Schwarze Polster unterm Auge

  • Herr der Ringe: Bei SPÖ-Clubobmann Josef Cap paaren sich Augenringe mit Tränensäcken.
    foto: reuters/heinz-peter bader

    Herr der Ringe: Bei SPÖ-Clubobmann Josef Cap paaren sich Augenringe mit Tränensäcken.

Gegen hartnäckige Augenringe und Tränensäcke hilft meist nur eine Operation

Der Kampf gegen Augenringe und Tränensäcke ist ein verzweifelter. Das bezeugen die unzähligen Ratschläge auf diversen Online-Gesundheitsseiten und in Foren. "In vielen Fällen bieten einfache Hausmittel Soforthilfe gegen die ärgsten Erscheinungsformen", lautet das allgemeine Credo. Helfen sollen: kalte Schwarzteebeutel oder Gurkenscheiben als Augenkompressen, genug Schlaf, die Zufuhr von literweise kaltem Wasser statt Nikotin und Alkohol, eine Topfenmaske, Cremes mit Koffein oder Harnsäure... Eine komplexe aber scheinbar einfach zu bewerkstelligende Liste. Aber hilft es, angesichts beständiger dunkler Polster unter den Augen, auf Hausmittel und -verstand zu setzen?

"Viel Schlaf und wenig Alkohol können nie verkehrt sein. Ob das allerdings einen Einfluss auf Augenringe und Tränensäcke hat, bleibt dahingestellt", sagt Maria Deutinger, Leiterin der Abteilung für Plastische Chirurgie und Wiederherstellungschirurgie an der Wiener Rudolfstiftung. Was die restlichen guten Tipps betrifft, kann sie auf keinerlei Erfahrungswerte zurückgreifen. Ebenso was die Behandlung der Problemzonen mit Cremes und Rollern betrifft. Am ehesten empfiehlt sie eine Lymphdrainage, die übrigens auf Gesundheitsseiten und in Foren kaum erwähnt wird.

Genetisch bedingt

Augenringe und Tränensäcke werden oft in einen Topf geworfen, weil sie oft Hand in Hand daher kommen: als dunkel gefärbte Schwellungen unter den Augen. "Sie bedingen einander aber nicht", weiß Deutinger und grenzt klar ab: Bei Augenringen handelt es sich um dunkle Verfärbungen, bei Tränensäcken um Fettansammlungen unter dem Auge. Letztere bilden sich, wenn der Lymphfluss aus seinem Rhythmus kommt. Die Augenpartien schwellen an, Muskeln und Bindegewebe leiern aus.

"Meistens besteht eine genetische Disposition", meint Deutinger. Auf eine solche hätten Hausmittelchen keinen Einfluss. Aber auch internistische Erkrankungen können Verursacher von Tränensäcken sein, weshalb die Expertin vor einem eventuellen chirurgischen Eingriff die Abklärung der Nieren- und Schilddrüsenwerte empfiehlt.

Nieren- und Schilddrüsenwerte abklären

Um genetisch bedingte Tränensäcke dauerhaft zu beseitigen, scheint der Griff zum Skalpell also unvermeidlich. Dabei zieht der Arzt am Unterlid einen kleinen Schnitt, das Fett wird entfernt, Haut und Muskeln gestrafft. Das Risiko? "Ein sogenanntes Ektropium kann entstehen: Das Fettgewebe wird nach oben gezogen, was zu einem Auswärtsrollen des Lides führt und eine oder mehrere weitere Operationen nach sich zieht", gibt Deutinger zu bedenken.

Keine kleine Sache

Wem Maria Deutinger die Operation empfiehlt? "Sicher niemandem", betont sie, "den Eingriff muss jeder für sich selbst entscheiden". Er kann ambulant im öffentlichen Krankenhaus, Privatklinik oder ähnlichen Institutionen durchgeführt werden. Die Kassa beteiligt sich nicht an den Kosten. Die Preisgestaltung ist von Institution zu Institution verschieden.

"Zwei Wochen oder auch etwas länger dauert es, bis sich die Hämatome zurückgebildet haben", informiert Deutinger. Nach einem Jahr ist die Narbenbildung abgeschlossen. Also keine kleine Sache... "Nein, es ist ein ernst zu nehmender Eingriff", erklärt die plastische Chirurgin. (Eva Tinsobin, derStandard.at, 27.04.2011)

Share if you care