Hunderte Taliban brechen aus Gefängnis aus

25. April 2011, 13:45
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Flucht über Tunnel - Großfahndung nach den Flüchtigen

Kandahar - Durch einen über Monate gegrabenen Tunnel ist Hunderten Taliban in Südafghanistan ein spektakulärer Gefängnisausbruch gelungen. Der Haftanstalt in Kandahar und der Provinzregierung zufolge flohen in der Nacht auf Montag bis zu 476 "politische Gefangene", nach Angaben der Islamisten wurden 540 Häftlinge befreit. Die Regierung sprach von einer "Katastrophe", während eine groß angelegte Suche eingeleitet wurde.

Ein Sprecher der Taliban übernahm die Verantwortung für die Massenflucht und erklärte, die Aufständischen hätten 540 Häftlinge befreit. Darunter seien rund 100 Taliban-Kommandanten, bei den anderen handle es sich um einfacher Kämpfer. Sie seien alle mit Fahrzeugen auf Stützpunkte der Islamisten "in Sicherheit" gebracht worden, sagte Taliban-Sprecher Yousuf Ahmadi. Es habe mehr als vier Stunden gedauert, um alle ins Freie zu bringen.

In einer weiteren Erklärung teilten die Taliban mit, der Bau des Tunnels an der Haftanstalt in der Stadt Kandahar habe vor fünf Monaten begonnen. Der Tunnel sei schließlich 360 Meter lang gewesen. Bei der Ausbruchaktion sei zudem ein Selbstmordkommando anwesend gewesen, das jedoch nicht habe aktiv werden müssen.

Tunnel aus dem Gefängnisinneren bis vor die Außenmauern

Der Gefängnisdirektor Ghulam Dastageer Mayar gab an, dass der Tunnel mit einer Länge von mehreren hundert Metern aus dem Innern des Gefängnisses bis vor dessen südliche Außenmauern reichte. Auch der stellvertretende Polizeichef der Provinz Kandahar bestätigte den Ausbruch.

Provinzgouverneur Tooryalai Wesa sagte, bis auf einen Geflohenen handle es sich durchweg um Taliban-Kämpfer. Es sei gelungen, einige wenige der Häftlinge wieder einzufangen, fügte Wesa hinzu, nannte aber keine Details. Wesa gestand ein Scheitern der Sicherheitskräfte und Geheimdienste ein. Er zeigte sich aber zuversichtlich, dass die Geflohenen rasch gefunden würden, da die Behörden biometrische Daten von sämtlichen Häftlingen hätten. Die NATO-Truppe ISAF zeigte sich zu einer Beteiligung an der Suche nach den Häftlingen bereit.

Ein Sprecher von Präsident Hamid Karzai sagte in Kabul, der Gefängnisausbruch sei eine "Katastrophe", die niemals hätte passieren dürfen. Waheed Omar sicherte eine Aufklärung der Umstände des Ausbruchs zu. Ihm zufolge wurden 13 entflohene Häftlinge wieder gefasst. In der Region Kandahar wurde eine Großfahndung nach den Flüchtigen eingeleitet. Auch die Bevölkerung wurde zur Mithilfe aufgerufen.

Die Provinz Kandahar gilt als Hochburg der Taliban. Trotz mehrerer Offensiven von NATO-Soldaten gegen Aufständische nahmen die Gewalttaten dort in den vergangenen Monaten zu. Vor dem Hintergrund, dass im Juli der schrittweise Abzug der ISAF-Truppen beginnen und die Sicherheitsverantwortung allmählich an die Afghanen übergeben werden soll, ist der Gefängnisausbruch ein Rückschlag für die afghanischen Behörden.

Die Flucht war der zweite große Ausbruch aus dem Gefängnis von Kandahar innerhalb von drei Jahren. Im Jahr 2008 waren rund 1.000 Häftlinge, darunter viele Taliban, aus der Anstalt geflohen. Damals sprengten Helfer mit Hilfe einer immensen Lastwagenbombe ein Tor des Gefängnisses auf und ermöglichten so die Flucht. Bei der Aktion starben fast 20 Menschen, darunter 10 Polizisten.

Das Gefängnis ist die größte Haftanstalt im Süden Afghanistans. Die nun geflohenen Insassen brachen aus der Abteilung für politische Gefangene aus und machten mehr als ein Drittel aller Häftlinge aus. (APA)

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    Aus diesem Gefängnis in Kandahar sind Hunderte Taliban-Kämpfer ausgebrochen.

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