Äußere und innere Spannung

22. April 2011, 17:28
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Wagners "Parsifal" an der Wiener Staatsoper

Wien - Es stellt ein gewisses Risiko dar, nach Ende der Vorstellung einem Künstler auf offener Bühne eine Auszeichnung, etwa den "Lotte Lehmann Gedächtnisring", überreichen zu wollen. Misslingt der Abend, steht man bei der anschließenden Übergabe, etwa der vom Solistenverband der Wiener Staatsoper (seit 1955) vergebenen Auszeichnung, ein bisschen blöd da.

Beim Parsifal allerdings zeigte sich schnell, dass die Ringüberreichung durch Staatsoperndirektor Dominique Meyer nur die logische Abrundung eines ziemlich guten Abends werden würde. Zwischen den fechtenden, zerlumpten Rittern (Regie Christine Mielitz) durchwanderte (die mit dem Ring bedachte) Waltraud Meier (als Kundry) differenziert die helfenden, verführenden und schließlich dienenden Aspekte dieser komplexen Frauenfigur.

Sie war also das, was sie ausmacht - eine mit hoher Innenspannung in der Rolle aufgehende Darstellerin und Gestalterin von hoher Glaubwürdigkeit. Wobei: Schon der vokale Part allein liefert bei Meier mehr als nur eine Bandbreite zwischen intimen und hochexpressiven Tönen. Es wäre das Drama der Kundry auch bei geschlossenen Augen erfahrbar gewesen.

Hier stimmte allerdings jederzeit auch der orchestrale Rahmen. Dirigent Ingo Metzmacher und das philharmonische Staatsopernorchester schafften eine tragfähige Balance zwischen Leichtigkeit, rhythmischer Pointiertheit und jener prall klingenden Entladung der Wagner-Massen. Diverse Formen von Intensität waren zu hören - und alle sängerfreundlich. Davon profitierten der imposante Falk Struckmann (als Amfortas), der solide Christopher Ventris (als Parsifal) wie auch der um Nuancen bemühte Franz-Josef Selig (als Gurnemanz). Und natürlich auch der profunde Chor. (Ljubisa Tosiæ, DER STANDARD/Printausgabe 23./24./25.4.2011)

24. und 27. 4., 17.30 Uhr

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