"Barbie" muss sich mit Rivalin abfinden

22. April 2011, 19:46
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Barbie-Mutter Mattel muss ihre schärfste Rivalin ins Kinderzimmer lassen: Bratz siegt im Rechtsstreit um Imitate und Spionage

Barbie-Mutter Mattel muss ihre schärfste Rivalin ins Kinderzimmer lassen: Bratz trägt im Rechtsstreit um Imitate und Spionage den Sieg davon. Sammler bleiben Barbie dennoch treu. Der Spielzeughandel rennt um ihr Leiberl.

Wien – Sollen sie nur alle über seine Leidenschaft für Barbie lachen, sagt Franz Stadlmann. Die glaubten, er sitze daheim und spiele mit Puppen, was natürlich Unsinn sei. Er sammle sie, seit mehr als zwanzig Jahren, "und wer sie sieht, erkennt auch den Wert, der in ihnen steckt". Stadlmann nennt gut 2000 blonde Barbies sein Eigen, für besonders rare hat er ein Museum im Salzkammergut gegründet.

Einige hundert Modelle kämen in manchen Jahren auf den Markt, nur auf Börsen bleibe man da ständig am Laufenden. Manchen renne er ein Jahr lang hinterher – reizen würden ihn ja viele, seufzt Stadlmann, allein es scheitere am Geld. Für seine Sisi-Barbie legte er einst tausende Euro hin, eine finanzielle Grenze nach oben gebe es nicht. Er habe ein schönes Werk geschaffen, sinniert er, aber ein günstiges Hobby sei das beileibe nicht.

Die Welt der Barbie ist im Reich der Sammler auch mehr als 50 Jahre nach ihrer Geburt eine heile. In den Kinderzimmer sieht es jedoch anders aus. Da herrscht Krieg mit Bratz: Die Rivalin aus amerikanischem Haus ist nicht nur jünger, sondern auch rotzfrech. Beide Modepuppen waschen ihre Schmutzwäsche in der Öffentlichkeit – heraus kamen Vorwürfe der Imitation und Spionage. Das Gericht erteilte der älteren nun eine Abfuhr.

Die Mutter von Bratz mit ihrem großen Kopf und den Kulleraugen ist MGA Entertainment. Seit 2001 pflegen die Kalifornier ihr urbanes multiethnisches Image und erzielen damit bereits Milliardenumsätze. Barbie ist das Kind von Mattel: Der weltweit größte Spielzeughersteller setzt fast sechs Milliarden Dollar um, geschätzt ein Drittel geht auf das Konto der Puppe, mit zum Teil herben Einbußen.

Nun trug es sich zu, dass der Designer von Barbie auch ihre Konkurrentin entwarf. Die Frage dabei ist, wann. Laut Mattel sei die Skizze dazu während der Karriere des Puppenkünstlers in ihrem Unternehmen entstanden. Dass die Idee gestohlen sei, wies MGA entschieden zurück und parierte mit dem Vorwurf, Mattel spioniere Mitbewerber systematisch aus. Mehrere Jahre lang wogte der Streit hin und her. Jetzt entschied die Justiz, dass Bratz hierbei keine Verfehlung anzulasten sei. Im Gegenteil, sie soll sogar Schadenersatz erhalten.

Für Mattel kommt die Niederlage in einer Phase, die ohnehin von Rückschlägen gezeichnet ist. Neben der Wirtschaftskrise mussten Skandale um mit Blei belastetem Spielzeug aus China verdaut werden. Konstruktionsfehler führten im Vorjahr erneut zu Rückrufen – elf Mio. Artikel waren betroffen.

Elektronischer Spieltrieb

Puppe Bratz ist auch in Europa auf dem Vormarsch. Die Österreicher blieben Barbie dennoch treu, sagt Franz Schweighofer, hier sei man in diesen Dingen doch eher traditionell. Der Chef der Spielwarenkette Toys'R'Us, die mit 14 Filialen knapp ein Drittel des Marktes abdeckt, will Barbie und Co ih- re Bedeutung für den Handel nicht absprechen. Groß verdienen können man damit aber längst nicht mehr, meinen Branchenkollegen: Der Spieltrieb der Kinder verlagerte sich in die elektronische Welt.

An die 400 Millionen Euro wiegen die Geschäfte mit Kinderspielzeug in Österreich, Elektronik inklusive. Ostern treibt die Umsätze für wenige Wochen ums Dreifache nach oben. Geschenkt wird vor allem das, mit dem es sich im Freien spielen lässt. Branchenfremde Anbieter wie Spar und Drogerieriese Müller mischen kräftig mit.

Weltweit besitzen nach wie vor 90 Prozent der Mädchen im Alter von bis zu zehn zumindest eine Barbie. Von Ken musste sich diese vor sechs Jahren trennen, jetzt versucht Mattel den ausgemusterten Ex-Freund zu reanimieren.

Stadlmann entlocken alle Rivalinnen nur mildes Lächeln. Nachahmer gebe es viele, aber mit der Barbie sei es wie bei Red Bull, "an die Bekanntheit kommt keiner heran". Jede einzelne seiner Puppen spiegle Zeitgeschichte wider. Von Sammlerkult rund um Bratz habe er im Übrigen noch nie was gehört. (Verena Kainrath, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 23./24./25.4.2011)

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    Der Tanz um die Puppen beschäftigt die US-Gerichte seit Jahren. Es geht um die Vormacht in Kinderzimmern und Milliardenumsätze. Für Mattel-Tochter Barbie (unten) wird es dabei eng. US-Konzern MGA Entertainment droht dem blonden Fliegengewicht mit seinen jüngeren trendigen Bratz-Töchtern (oben) weltweit den Rang abzulaufen.

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    foto: standard/cremer
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