Mehrere Explosionen in Tripolis

23. April 2011, 08:42
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NATO-Kampfjets über der Hauptstadt - McCain fordert Anerkennung des libyschen Übergangsrats - Generalsekretär Ban und Russlands Präsident Medwedew diskutieren Luftangriffe gegen Gaddafi-Truppen - Halbe Million Menschen geflüchtet

Bengasi/Moskau/Tripolis - Die libysche Hauptstadt Tripolis ist am Freitagabend von mehreren Explosionen erschüttert worden. Gegen 21.15 Uhr Ortszeit (20.15 Uhr MESZ) hörte ein Korrespondent der Nachrichtenagentur AFP im Westen der Stadt drei Detonationen; kurz darauf habe es mehrere weitere gegeben. Seit dem Morgen überflogen demnach NATO-Kampfjets die Hauptstadt. Kampfjets hatten in der Nähe der libyschen Hauptstadt am Donnerstag acht Munitionsbunker zerstört

Am 19. März hatte ein Militärbündnis unter Führung der USA, Frankreichs und Großbritanniens mit Luftangriffen gegen die Truppen des libyschen Machthabers Muammar Gaddafi begonnen. Ende März übertrugen die USA das Kommando der NATO.

Sarkozy will Rebellen besuchen

Der französische Präsident Nicolas Sarkozy plant eine Reise zu den libyschen Rebellen in Bengasi. Das erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters am Freitag aus der Umgebung des Präsidenten. "Es gibt zwar keinen Termin, aber er wird fahren", hieß es. Sarkozy wolle den britischen Premierminister David Cameron nach Libyen mitnehmen. Ein Sprecher Camerons lehnte eine Stellungnahme zu den Angaben ab.

Frankreich, dessen Luftwaffe an vorderster Front kämpft, meldete einen Anstieg seiner wöchentlichen Luftangriffe auf 41 nach durchschnittlich 30 seit Beginn des Libyen-Engagements. Präsident Sarkozy hat den Rebellen eine Ausweitung seiner Fliegerangriffe zugesagt. Außerdem wollen Frankreich und Großbritannien sowie möglicherweise auch Italien Verbindungsoffiziere nach Libyen schicken. Sie sollen die Rebellen in Kommando- und Kommunikationsfragen beraten.

McCain: USA sollen Übergangsrat anerkennen

Der einflussreiche US-Senator John McCain rief unterdessen die internationale Gemeinschaft dazu auf, den libyschen Übergangsrat als rechtmäßigen Vertreter des Landes anzuerkennen. Die Vertreter des Gremiums hätten das Recht erworben, als "legitime Stimme des libyschen Volkes" anerkannt zu werden, sagte McCain am Freitag nach Gesprächen in der Rebellenhochburg Benghazi. Er würdigte die "bedeutsamen Fortschritte" des Übergangsrats im Kampf um eine Ende der Herrschaft von Machthaber Muammar al-Gaddafi. Benghazi sei ein "Beispiel voller Hoffnung" auf das, was ein freies Libyen sein könne.

McCain traf bei seinem Besuch Mitglieder des Nationalen Übergangsrats und Vertreter aus Frankreich, Dänemark, der Türkei und Italien. Bisher haben lediglich Frankreich, Katar und Gambia den Übergangsrat als rechtmäßigen Vertreter Libyens anerkannt.

UNO: 500.000 Menschen sind vor Krieg geflüchtet

In Libyen haben nach Schätzungen der Vereinten Nationen bereits mehr als eine halbe Million Menschen wegen der andauernden Kämpfe zwischen regimetreuen Einheiten und Aufständischen das Land verlassen. Diese Zahl nannte UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon bei einem Besuch in Moskau. Ban verlangte am Freitag erneut eine sofortige Waffenruhe in dem nordafrikanischen Land.

Ban und Kremlchef Dmitri Medwedew betonten nach einem Treffen, die UNO-Resolution zu Libyen müsse genau eingehalten werden. Die Vetomacht Russland hatte mit ihrer Enthaltung im Weltsicherheitsrat die Libyen-Resolution und damit das Eingreifen der internationalen Koalition ermöglicht. Moskau kritisierte in der Folgezeit allerdings wiederholt die Luftangriffe auf Stellungen von Machthaber Muammar al-Gaddafi. Einen Einsatz von Bodentruppen lehnt Moskau ab.

Um den Friedensprozess im Nahen Osten voranzutreiben, solle sobald wie möglich eine seit Jahren geplante Konferenz in Moskau stattfinden, sagten der UNO-Generalsekretär und der Kremlchef. Die Bemühungen des sogenannten Nahost-Quartetts, dem die UNO, die EU, die USA und Russland angehören, müssten intensiviert werden. (APA)

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    Fotografen lassen sich von libyschen Regierungsvertretern an den Ort einer der Explosionen in einem Vorort von Tripolis geleiten.

  • Eine Gruppe ÄthiopierInnen, die wegen des Krieges von Libyen nach Tunesien geflohen sind.
    foto: epa/amel pain

    Eine Gruppe ÄthiopierInnen, die wegen des Krieges von Libyen nach Tunesien geflohen sind.

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