AK Vorarlberg kritisiert hohe Handy-Rechnung für behinderte Frau

22. April 2011, 18:52
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Geistig beeinträchtigte Feldkircherin bezahlte rund 2.500 Euro - Telekom Austria weist Vorwürfe zurück

Die Arbeiterkammer Vorarlberg (AK) kritisiert eine Handy-Rechnung für eine behinderte Vorarlbergerin, die für Datenverbindungen über ihr Smartphone seit November 2010 rund 2.500 Euro bezahlt hat. Die Konsumentin, die zu 50 Prozent als geistig beeinträchtigt eingestuft wurde, sei gar nicht geschäftsfähig, beanstandete die AK und forderte die Rückabwicklung des Vertrags. Die Telekom Austria wies die Vorwürfe zurück.

Smartphone

Die Frau arbeite an einem geschützten Arbeitsplatz und verfüge daher über ein kleines Einkommen, für das ein Gehaltskonto eingerichtet worden sei, so die AK. Die Mutter nehme die Obsorgepflicht wahr. Die junge Handykundin kaufte in Begleitung ihrer Großmutter in einem Shop des Anbieters ein Smartphone und erweiterte dabei ihren bestehenden Vertrag um ein Datenpaket. Es folgten monatliche Rechnungen zwischen 200 und 800 Euro, da die Frau ihr Handy für Internetvideos nutzte. Inzwischen beliefen sich die Kosten auf rund 2.500 Euro. Die Abbuchungen seien nicht sofort aufgefallen, weil das Konto stets gedeckt war und die Frau zudem ihre Kontokarte verlegt hatte, hieß es.

Einschränkungen der Kundin

"Die Konsumentin ist keinesfalls imstande, einen solchen Vertrag auch nur in den Grundzügen zu verstehen und auch die Großmutter, welche die Frau begleitet hatte, konnte den Ausführungen nicht folgen", so AK-Konsumentenberater Paul Rusching. Wegen der auch objektiv wahrnehmbaren Einschränkungen der Kundin hätte der Vertrag nicht zustande kommen dürfen. Eine Rückabwicklung des Vertrags sei absolut angebracht, befand Rusching.

Laut der Telekom Austria stellt sich die Sachlage anders dar. Die Frau habe 2005 mit ausdrücklicher Genehmigung ihrer Mutter einen Mobilfunkvertrag abgeschlossen. Die gesetzliche Vertreterin sei offensichtlich der Meinung gewesen, ihre Tochter verfüge über dafür ausreichende intellektuelle Fähigkeiten. Über eine etwaige Minderung der geistigen Fähigkeiten sei man nicht informiert worden, diese seien auch nicht ersichtlich gewesen. Dass die Abbuchungen monatelang nicht auffielen, sei "nicht nachvollziehbar".

SMS

Die junge Kundin habe zudem laufend per SMS Informationen über den Rechnungsstand erhalten. Noch im Februar habe die Betroffene über die A1-Internetseite ein zusätzliches Datenpaket bestellt. Die Kundin verfüge offenbar also über die Fähigkeit und Kenntnis, Dinge selbstständig zu bestellen. Die Frau sei volljährig, verfüge über ein eigenes Konto und habe keinen Sachwalter, daher sei man verpflichtet, Verträge auf ihren Wunsch durchzuführen, betonte die Telekom. "Wir weisen Unterstellungen auf das Schärfste zurück, dass wir die Unkenntnis oder Behinderung einer Kundin ausnützen würden", so das Unternehmen. Man wolle der Frau als langjähriger Kundin dennoch entgegen kommen und biete an, die letzten beiden Rechnungen gutzuschreiben. (APA)

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    Die junge Handykundin kaufte in Begleitung ihrer Großmutter in einem Shop des Anbieters ein Smartphone und erweiterte dabei ihren bestehenden Vertrag um ein Datenpaket.

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