Widersprüchliche Aussagen - Roma: Evakuierung oder Osterurlaub?
Budapest - Laut dem ungarischen privaten TV-Sender TV2 hat
die Polizei am Freitagabend die Aktionen im Trainingslager der
rechtsradikalen Gruppierung "Vederö" in Gyöngyöspata beendet. Dabei
seien die Organisatoren des Lagers von der Polizei abgeführt und die
restlichen Teilnehmer aufgefordert worden, den Schauplatz zu
verlassen.
Nach Angaben der Polizei gilt es als Straftat, wenn eine
Bekleidung getragen wird, die Ängste in der Bevölkerung auslöst. Wie
die ungarische Nachrichtenagentur MTI berichtete, hat der Großteil
der Teilnehmer das Lager verlassen. Innenminister Sandor Pinter
erklärte auf einer Pressekonferenz in Gyöngyöspata, dass acht
Personen von der Polizei abgeführt worden seien. Ihnen werde
vorgeworfen, randaliert zu haben.
Aus dem mittelungarischen Ort waren am Freitagmorgen rund 300
Roma-Frauen und -Kinder aus Angst vor dem paramilitärischen
Trainingslagers vom Roten Kreuz "evakuiert" worden, wobei sie im
Ferienlager in Csilleberc und in einem Kulturzentrum in der Stadt
Szolnok Aufnahme fanden. Diese "Evakuierung" war später von
Regierungssprecher Peter Szijjarto und auch seitens des Roten Kreuzes
dementiert worden. Es handle sich um einen "Osterurlaub", der länger
geplant war, und nicht um eine "aus plötzlicher Notwendigkeit
vollzogene Aussiedlung".
Im TV2 widersprachen Roma des Ortes dieser Behauptung. Ihre Frauen
und Kinder hätten den Ort aus Angst vor den Rechtsradikalen
verlassen. Frauen im Ferienlager in Csilleberc erzählten, dass ihre
Kinder aus Angst die Häuser nicht mehr verlassen. Die Polizei
unterrichtete laut MTI die noch im Trainingslager verbliebenen
Teilnehmer über die rechtliche Situation. Nach der jüngst
modifizierten Regierungsverfügung kann ein Bürger zur Zahlung von
100.000 Forint (379 Euro) verurteilt werden, wenn er sich Befugnisse
der Sicherheitsorgane anmaßt.
Die rechtsradikale Parlamentspartei Jobbik dementierte unterdessen
am Freitag, dass die Extremistengruppe "Vederö" mit der Partei in
Verbindung stünde. Vielmehr könne man von einem "Gegenspieler"
sprechen, da der Leiter der Bewegung, Tamas Eszes, bei der
Bürgermeisterwahl in Gyöngyöspata gegen den Jobbik-Kandidaten
antreten werde. Die Partei vermutet nach Angaben ihrer Sprecherin
Dora Duro vielmehr die rechtskonservative Regierungspartei
Fidesz-MPSZ hinter "Vederö". Jobbik forderte den Innenminister Sandor
Pinter zum Rücktritt auf. (APA)