ARD: Günther Jauch im Urwald

22. April 2011, 17:15
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Eine ARD-Sendung besinnt sich auf Wissenserweiterung, Thrill und Nonsens

Das spielerische Element ist im usurpatorischen Quizformat von heute, der "Millionenshow", leider kaum vorhanden. Wie der Titel schon sagt, geht es hier in angespannter, nüchterner Atmosphäre vor allem ums reine Kohlemachen. Wie schön war das früher, als Hans Rosenthal in "Dalli Dalli" noch Luftsprünge machte oder der auf das Showparkett geworfene Schaumstoffwürfel in Hans-Joachim Kulenkampffs "Einer wird gewinnen" die Entscheidung bei Punktegleichstand fällte. Das waren ausgeklügelte, vielgestaltige Konzepte, die sich heute niemand mehr leisten will. Von den Bigband-Einlagen ganz abgesehen.

Mit gar nicht so kleinem Aufwand besinnt sich eine wohltätige Sendung der ARD aber auf diese anachronistische Mischung aus Wissenserweiterung, Thrill und Nonsens: "Das unglaubliche Quiz der Tiere" von Frank Elstner macht Bekanntschaft mit sonst ignorierten Tierarten und ihren speziellen Eigenschaften. Vom Walliser Schwarznasenschaf bis zum asiatischen Feuchtnasenaffen war am Donnerstag alles da, was im Tierreich Rang und Namen hat; Kaimane, Enten, Pelikane. Die schönen und sich entsprechend ihrer Natur (gefräßig, laut, unwillig) verhaltenden Tiere betraten jeweils von der Seite die Urwaldbühne mit den drei prominenten Ratenden; diesmal: Sophia Thomalla, Axel Schulz und Günther Jauch, der seinen Wissenslücken lange freien Lauf ließ, um dann richtig zuzuschlagen.

Dramaturgischer Höhepunkt des Ratespiels ist das Erkennen von Tieren durch blindes Betasten. Die hereingeschobenen, verdeckten Terrarien erzeugten Spannung, doch im Rahmen dieser, von Elstner gediegen moderierten Sendung blieb dann doch alles erfreulich human: Niemand musste Kröten oder gar Schlangen berühren, sondern eventuell Meerschweinchen.

"Das unglaubliche Quiz der Tiere" ist also deshalb so unglaublich, weil es in Zeiten wie diesen auf Entsuperlativierung, Entschockisierung und Entekelisierung beharrt. Oh danke. (Margarete Affenzeller/DER STANDARD, Printausgabe, 23./24./25.4.2011)

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