Im Bett mit Timo Soini

22. April 2011, 21:39
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Die gamsigen Seiten der Politik-Gewerbes

Viel Häme ist in den letzten Tagen über den Döblinger Junggeilisten Sebastian Kurz ausgegossen worden. Zu Unrecht, wie ich glaube. Wenn man es mit dem sexuellen Diskriminierungsverbot ernst meint, müssen sich auch Politiker zu ihren intimen Triebregungen bekennen dürfen.

Kurz ist scharf wie Nachbars Lumpi - na und? Brunftige Bäcker, gamprige Genforscher, rollige Richterinnen oder spitze Speditionskauffrauen nehmen wir problemlos hin - warum also nicht auch gamsige Politiker und Politikerinnen? Solange der Integrationsstaatssekretär über ausreichend politisches Gespür verfügt und nicht etwa mit einem Mordstrumm vorn aufgesteckten Penisrohr zur ersten Ministerratssitzung antanzt, spricht nichts gegen seine Bestellung.

Unser Land hält sich viel auf seine Geilheit zugute. Man sollte, anstatt spießig herumzumäkeln, die Causa Kurz lieber zum Anlass für die längst überfällige Debatte über sexuelle Herausforderungen des Politikerstandes nehmen. Es ist wieder ganz typisch: Erst wird die Frage "Wie gesund ist die Politik?" tagelang in allen Gazetten breitgetreten. Auf die Erörterung der Frage "Wie geil ist die Politik?" müssen die Leser aber eine geschlagene Woche, bis zum Erscheinen dieser Kolumne, warten.

Nun zuerst die schlechte Nachricht: Politiker arbeiten meist in einer notorisch lustfeindlichen Umgebung. Der Plenarsaal im Parlament spitzt nur die wenigsten Abgeordneten an. Ebenso wenig aphrodisisch: Listenerstellungen bei Landtagswahlen und ähnliche Parteiroutinen. Stoßseufzer eines ansonsten naturgeilen BZÖ-Mandatars: "Nach zehn Stunden Parteivorstandssitzung brauch ich am Abend eine Dreifachdosis Viagra, um auf Touren zu kommen."

Es gibt auch gute Nachrichten: Als Sexpartner stehen Mitglieder der Politikerkaste nach wie vor hoch im Kurs. Forscher der Uni Tübingen haben herausgefunden, dass sich weltweit 85 Prozent aller Sexualfantasien um Geschlechtsverkehr mit Politikerinnen und Politikern drehen (am begehrtesten auf der Matratze: Finanzstaatssekretäre und Außenministerinnen).

Ich persönlich kenne sogar eine - zugegeben etwas extravagante - Dame, die sich nichts Schöneres vorstellen kann, als sich einmal von Timo Soini von den "Wahren Finnen" antauchen zu lassen. Ich halte ihr beide Daumen, dass aus dem Wunsch Wirklichkeit wird. (Christoph Winder, STANDARD-Printausgabe, Album, 23./24./25. April 2011)

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