Mit Hochegger zum Philanthropen und Telekom-Chef

22. April 2011, 18:12
50 Postings

Rund 360.000 Euro legte die TA für das Karriereförderungskonzept für Gernot Schieszler auf den Tisch. Bestellt hat es Schieszler, erstellt Hochegger, umgesetzt wurde nur ein Bruchteil

Rund 360.000 Euro legte die Telekom Austria für das Karriereförderungskonzept für Telekom-Manager Gernot Schieszler auf den Tisch. Bestellt hat es Schieszler, erstellt Hochegger, umgesetzt wurde nur ein Bruchteil.

***

Wien - In der Telekom Austria halten das Thema Lobbyingagentur Hochegger und Causa Hochegger/Meischberger viele Rechercheure in Atem. Task Force und interne Revision sind seit Wochen dabei, alle Honorarrechnungen und die ihnen zugrunde liegenden Aufträge zu durchforsten und auf ihre Plausibilität zu prüfen.

Wie berichtet hat die Telekom Austria (TA) unter ihren Exfestnetzchefs Rudolf Fischer und Gernot Schieszler zumindest 25 Millionen Euro an Hochegger.com und Hocheggers Valora überwiesen. Bei Honoraren für neun Mio. Euro ist die Leistung völlig unklar, weswegen sich die Telekom dem Strafverfahren als Privatbeteiligte angeschlossen hat. Zuletzt tauchten zudem Millionenzahlungen auf, die der chinesische Zulieferer Huawei Hochegger laut Format für Telekom-Aufträge zukommen ließ. Möglicherweise liegt der Schaden für die Telekom daher weitaus höher als bei neun Millionen Euro - und auch den könnte die Telekom einklagen.

Einer der Aufträge der Hochegger.com, der wohl etwas überteuert gewesen sein dürfte, heißt "Strategie und Umsetzung für Vorstandspositionierung Gernot Schieszler" und stammt von Jänner 2007. Die TA kostete das Konzept (29 Seiten; die wenigsten der Vorhaben wurden umgesetzt) rund 360.000 Euro. Im Juni 2006 war Schieszler in den Festnetz-Vorstand eingezogen. Nun sollten Peter Hochegger und sein Team den Mann vorbeugend zu "dem logischen Nachfolger des CEO in der Festnetz-AG ab 2011" stylen. Unterschrieben haben den Auftrag ein Prokurist - und Schieszler.

Philanthropisch nach oben

Das sollte laut "Zielreputation" aus Schieszler werden: ein "Topmanager, der fachlich (jederzeit) top-fit ist, seine Organisation mit Loyalität und Leidenschaft führt". Ein "Philanthrop und Menschenfreund, ein Good Citizen". Auch eine "Kurzformel" fürs "Fremdbild" hatte man dafür erfunden: Schieszler, "der innovative Wachstumsmanager".

Der Weg zum Ruf sollte zum Beispiel über "Tischgespräche als Value Creation Lunch" führen, die Themen für die Mittagessen sollte ein "Advisory Board" austüfteln. Mitglieder: Hayek-Institut, Exinnenminister Ernst Strasser, Ex-Bank-Austria-Chef Karl Samstag, Berater Heinz Lederer (Ex-SPÖ), Matthias Winkler (Karl-Heinz Grassers Exkabinettschef) und Hochegger/Bredl (Ex-TA-Sprecher Martin Bredl).

Der Name "Value Creation" hat zumindest überlebt: So heißt Grassers im Mai 2007 gegründete Beratungsgesellschaft. Kostenvoranschlag für Value Creation, den Lunch: rund 21.000 Euro pro Mittagsevent plus 5000 bis 10.000 Euro für einen Vortragenden.

Das Gesamtbudget fürs Schieszler-Mentoring schätzte Hochegger übrigens auf 465.000 Euro.

Weiters sollte der "innovative Valuemanager Schieszler" als Kurator und Mentor einen "Innovationsausbruch" auslösen, und zwar "im Bereich neuer Medienmodelle". Die TA sollte sich um junge Fachhochschulabsolventen kümmern und innovative Projekte finanziell unterstützen. Den Lohn dafür, dass sich der Generaldirektor in spe "aktiv um diese junge Szene kümmert", beschrieben die Konzeptersteller so: "Schieszler wird als Innovationsenabler wahrgenommen".

Gestolpert über Youtube-Video

Natürlich spielten auch die (alten) Medien eine große Rolle, magazinige "Exklusivstorys mit Fokussierung auf Projektmentor Schieszler" wurden ebenso projektiert wie die "Medialisierung der Stakeholder-Events durch Einzelinterviews und Presseaussendungen (gutes Fotomaterial)!"

Überhaupt wäre der "Good-Citizen-Gedanke" heute schon weiter verbreitet, wäre der TA-Festnetzchef zu diesem Thema als "Gastkommentator" aufgebaut worden. Auch seine Vorlieben - was Autos, Managerliteratur, Körper und Seele betrifft - wären heute formidabel ausgeleuchtet, wäre nicht alles ganz anders gekommen.

Denn die Zielreputation "Schieszler ist ein verlässlicher Top-Manager, der allen Stakeholdern unangenehme Überraschungen erspart" blieb unerreicht.

Im Juni 2009 musste der TA-Manager abtreten. Schieszler war über seine öffentlichen, und in Youtube gelandeten, eher undiplomatischen Ausführungen zum Thema Personalabbau gestolpert.(Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 23./24./25.4.2011)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Ließ sich von Peter Hochegger (Bild) um fast 400.000 Euro in bestem Licht und Ambiente präsentieren: Telekom-Finanzer ...

  • ... Gernot Schieszler. Was
 er von seinen Mitarbeitern hielt und wie er Beamte loswerden wollte, 
erzählte er Investoren am Capital Market Day. Über Youtube erfuhr 
es dann die ganze Welt.
    foto: standard/cremer

    ... Gernot Schieszler. Was er von seinen Mitarbeitern hielt und wie er Beamte loswerden wollte, erzählte er Investoren am Capital Market Day. Über Youtube erfuhr es dann die ganze Welt.

Share if you care.