ÖAMTC-Chef graut nicht vor den Grünen

22. April 2011, 19:31
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    foto: dpa/roland weihrauch

    Zu Ostern kommt nicht nur der Hase, sondern auch der Stau. Generell reicht die vorhandene Infrastruktur aber aus, sagt ÖAMTC-Generalsekretär Oliver Schmerold. Mehr Straßen will er dennoch.

Warum der ÖAMTC für alle Verkehrsteilnehmer da sein will, man sich an Staumauern gewöhnen wird müssen und dass Pendlerpauschale ein Dilemma ist erklärt Generalsekretär Oliver Schmerold im Gespräch

Standard: Wann sind Sie zum letzten Mal im Stau gestanden?

Oliver Schmerold: In den Semesterferien, am großen deutschen Eck.

Standard: Auch Ostern wird es auf der Tauernautobahn zu kilometerlangen Schlangen kommen. Gibt es zu viele Autos?

Schmerold: Zu den Spitzenzeiten. Aber es ist sinnlos, ein Straßennetz auf diese Belastung auszulegen. Die vorhandene Infrastruktur kann den Verkehr gut aufnehmen.

Standard: Warum werden dann dennoch neue Autobahnen und Umfahrungen gebaut?

Schmerold: Man muss schauen, wo es Lücken gibt. Die Nordautobahn nicht zu bauen wäre ein Fehler. Die Verkehrsströme haben sich geändert, das ist etwa auch bei der Linzer Westspange ein Thema.

Standard: Kritiker sagen zu dieser Umfahrung aber auch, dass sie nur nötig ist, weil die Menschen aus der Stadt ins Umland ziehen?

Schmerold: Das stimmt zum Teil, in Linz gibt es den Trend noch. Wir müssen in der Stadtplanung die Verkehrsströme mitdenken.

Standard: Was die Frage nach dem Pendlerpauschale aufwirft. Jene, die in der Stadt wohnen, subventionieren die, die sich günstigere Wohnungen auf dem Land kaufen.

Schmerold: Ja, das ist ein Problem. Dieses Dilemma wird man aber nicht lösen können. Wenn wir als ÖAMTC von Pendlern sprechen, meinen wir jene, die schon lange in ihrem Ort wohnen und zur Arbeit fahren müssen. Aber das Pendlerpauschale muss angepasst werden, zumindest die Fahrtkosten mit Öffis abdecken. Auch geringfügig Beschäftigte oder Teilzeitarbeiter müssen es bekommen, dafür sollte es kilometermäßig viel feiner abgestuft werden.

Standard: Fahrtkosten mit einem öffentlichen Verkehrsmittel lassen sich aber schwer berechnen, wenn Nebenbahnen zugesperrt und Buslinien eingestellt werden.

Schmerold: Ja, was da passiert, ist falsch. Für die ÖBB ist es betriebswirtschaftlich sinnvoll, aber volkswirtschaftlich und umweltpolitisch ist es ein Fehler.

Standard: Eine Finanzierung durch eine kilometerabhängige Pkw-Maut wäre eine Lösung?

Schmerold: Da sprechen wir uns klar dagegen aus. Über die Mineralölsteuer wird ohnehin schon jetzt der Verbrauch besteuert.

Standard: Was Menschen offenbar nicht abhält, auch für kürzeste Distanzen das Auto zu verwenden.

Schmerold: Da sollte sich das Verhalten ändern. Wir sehen uns nicht als reiner Autofahrerclub, sondern als Mobilitätsclub, der alle Arten der Mobilität unterstützt. Wir müssen Bewusstseinsbildung betreiben und auf die öffentliche Hand einwirken.

Standard: Was sollte die Politik denn machen?

Schmerold: Auf keinen Fall Zwangsmaßnahmen setzen, die das Autofahren verleiden. Wir glauben, dass die Selbstverantwortung der Menschen groß genug ist.

Standard: So weit kann es mit der Selbstverantwortung nicht her sein, wenn der Trend zum Drittauto geht?

Schmerold: Stimmt. Aber das Auto ist auch ein Ausdruck der Lebensqualität, sich frei bewegen zu können. Es sind alle gefordert, es sinnvoll einzusetzen.

Standard: Wenn Sie ein Mobilitätsclub sind - haben Sie keine Angst, dass die 1,8 Millionen Mitglieder unruhig werden, etwa wenn sie sich für Öffis einsetzen?

Schmerold: Nein. Unser Kerngeschäft bleibt die Dienstleistung rund ums Auto. Aber wir verkaufen ja schon Elektrofahrräder und engagieren uns bei Elektroautos. Aber wir wollen das Feld nicht anderen überlassen und klare Positionen bei Verkehrsthemen einnehmen. Wir sind zum Beispiel klar gegen die City-Maut.

Standard: Dennoch - als Mobilitätsclub müssten Sie ja mit der ÖBB verbilligte Vorteilcards anbieten?

Schmerold: Wir bieten gemeinsame Vorteile an. Aber es laufen Gespräche mit den ÖBB-Managern, da geht sicher noch etwas.

Standard: Stichwort Elektromobilität: Woher soll die Energie dafür kommen?

Schmerold: Der Ausbau der Wasserkraft ist noch weiter möglich. Wenn wir nachhaltig Energie erzeugen wollen, müssen wir aber die Realitäten anerkennen. Es wird Staumauern, Windparks und großflächige Solaranlagen geben müssen.

Standard: Glauben Sie denn überhaupt an Elektroautos? Das Problem des Aufladens ist nicht wirklich gelöst.

Schmerold: Wir eröffnen bald eine Schnellladestation, bei der man in einer halben Stunde die Batterie zu 80 Prozent laden kann.

Standard: Für welche Reichweite?

Schmerold: Etwa 100 Kilometer. Aber von dem Bild, dass ich einfach in ein Elektroauto steige und nach Salzburg fahre, muss man sich verabschieden. Das wird es auch in 20 Jahren nicht geben.

Standard: Was ist generell in der Verkehrspolitik nötig?

Schmerold: Ich würde mir wünschen, dass man mit etwas mehr Mut an Zukunftsplänen arbeitet und zivilgesellschaftliche Plattformen wie uns einbezieht.

Standard: Mut ist aber eine Definitionsfrage. Was würde passieren, wenn die Grünen regieren und den Benzinpreis auf fünf Euro erhöhen?

Schmerold: Das wäre auf jeden Fall ein mutiger Schritt. Aber nur durchführbar, wenn davor alle Probleme rund um den Ausgleich für Pendler und Fragen um die Alternativen geklärt sind - also wenn der öffentliche Verkehr zuvor massiv ausgebaut wird. Mutig heißt aber auch, ein klares Bekenntnis dazu abzugeben, dass die Automobilität Teil unserer Gesellschaft ist. Und dass daher Straßenbauten umgesetzt werden, die ja auch der Verkehrssicherheit und der Volkswirtschaft dienen.

Standard: Das heißt, Ihnen graut nicht vor einer grünen Regierungsbeteiligung?

Schmerold: Nein, wir haben ja in Wien gute Erfahrungen damit gemacht. Frau Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou redet mit uns, und sie hat klar gesagt, dass die Wiener unterschiedliche Mobilitätsbedürfnisse haben.

Standard: Zwei letzte Fragen: Haben Sie an den Feiertagen Urlaub, und fahren Sie mit dem Auto weg?

Schmerold: Wir sind da in Niederösterreich, 70 Kilometer von Wien entfernt. Meine Familie fährt dorthin mit dem Auto, ich mit dem Rad. Aus sportlichen Gründen. (Michael Möseneder, DER STANDARD-Printausgabe, 23./24./25.4.2011)

Oliver Schmerold ist seit 1. Jänner Generalsekretär des ÖAMTC. Der 41-Jährige hat an der TU Wien studiert und war elf Jahre bei Alcatel-Lucent beschäftigt.

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Spartaner13
00
Wohne am Land und arbeite in der Stadt - bin Pendler

Habe aber zuvor in der Stadt gewohnt und das war unter Strich weit billiger. Die Pendlerpauschale deckt bei weitem nicht meine Fahrkosten ab. Den Job in der Stadt brauch ich aber, am Land gibts keinen bzw. sind die schlechter bezahlt.

In der Stadt hat man den Vorteil, dass man kein Auto braucht - oder nur 1 Auto und da erspart man sich sehr viel! Die Pendlerpauschale sind bei mir ca. € 40 - das reicht nichmal für 1 Tankfüllung. Von der Abnützung meines Autos rede ich erst gar nicht (Service jedes Jahr, neue Reifen usw usw).

BraS
 
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ja, und?

Warum sollte auch die Allgemeinheit ihren Benefit finanziell unterstützen?
Sie haben sich offenbar ausgesucht, am Land zu wohnen, also tragen sie bitte die Konsequentzen daraus alleine.

Spartaner13
21

Oh der Neid is a Hund. Fangen wir gar nicht mal an von der Allgemeinheit zu reden - da kann man sehr viele Beispiele aufzählen, wofür die Allgemeinheit zahlt. So ist das nunmal in einer Gesellschaft.

Aber wie gesagt - die böse Pendlerpauschale deckt leider nicht viel ab - aber dennoch ist sie eine kleine Hilfe - 3/4 Tank geht sich damit aus.

Außedem, wenn alle bösen Landbewohner in die Stadt kommen, dann hätte die Stadt ein großes Problem.

Lectrice
01
26.9.2011, 15:27

Das sind die, die schreien warum soll die Allgemeinheit blablabla. Brauchen Sie selbst etwas, dann ist die Allgemeinheit gut genug zu zahlen.

Ich wohne zwar in Wien, weiss aber, dass die Pendlerpauschale lächerlich ist und sicher kein Entscheidungskriterium um aus Land zu ziehen.

Da sind ein paar lustige Studenten und Träumer unterwegs.

N7
00
26.9.2011, 19:45

Ja, hier sind viele Träumer-Studenten unterwegs. Ich finde diesen Stadt-Land-Kampf dumm. Beides hat seine Vorteile ... und auch Nachteile. Ich hab für ein paar Jahre in Wien gewohnt - war sehr nett und man ist gleich wo - es ist immer was los. Hat mir gefallen. Jetzt wohne ich am Land, das gefällt mir auch. Schade halt nur, dass es am Land nicht so viele Jobs wie in der Stadt gibt.

Lectrice
01
26.9.2011, 20:46

Sehe das auch so und lebe in der Stadt wegen dem Job. Mir wäre das Pendeln zu viel, habe aber vor in ein paar Jahren rauszuziehen.

Ich finde es echt arg, den Menschen vorschreiben zu wollen WO sie zu wohnen haben.

I pocks net
 
00
14.6.2011, 18:31

Wenn die Leute kein Geld mehr für Benzin haben, sollen sie eben mit dem Flugzeug fliegen.

BraS
 
00
10.6.2011, 12:25
Neid?

oh, keine Angst, ich wollte mit niemandem in der Thujenhölle tauschen.

Ich sehe nur weder soziale noch regionalpolitische noch umweltpolitische Rechtfertigungen für diese seltsame Form von Steuererleichterung.

Spartaner13
00
10.6.2011, 13:22

hehe was ist eine Thujenhölle? Klingt ja sehr schlimm :-)

R. Lexer
00
10.6.2011, 10:03

Irgendwie haben Sie den (zugegeben fragwürdigen) "Sinn" der Pendlerpauschale nicht verstanden.

Sie bekommen natürlich nicht die Fahrt erstattet, sondern lediglich die Lohnsteuerbemessungsgrundlage angepasst, da die Kosten, die Ihnen bei der Fahrt zu Arbeit entstehen, als Werbungskosten angesehen werden. Es ist eine (pauschalisierte) Steuerrückerstattung.

Spartaner13
00
10.6.2011, 10:12

Klar hab ich den Sinn verstanden - was hab ich falsches gesagt?

R. Lexer
00
10.6.2011, 10:28

Es klingt so, als müsse die Pendlerpauschale irgendwas abdecken.

Spartaner13
00
10.6.2011, 10:36

Achso nein, so war es nicht gemeint. Ich meinte nur, dass ich mit der Pauschale nicht so viel anfangen kann, aber ich bin dennoch froh, dass ich sie bekomme.

BraS
 
21

Neid? Nein danke, mir kann das Landleben gestohlen bleiben.
Genauso wie die Suderei derer, die sich für ein solches entscheiden, dann aber vor den negativen Konsequenzen ihres Entschlusses stehen, und alle anderen dafür verantwortlich machen wollen.

Lectrice
00
26.9.2011, 15:29

Und weil SIE nicht am Land leben wollen darf es niemand oder wie? Ist der Massstab, wie man zu leben hat, in der Stadt zu leben?

Spartaner13
00

Ja gegen diese Leute bin ich auch - das sehe ich auch nicht ein. Das muss man sich halt vorher alles genau überlegen.

FFluXXuSS
00
Upps, da habe ich den "Almabtrieb" der Melkkuh verpasst, junger Chef, interessante Ansagen!

8Nachtigall8
13
26.4.2011, 09:58

sehr gute aussagen.. da hat ja wirklich wer ahnung,.. hundertmal besser als stupides: der sprit ist so teuer, wie autofahrer und Pendler sind die ärmsten der armen und bei uns zockt man ab.. ( fpö abgeordneter bei einer ParlamentsSittzung) wo man sich echt fragen muss, ob die leute wirklich nicht weit genug denken können, umzu merken, dass das nicht richtig sein kann, wenn jemand jeden tag aus dem Burgenland nach wien "pendelt" und dafür dann auch noch geld kassieren will..

johann steiner
60
25.4.2011, 13:54
überhaupt nicht

Es gibt kaum eine Erschwernis für die Autofahrer an der der ÖAMTC nicht mitverdient, jedes Stück das der Autofahrer zusätlich mitnehmen muss wird auch vom OEAMTC verkauft und wenn das alles einmal so viel wird, dass man dafür einen Anhänger braucht, dann wird das wieder ein gutes Anhängergeschäft für den OAEMTC,

Experte für eeh alles
00

Socken?

Major Nelson
 
00
26.6.2011, 18:35

Sie haben aber auch gar nichts verstanden.
Kein Wunder, wenn Sie sich nicht einmal selbst verständlich ausdrücken können.

me phisto
52
25.4.2011, 10:32
Was ist der Fetisch?

Heute ist der Fetisch das Fahrzeug. Alles, was diesem Fetisch weh tut oder im individuellen subjektiven Wert einschränkt wird verdammt. MÖST, Benzinpreis, Maut, Parkgebühren. Alles was ihm gut tut wird bejubelt. Pendlerpauschalen, km-Gelder, Wenn schon Mauten, dann Subventionen der Wenigfahrer zu den Vielfahrern durch verbrauchsunabhängige Pauschalen, etc...

In zwanzig Jahren ist der Fetisch die Mobilität selbst. Zusammengesetzt aus ÖV- und IV-Komponenten. Der Fetisch "Fahrzeugbesitz" wird abgelöst durch die Reduktion auf das Wesentliche. Nämlich die Möglichkeit von A nach B zu kommen. Möglichst schnell und bequem. Wenn man von der Politik nun auch noch zeitgerecht ökologische Komponenten dabei miteinbezieht ergibt die Logik die Lösung!

. g.bac
34
25.4.2011, 10:58
inhaltslose schlagworte

was soll an umsteigen und keinen platz im bus haben bequem sein?

wenn schon dann passen da die worte, cool oder hip. vielleicht fühlt sich die unbedarfte jugend davon angesprochen.

der fetisch ist das fahrzeug... auf öffler umgemünzt, ersetze einen zug durch einen bus und das geheule fängt an. natürlich will jeder das bequemste haben, na no na net.

kennen sie jemanden der freiwillig auf 10% seinens gehaltes verzichtet?

me phisto
41
25.4.2011, 15:45
In zwanzig Jahren ...

... wird der PFV (Personenfernverkehr) ab 120km Entfernung überwiegend von Zügen erledigt, die 250-300km/h fahren. Diese verbinden Städte viel schneller und bequemer, als jeder IV.

... fährt kein Mensch mit dem Auto nach zB. Italien, wenn der Zug schneller und bequemer ist und die IV-Mobiltätsbedürfnisse vorort zB. von Carsharing erbracht werden kann.

... wird die grundsätzliche IV-Accessmöglichkeit von Städten davon bestimmt, ob man eine Stellfläche besitzt. Andernfalls wird Zutrittsgebühr in einer Höhe zu bezahlen sein, die mindestens dem Access mit dem ÖV bzw. der Bereitstellung öffentlicher Parkfläche entspricht.

... gibt es beim PNV (Personennahverkehr) zahlreiche Hubs im Stadtumland, bei denen bequem von IV auf ÖV gewechselt werde

tock tock tock
22
25.4.2011, 18:59
Carsharing und Autovermietung sind

*VIEL* zu teuer um wirklich interessant zu sein!

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