Ortsdaten: Spionage oder mangelndes Bewusstsein der NutzerInnen?

25. April 2011, 12:48
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Diskussion rund um Datensammlung durch Apple und Google mit vielen Aspekten

Seit einigen Tagen wird in Medien und den Weiten des Internets ebenso ausführlich wie erhitzt über die Sammlung ortsbezogener Daten per Smartphone diskutiert. Auslöser war ein Artikel von O'Reilly, der offenlegte, dass Apples iPhone in einer Datei am Gerät über Monat und Jahre hinweg die Aufenthaltsorte der NutzerInnen speichert. Mit einem Tool demonstrierte man denn auch gleich, wie leicht sich aus den dort abgelegten Informationen ein recht detailliertes Bewegungsprofil erstellen lässt.

Trennung

In den folgenden Tagen wurden dann immer neue Details in die Diskussion eingeworfen, dabei aber auch so manches vermengt, das recht wenig mit einander zu tun hat. So geht es in der Debatte eigentlich um zwei vollständig unterschiedliche Themenkreise, noch kompliziert dadurch, dass mittlerweile auch Googles Android in die Diskussion eingebracht wurde. Da wären also einerseits das Speichern von Standortdaten auf dem lokalen Smartphone und dann noch das Verschicken der Standortinformationen an den jeweiligen Hersteller.

Position

Die lokale (Zwischen-)Speicherung der Handymasten und WLANs macht aus einer technischen Perspektive zunächst mal durchaus Sinn. Werden diese Informationen doch für so manche Funktionalität eines Smartphones benutzt, beispielsweise würde das Bestimmen der eigenen Position im Kartenservice ohne solch einen Cache erheblich länger benötigen. Genau dies ist auch der Grund, warum bei Android ebenfalls eine entsprechende Datei zu finden ist, wie sich übrigens auch in der Android-Entwickler-Dokumentation nachlesen lässt.

Unterschiede

Allerdings speichert Android hier nur eine sehr begrenzte Anzahl von Einträgen, daraus ein aussagekräftiges Bewegungsprofil zu erstellen ist de fakto unmöglich, da die Einträge rasch (je nach Aktivität zwischen Stunden und Tagen) wieder von neueren Informationen überschrieben werden. So bleibt vor allem die Frage offen, warum Apple diese Datei bei iOS dermaßen ausführlich gestaltet. So manche KommentatorInnen gehen davon aus, dass es sich hierbei um einen simplen Bug handelt, das langfristige Abspeichern so gar nicht beabsichtigt ist. Derzeit ist dies aber natürlich nur Spekulation, dass Apple zu diesem Thema bislang jegliche Kommunikation verweigert, trägt zudem wenig zur Beruhigung der Diskussion bei.

Offene Fragen

Eine weitere offene Frage, die sich Apple gefallen lassen muss, ist, warum man auf dieses Problem nicht schon früher reagiert hat. Immerhin ist zwischenzeitlich bekannt geworden, dass Forensik-Experten die Datei schon seit längerem bekannt ist - und eine entsprechende Funktion zur Auswertung von Bewegungsprofilen bereits in deren Software integriert wurde.

Bewusstsein

Wie sehr die aktuelle Debatte auch eine über mangelndes Bewusstsein von Smartphone-NutzerInnen bzw. über den schlechten Informationsstand der breiten Öffentlichkeit ist, zeigt sich dann am zweiten aktuell diskutierten Themenkreis: Der Übermittlung der Standortdaten an die Hersteller. Immerhin informieren sowohl Google als auch Apple in ihren Geschäftsbedingungen darüber, dass sie - wie beide Unternehmen versichern - anonymisiert entsprechende Daten sammeln.

Warnung

Während Apple-NutzerInnen hier noch - nicht ganz zu Unrecht - darauf verweisen können, dass kein Mensch die AGBs vollständig liest, haben Android-UserInnen auch diese Ausrede nicht: Immerhin wird den NutzerInnen das Versenden der Standortdaten bei der Einrichtung eines neuen Smartphones explizit zur Wahl gestellt. Darauf verweist Google auch mittlerweile in einer offiziellen Stellungnahme, die bei Techcrunch wiedergegeben wird.

Motivation

Zum Sinn solcher Datensammlungen heißt es von Apple nur recht generisch, dass man diese benötige "um die hochqualitativen Services, die die Kunden verlangen, anbieten zu können". In der Realität geht es beiden Unternehmen vor allem darum eigene Standortdatenbanken aufzubauen, um sich die Zahlungen an darauf spezialisierte Unternehmen wie Skyhook zu ersparen - beziehungsweise genauere Informationen zu erlangen, um sich einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen.

Aspekte

Insofern kennt dieses Debatte also viele Aspekte - und dies selbst ohne darauf zu verweisen, dass entsprechende Profile natürlich auch bei den jeweiligen Mobilfunkern angelegt werden können - und mit der Vorratsdatenspeicherung für die Strafverfolgungsbehörden dann auch monatelang nachvollziehbar sein werden. Nicht zuletzt geht es also auch darum, was eigentlich gesellschaftlich akzeptiert und erwünscht - und nicht nur was rein rechtlich haltbar ist. (red, derStandard.at, 25.04.11)

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    Mit dem iPhone Tracker lassen sich die gespeicherten Standortdaten bequem auslesen und analysieren. Mittlerweile gibt es auch schon eine Windows-Portierung der Software.

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    Android weist bei der Einrichtung des Geräts explizit auf die anonymisierte Weiterverwertung der Standortdaten hin

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