Strohhalm in der Hand, Double im Mund

25. April 2011, 11:33
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Austria hofft auf Entlastung durch Rückfall, Ried hält schlicht alles für möglich

Ried/Wien - Mit dem Verlust der Tabellenführung an Sturm Graz, aber begrenztem Schaden schloss die Wiener Austria ihre verheerende Osterwoche ab. Am Sonntag ward den von der 0:4-Heim-peinlichkeit im Cup gegen Austria Lustenau völlig verunsicherten Wienern ein Punkt in Ried geschenkt, weil die Oberösterreicher ein halbes Dutzend guter Chancen nicht verwerten konnten, der Mannschaft von Karl Daxbacher aber in letzter Minute der Ausgleich zum 1:1 glückte.

Roland Linz, der ihn mit den letzten Spitzen seiner modischen Haartracht fixiert hatte, kam nach sachlicher Analyse der matten Vorstellung ("Wir haben sehr schlecht gespielt, waren total verunsichert") zu einem naheliegenden Schluss: "So kann man nicht erwarten, dass wir Meister werden." Sein Coach, also Daxbacher, klammert sich jedoch in Ermangelung anderer Strohhalme an die Vermutung, dass mit der Tabellenführung auch der Druck von seiner Mannschaft gewichen sein könnte: "Ich hoffe, dass wir jetzt befreiter spielen und den Fußball zeigen, den wir über lange Strecken schon gezeigt haben."

Die erste Gelegenheit böte sich schon am Samstag in Wiener Neustadt. Noch ein Strohhalm für Daxbacher: In den jüngsten drei Runden gab es in 15 Versuchen lediglich zwei Erfolge der Heimmannschaften, aber gleich neun Siege für die Gäste.

Winterkönigs Wille

Die Rieder Winterkönige müssen dagegen zum Derby mit Schlusslicht LASK, getrauen sich aber trotzdem mutig, das Wort Double in den Mund zu nehmen. Zumindest hat sich das Trainer-assistent Gerhard Schweitzer getraut, der seinen an Grippe erkrankten Boss Paul Gludovatz gegen die Austria wacker vertrat. "Vier Punkte Rückstand auf die Spitze sind sehr wenig. Immerhin sind wir in beiden Bewerben noch dabei. Wir wollen etwas schaffen und haben einen unheimlichen Willen dazu."

Wie es um den Willen von Titelverteidiger Salzburg bestellt ist, lässt sich vor dem Heuler am Sonntag bei Rapid schwer sagen. Nach dem 2:3 gegen Wacker, dem ersten Sieg der Innsbrucker in Salzburg seit 2001, beklagte Interimscoach Ricardo Moniz fehlende individuelle Klasse, mangelnde Intelligenz in der Offensive sowie technische Unzulänglichkeiten seiner Kicker. Der Niederländer wird wohl kaum zur Dauerlösung werden, bei Kollege Zoran Barisic scheint das dagegen gar nicht mehr ausgeschlossen. Auch der könnte ja das Wort Double in den Mund nehmen. (DER STANDARD, Printausgabe, Dienstag, 26. April 2011, red)

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    Austria-Trainer Karl Daxbacher war in Ried mit seiner Truppe nicht ganz zufrieden, hofft aber, "dass wir jetzt befreiter spielen und den Fußball zeigen, den wir über lange Strecken schon gezeigt haben."

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