Rebellen vermelden Eroberung von Misrata

23. April 2011, 22:06
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Gaddafis Truppen nach massivem Nato-Bombardement auf dem Rückzug - Libysche Armee soll durch Stammeskämpfer ersetzt werden

Misrata/Beirut - Nach sieben Wochen zermürbender Kämpfe haben die libyschen Rebellen ihre weit im Westen gelegene Hochburg Misrata (Misurata) nach eigener Aussage wieder unter ihre Kontrolle gebracht. "Misrata ist frei, die Rebellen haben gewonnen", sagte ein Sprecher der Aufständischen der Nachrichtenagentur Reuters am Samstag am Telefon. Die Soldaten der libyschen Armee seien auf der Flucht. Kampfjets der internationalen Truppen hatten am Karfreitag 59 Kampfeinsätze über Libyen geflogen.

In der Nähe der Hauptstadt Tripolis zerstörten sie laut NATO-Angaben aus Brüssel zwei Kommandobunker. Unweit von Misrata trafen NATO-Kampfjets drei Panzer, zwei Luftabwehrradars und einen Bunker. Im Nordwesten, unweit der Städte Mizda und Zintan, seien unter anderem drei Munitionsbunker und mehrere Gebäude bombardiert worden. In der Nähe der wichtigen Ölstadt Ras Lanuf wurden zwei gepanzerte Fahrzeuge zerstört. Damit zählt die Operation "Vereinte Schutzmacht" seit ihrem Beginn am 31. März insgesamt 1.432 Kampfeinsätze.

Rückzug angeordnet

Gefangen genommene Soldaten berichteten, ihnen sei am Freitag der Rückzug aus Misrata befohlen worden. Der stellvertretende Außenminister Khaled Kaim hatte dies mit den andauernden westlichen Luftangriffen begründet, bei denen die USA am Wochenende auch erstmals eine Drohne einsetzten.

Sollte die Angaben über die Einnahme Misratas stimmen, wäre das ein großer Erfolg für die Rebellen. Die Stadt galt lange als Symbol für den aussichtslos scheinenden Kampf der Aufständischen im Westen des Landes. Rebellensprecher Gemal Salem warnte gleichwohl vor Sorglosigkeit. Zwar seien Gaddafis Truppen aus der Stadt vertrieben. Sie hätten jedoch in der Nähe Stellung bezogen und könnte Misrata jederzeit wieder mit ihrer Artillerie angreifen. Jetzt durchkämmten die Rebellen die Stadt. Auch dort drohe Gefahr, weil Gaddafis Truppen an Häusern, Autos und selbst an Leichen Sprengfallen versteckt hätten. Bisher seien bei der Explosion der Sprengsätze drei Menschen getötet und 15 verletzt worden. Später wolle man die versprengten Kämpfer im Westen unterstützen.

Gefangene libysche Regierungssoldaten berichteten vom Rückzug aus der Hafenstadt. Der Befehl sei ihnen bereits am Freitag erteilt worden. Ein Soldat sagte, Rebellen hätten seine Einheit am Samstagmorgen beim Abzug angegriffen. Einer seiner Kameraden bejahte die Frage, ob die Regierung die Kontrolle über die drittgrößte Stadt Libyens verloren habe. Die Soldaten gehörten zu einer Gruppe von zwölf Gefangenen, deren Wunden in einem Krankenhaus behandelt wurden.

In den vergangenen Tagen hatte es Anzeichen für Erfolge der Aufständischen in der Enklave gegeben. So gaben sie die Eroberung eines wichtigen Gebäudes im Stadtzentrum bekannt, das Scharfschützen Gaddafis als Stützpunkt diente. Für Misrata gab der stellvertretende Außenminister Kaim einen Strategiewechsel bekannt. Die Aufgaben der Armee würden den Stämmen rund um Misrata übertragen, sagte er vor Journalisten in Tripolis. "Die Taktik der libyschen Armee zielt auf eine chirurgische Lösung ab, aber das funktioniert nicht mit den Luftangriffen." Gaddafis Truppen sollen nach Worten Kaims außerdem "heraus aus dieser Lage in Misrata, weil das libysche Volk rund um Misrata es so nicht aushalten kann". (APA/Reuters)

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    Misrata nach der Schlacht

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