25-Jährige schon am Saisonende den Klub verlassen wird, scheint sicher. "Gespräche finden derzeit nicht statt. Für mich ist nur wichtig, was der FC Schalke bis zum Sommer macht", sagte Neuer - und verriet vermutlich mehr, als er wollte.

Balsam auf Schalkes Finanzwunden

Der "Goldregen" aus der Champions League - mehr als 50 Millionen Euro sprudelten in dieser Saison in die Kasse - lässt die finanziell angeschlagenen Schalker im Fall Neuer entspannter in die Verhandlungen gehen. Ein Finaleinzug würde allein aus dem UEFA-Prämientopf weitere 5,6 Millionen Euro einbringen.

Gegner dort wäre Real Madrid oder der FC Barcelona, die spanischen Erzrivalen stehen sich am Mittwoch im zweiten Halbfinale und dritten Teil der Clásico-Serie gegenüber. Allein der Gedanke an ein Finale gegen Real stürzt Raúl, der 18 Jahre lang das Trikot der Königlichen getragen hat, in ein Gefühlschaos. "Ein Endspiel wäre unglaublich. Ich hoffe, dann ist es Madrid, obwohl - es wäre komisch, sehr komisch. Wenn mir jemand garantieren würde, dass wir das Finale gewinnen, wäre es vielleicht besser, gegen Barcelona zu spielen", sagte Raúl: "Abwarten, was das Schicksal so bereit hält." 

Manchesters Serie gegen die Deutschen

Manchester hat 1999 mit dem 2:1-Finalerfolg gegen Bayern München den berühmtesten Sieg der Clubgeschichte gegen ein deutsches Team gefeiert. In Duellen mit Hin- und Rückspielen hat ManUnited jedoch in der Champions League (seit 1992) in bisher allen vier Versuchen gegen Bundesliga-Teams den Kürzeren gezogen. "Die deutschen Teams zeigen immer Entschlossenheit, das wird auch am Dienstag so sein", meinte Manager Ferguson.

Der Schotte ist sich aber trotz den sensationellen 7:3-Gesamtscores von Schalke gegen Inter sicher, dass sein Team für die Partie in Gelsenkirchen bestens gerüstet ist. Seine Mannschaft hat in der laufenden Champions League auswärts noch keinen einzigen Gegentreffer kassiert. "Unsere Erfahrungen und unsere Bilanz in Auswärtsspielen der vergangenen Jahre ist herausragend." Nicht viel schlechter ist die Heimbilanz Manchesters, deshalb würde Ferguson wohl auch mit einem Remis "auf Schalke" gut leben können.

Der Mann für die wichtigen Tore ist derzeit bei Manchester nicht nur Wayne Ronney, sondern auch der Mexikaner Javier Hernandez. Sein Treffer gegen Everton hat ManUnited dem Premier-League-Titel sehr nahe gebracht. "Javier übertrifft alle Erwartungen", meinte Ferguson, der angesichts dessen den Ausfall von Stürmer Dimitar Berbatow (Leistenbeschwerden) leichter verkraften kann.(Sid/APA/red)

Die voraussichtlichen Aufstellungen:

Schalke: Neuer - Uchida, Höwedes (Matip), Metzelder, Sarpei - Matip (Kluge), Papadopoulos - Farfán, Jurado (Baumjohann) - Raúl, Edu. - Trainer: Rangnick

Manchester: Van der Sar - Rafael, Ferdinand, Vidic, Evra - Carrick, Giggs - Park, Valencia (Nani) - Rooney, Hernández. - Trainer: Ferguson

Schiedsrichter: Carlos Velasco Carballo (Spanien)

  • Raul und Farfan sind die besten Waffen der Schalker Knappen.
    foto: epa/friso¦gentsch

    Raul und Farfan sind die besten Waffen der Schalker Knappen.

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