Wenig auf Schiene nach Nebenbahnenstopp

22. April 2011, 18:14
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Gemeinden wollen stillgelegte Gleise nutzen oder Radwege bauen oder beides

St. Pölten - Mehr als 300 Kilometer Gleise warten seit der Stilllegung etlicher Nebenbahnen in Niederösterreich auf Wiederbelebung - oder Demontage. Das Land Niederösterreich, das insgesamt 28 Strecken von der ÖBB übernommen hat und auf nur zwei davon weiterhin Züge im Regelverkehr fahren lässt, hat alle Rechte. Auf Schiene ist aber noch nicht viel. Man werde die Wünsche betroffener Gemeinden beherzigen, heißt es im Büro des zuständigen Landesrates Johann Heuras (VP).

Natürlich geht es dabei in erster Linie ums Geld. In Obergrafendorf beispielsweise, wo die "Krumpe", ein Nebenarm der Mariazellerbahn Richtung Mank, stillgelegt wurde, plädiert Bürgermeister Rainer Handlfinger für eine Doppellösung: Erhaltung der 18 Kilometer langen, einspurigen Schmalspurstrecke für Nostalgiefahrten und parallel dazu ein Radweg. Das Problem: die geschätzten Kosten von 4,3 Millionen Euro. In der Eisenbahnergemeinde, in der unter anderem mehrere historische Dampflokomotiven stationiert sind, sieht man jedenfalls eine große Chance für die Region im Mostviertel.

Möglichkeit: Draisinen-Gemeinschaft

Manche Gemeinden überlegen auch den Zusammenschluss zu einer Draisinen-Gemeinschaft, um die Geleise zu nutzen. Vorbild sind die Fahrraddraisinen im Weinviertel zwischen Ernstbrunn und Asparn. Aufgrund der großen Nachfrage ist die zwölf Kilometer lange Strecke heuer schon ab Ostermontag geöffnet.

Im Ybbstal hat sich die Mehrheit der VP-Bürgermeister gegen Widerstand von SP-Amtskollegen durchgesetzt, hier wird teilweise über das Gleis ein Radweg über 38 Kilometer errichtet, die Kosten liegen bei 8,7 Millionen Euro. Private Übernahmegebote für die Ybbstalbahn wurden von der Niederösterreichischen Verkehrsorganisation GmbH (Növog) als nicht kostendeckend abgelehnt. (simo, DER STANDARD-Printausgabe, 23./24./25.4.2011)

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