Fondsgesellschaften wagen den Widerspruch

22. April 2011, 17:51
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Union-Aktienchef Michael Schmidt glaubt an "aktives Aktionärstum" von institutionellen Anlegern

Wien - Nachhaltiges Investieren heißt für Michael Schmidt nicht nur das Identifizieren von Börsentrends. Der Leiter des Aktienfondsmanagement bei Union Investment in Frankfurt setzt auch auf aktive Mitentscheidung in der Unternehmensausrichtung. Damit liegt die Union in einem langsam greifenden Trend.

Zahlreiche Fondsgesellschaften in Europa und den USA wollen nach der Krise ihre Stimmrechte in Unternehmen aktiver nutzen. Diese großen institutionelle Anleger halten einen erheblichen Teil der notierten Unternehmenswerte, in den USA etwa sind 78 Prozent aller Aktien in den Händen von institutionellen Anlegern. Doch bis vor kurzem war Widerspruch mit der Unternehmensführung eine Seltenheit.

Die Krise habe das geändert. Nun sei es zentral, dem Management mit konstruktiver Kritik zu begegnen, "aktives Aktionärstum endet nicht mit der Hauptversammlung" , sagt Schmidt zum Standard. Daher hat etwa die Union Investment, basierend auf den Wohlverhaltensregeln des Bundesverband Investment und Asset Management (BVI) einen eigenen Kriterien-Katalog zu ihrem Abstimmungsverhalten geschaffen.

So verlangt die Union von den Unternehmen, an denen sie Anteile hält, die Vergütungspakete der Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder an den langfristigen Unternehmenserfolg zu knüpfen. Auch die Konzentration von zu viel Macht in nur einer Hand sei kritisch zu sehen. Das Team von Schmidt hat zuletzt bei der Hauptversammlung von Daimler die Doppelfunktion von Dieter Zetsche als Konzernchef und Chef der Pkw-Sparte bemängelt.

Doch auch nachhaltige, ökologische Themen kommen dabei zum Tragen. Die Union-Aktienmanager fordern etwa als Eigner von 10,9 Millionen Aktien der Daimler AG (knapp ein Prozent des Grundkapitals), dass das Unternehmen bei der Energieeffizienz zur Konkurrenz aufschließen soll. Auch in anderen Sparten fordern die Fondsmanager immer öfter Innovationsführerschaft ein, erklärt Schmidt.

Dabei gehe es auch um die Gewinne, betont der Aktienexperte. "Ohne Nachhaltigkeit für die Aktionäre funktioniert das Konzept nicht." Für die Zukunft rechnet Schmidt mit einer positiven Bewegung am Aktienmarkt. "Der Aufschwung wurde von Schwellenländer losgetreten, jetzt verfestigt er sich stark in den USA" , zeigt sich der Experte optimistisch. (Lukas Sustala, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 23./24./25.4.2011)

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