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Olaf B. Rader "Friedrich II. Der Sizilianer auf dem Kaiserthron. Eine Biographie." 30 € / 592 S., C. H. Beck, München 2010
War der Stauferkaiser Friedrich II. ein Freund der Muslime? War er etwa gar selbst ein verkappter Muslim, der seine christliche Taufe nur vorgetäuscht hatte? Dieses sich über Jahrhunderte hartnäckig haltende Gerücht streuten Friedrichs päpstliche Gegner bereits zu seinen Lebzeiten aus, urbi et orbi. Solcher Rufmord hat Methode: Nach demselben Muster unterstellen 800 Jahre später evangelikale Glaubenskrieger in den USA ihrem Präsidenten Barack "Hussein" Obama, sein christliches Glaubensbekenntnis sei nur die Tarnung eines in der Wolle gefärbten Anhängers des Propheten Mohammed.
Propagandalügen haben lange Beine. Die von christlichen Fundamentalisten laufen sichtlich besonders weit. Um den 1194 geborenen Friedrich zu verfemen, ließen die Päpste im Hochmittelalter alle Höllen- und Fegefeuer heller lodern als je zuvor. Dieser umfassend gebildete, staunenswerte Kaiser ("stupor mundi") passte mit seinem unbotmäßigen Verhalten, seiner weltoffenen Unbefangenheit und Toleranz, vor allem aber mit seiner selbstbewussten Reichs- und Italienpolitik so gar nicht ins päpstliche Konzept weltlichen Machtanspruchs. Gleich zweimal, 1227 und 1239, wurde der Bann über ihn verhängt. 1245, auf dem Konzil von Lyon, erklärte man ihn kurzerhand für abgesetzt. Die Auseinandersetzung zwischen Kirche und Staat zog sich quer durch Friedrichs Regierungszeit (1208-1250) und wurde erbarmungslos, mit Waffengewalt und Mordanschlägen, geführt.
Der Tod Friedrichs II. am 13. Dezember 1250 auf seinem apulischen Jagdschloss Fiorentino kam schließlich jedem weiteren geplanten Attentat zuvor. Die Fama vom verkappten Muslim auf dem Kaiserthron wurde früh verbreitet und hält sich spätestens seit Friedrichs erfolgreichem Kreuzzug nach Jerusalem. Dreizehn Jahre hatte der Kaiser mit der Erfüllung seines Kreuzzuggelübdes gewartet und war deshalb, bevor er 1228 nach Palästina aufbrach, von Papst Gregor IX. exkommuniziert worden. Zum ersten Mal fuhr der Anführer eines Kreuzzugs nicht mit dem Segen des Oberhaupts der Kirche in den Orient, sondern mit dessen Fluch.
Indes, die Mission, die keiner vor ihm erfolgreich erfüllt hatte, gelang: Ohne einen einzigen Schwertstreich fiel die Hauptstadt des Heiligen Landes in Friedrichs Hände. Als selbstgekrönter König von Jerusalem war er unbestreitbar der wahre Imperator der Christenheit. Er hatte mit dem Sultan von Ägypten, Malik al-Kamil, dem Herrn über die heiligen Stätten der Christenheit, einen tragfähigen Verhandlungsfrieden für den Nahen Osten erzielt, der immerhin über ein Dutzend Jahre hielt.
Diesen Überraschungscoup verdankte Friedrich vor allem seiner profunden Kenntnis des Arabischen und seiner Vertrautheit mit der Denkweise der Orientalen - Hinterlassenschaften seiner sizilischen Jugend als Waisenknabe in Palermo, wo er in einem wahren Völkergemisch aus Normannen und Griechen, Italienern und Deutschen, Juden und Sarazenen aufgewachsen war.
Dermaßen angetan waren die muslimischen Potentaten von dem auch in den arabischen Wissenschaften bewanderten Kaiser, dass ihre Chronisten die Legende vom verkappten Muslim gleich mitübernahmen. Die Nachbarschaft verschiedener Rassen und Religionen, wie er sie in der Jugend erlebt hatte, prägten das Weltbild des Kaisers. Mit 17 war das "Kind aus Apulien", wie der Sohn des Stauferkaisers Heinrich VI. und der normannischen Königstochter Konstanze genannt wurde, von seinem Erbreich Sizilien nach Norden aufgebrochen, um die Macht des welfischen Gegenkaisers Otto IV. zu brechen, was ihm vor allem durch seine vielgepriesene innata liberalitas, die "angeborene Freigebigkeit", gelang: Das mitgeführte Gold aus Sizilien, die unzähligen Schenkungen, viel zusätzlich geborgtes Geld bahnten ihm schnurgerade den Weg erst zur deutschen Königs-, dann zur römischen Kaiserkrone. Mit Mitte zwanzig war Friedrich, halb Schwabe, halb Sizilianer, bereits am Ziel seines Machtanspruchs.
Sein wahres Interesse, so behauptet zumindest Friedrichs jüngster Biograf Olaf B. Rader, galt dem mediterranen Raum. Hier lag der Schwerpunkt seiner Hausmacht, hier führte er endlose Kriege zu Land und zur See. Hier, in Sizilien und Süditalien, baute er nach byzantinischem Vorbild den ersten modernen Beamtenstaat mit zentralisierter Verwaltung auf und leitete eine Rechtsform in die Wege, die beispielgebend für das übrige Europa war.
Hier hielt er aber auch die meiste Zeit Hof: In Zeltlagern, ständig unterwegs, mit einem umfangreichen Hofstaat, mit Möbeln, Büchern, Waffen und einem ganzen Zoo von Affen, Leoparden, Giraffen, einem Elefanten und seltenen Vögeln im Gefolge - ein ebenso märchenhafter wie bizarrer Anblick, der von einer Truppe bewaffneter Sarazenen sowie von zahlreichen orientalischen Tänzerinnen und Gauklern noch verstärkt wurde.
Friedrichs Gelehrsamkeit war außerordentlich. Er gründete die Uni Neapel, betätigte sich als Naturforscher, schrieb mit seinem Falkenbuch ein beachtliches vogelkundliches Werk. An seinem Hof gingen christliche, jüdische und arabische Gelehrte ein und aus, parlierten mit dem Kaiser in ihren verschiedenen Sprachen: Volgare, Latein, Griechisch, Arabisch und Hebräisch waren dort gebräuchlich. Friedrich bewährte sich als Brückenbauer nicht nur zwischen Okzident und Orient, Christentum und Islam, sondern auch zwischen Tradition und Aufbruch: Als "ersten modernen Menschen auf dem Thron" hat ihn Jacob Burckhardt benannt, ohne dabei seinen absolutistischen Machtanspruch zu übersehen.
Farbenprächtig und erhaben, in prunkvollem Stil hat in den 1920er-Jahren Ernst Kantorowicz, Mitglied des George-Kreises, Friedrich II. in seiner monumentalen Biografie vorgestellt (neu aufgelegt 2010 bei Klett-Cotta). Die neuere Forschung indes, auf die sich Rader als Mittelalterhistoriker an der Humboldt-Universität Berlin stützt, hat das Bild des so fortschrittlichen und fremdenfreundlichen Monarchen merklich korrigiert. In Raders kompetenter und gut lesbarer Darstellung werden manche Legenden und Unterstellungen dekonstruiert. So ist zwar die vielbeschworene Toleranz gegenüber den Muslimen nicht in Abrede zu stellen, war indes einer harten Pragmatik des politischen Kräfteausgleichs geschuldet. In Sizilien jedenfalls wurden die aufständischen Sarazenen mit harter Hand abgesiedelt und nach Apulien, in die Stadt Lucera, zwangsdeportiert. Dort ließ sie der Kaiser das Land kultivieren und setzte zwischen ihre Moscheen für sich einen Palast. Darin halte er sich einen Harem und lebe wie Harun ar-Raschid, vermeldete die Fama. Aber das war schon wieder eine gezielte fundamentalistische Propagandalüge. (Oliver vom Hove/DER STANDARD, Printausgabe, 23.-25. 4. 2011)
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Kaiser Friedrich war ein sehr glamouröser Herrscher, der vor allem Kriege führte um das süditalienische Reich, das bei Weitem nicht nur aus Sizilien bestand, sondern bis nach Capua und Ancona reichte mit Deutschland zu verbinden, und er scheiterte mit dem Versuch die oberitalienischen Städte zu unterwerfen. Er war zumindest auch ein Angriffskrieger. Der Schlacht von Liegnitz in der es Deutschland gegen die Mongolen zu verteidigen galt, blieb er fern, und seither gab es auch auf den deutschen Reichstagen keine staufischen Mehrheiten mehr. Er hinterließ ein hochverschuldetets Königreich Neapel und Sizilien und eine Familie die sich der von ihm hinterlassenen Feinde nicht lange erwehren konnte.
Ich möchte jetzt bitte keinen von beiden hochjubeln oder runtermachen, aber wie bitte, kommt man auf die Idee Barack Obama mit Friedrich II zu vergleichen? Oder gibt's irgend einen Zusammenhang, der mir bisher entgangen ist?
Hat da jemand eine Idee? Weil ich kapier's nicht!
wie das "internet der antike", die "raumfahrt der steinzeit" und ähnliche hirnrissige vergleiche, die anwendung finden, weil man ohne solche offenbar den durch werbeungsdauerberieselung und konsumwahn zerebralerweichten zeitgenossen gar nicht zutraut, interesse zu entwickeln oder sich gar ein eigenes bild zu machen.
Friedrichs "Falkenbuch" mit dem Titel "Die Kunst mit Vögeln zu jagen" gilt bis heute als herausragendes Standardwerk. Leider ist der zweite Teil dieses Werks verschollen. Unbewiesen aber hartnäckig bleibt das Gerücht, sein Titel sei "Die Kunst beim Jagen zu vögeln".
In ein paar Jahren wird Obama vergessen sein, höchstens eine saure Note in Geschichtsbüchern über einen Möchtegern-JFK-Imitator, der nicht eines seiner politischen Versprechen aufgrund seiner offensichtlichen Befangenheit gehalten hat.
Haben Sie das Buch gelesen?
Die Rezensionen in diversen Medien sind durchwegs positiv gehalten, der Autor ist ein Kenner der Materie. Über Friedrich II. gibt' s meterweise Sekundärliteratur, dennoch scheinen neue Aspekte herausgeschält worden zu sein.
Klingt doch gut.
Wenn man nicht gerade auf der Suche nach dem "Frederico-Code" ist, könnte das Buch durchaus lesenswert sein.
Gerade von der Kritik hätte ich mir erwartet, das "Neue" herauszuschälen. Ansonsten wieder nur ein neues Buch über dieses Thema. Interessant wäre mal was neues über seinen Vater (Heinrich VI.) oder seinen Onkel (Philipp von Schwaben), aber zu ersterem gibts eigentlich nur eines von Czendes.
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