Familiendrama in Nantes: Geliebte des Vaters aufgetaucht

25. April 2011, 12:41
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50-Jähriger führte offenbar ein Doppelleben - Internationale Fahndung

Paris - Nach dem Familiendrama mit fünf Toten in Westfrankreich konzentriert sich der Tatverdacht immer mehr auf den verschwundenen 50-jährigen Familienvater: einen Mann, der hinter der biederen Fassade eines religiösen Durchschnittsbürgers offenbar ein Doppelleben geführt hat. Eine diskret auftretende Person, von der niemand so genau wusste, womit sie ihr Geld verdiente. Ein Mann, der Montag in der Früh das Haus verließ und Freitagabend wiederkam - und der nach den ersten Erkenntnissen weit über seine Verhältnisse lebte.

Geliebte lieh 50.000 Euro

Wie der 50-Jährige das alles finanzierte, bleibt unklar - beim Finanzamt versteuerte er jedenfalls ein Jahreseinkommen von gerade einmal 4.000 Euro. Sein Ein-Mann-Werbeunternehmen war alles andere als erfolgreich und wirkte eher wie eine Tarnung. Doch für was? Er liebte elegantes Auftreten und Statussymbole - und hatte offenbar mindestens eine Geliebte. Sie hatte ihm einst 50.000 Euro geliehen und meldete sich bei der Polizei, weil sie nach einem Drohschreiben ("Wir hatten eine schöne Zeit zusammen, aber jetzt wirst Du erfahren, was Leiden bedeutet!") nun um ihr Leben bangt.

Auch wenn nach dem 50-Jährigen international zunächst nur als wichtigem Zeugen und noch nicht als Täter gefahndet wird: Was sich den Ermittlern als Arbeitshypothese aufdrängt, ist ein grausamer, von langer Hand methodisch vorbereiteter Mehrfachmord an seiner Familie. Akribisch hatte er ihn nach den bisherigen Ermittlungen geplant, nichts überließ er dem Zufall.

"Agent im Auftrag der USA"

Er sei eine Art Agent im Auftrag der USA, behauptete der Gesuchte. Anderen kündigte er eine Versetzung nach Australien an. Zuletzt soll er in Roquebrune-sur-Argens in Südfrankreich gesehen worden sein. Bei der Polizei gingen viele Hinweise ein, viele widersprachen sich allerdings. Eine Durchsuchung bei einer Tante des Flüchtigen blieb ebenfalls ergebnislos.

Tod bereits Anfang April

Die Leichen der Frau und der gemeinsamen vier Kinder waren im Garten des Reihenhauses der Familie gefunden worden. Die Autopsie ergab, dass sie um den 4. April methodisch mit jeweils zwei Schüssen aus nächster Nähe im Schlaf getötet wurden. Allerdings war Thomas, einer der Söhne noch am 5. April bei einem Studienfreund in Angers. Der Freund sagte der Zeitung "Le Parisien" vom Montag, Thomas sei unter einem Vorwand vom Vater nach Hause beordert worden. Danach habe es auf SMS-Anfragen nur noch knappe, abweisende Antworten gegeben, die offenbar nicht von Thomas stammten.

Untersucht wird jetzt, ob die Opfer vorher betäubt wurden. Die Tatwaffe, ein Gewehr, wurde noch nicht entdeckt. Der 50-jährige Familienvater hatte eine derartige Waffe kurz zuvor geerbt. Nachbarn hatten die Polizei auf das Verschwinden der Familie aufmerksam gemacht, nachdem sie seit drei Wochen vermisst wurde.   (APA/dpa)

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    Blumen vor dem Haus, in dem die Leichen gefunden worden waren.

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