Internationale Entwicklung: Streit um Master hält an

22. April 2011, 14:29
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Vize-Studienprogrammleiterin Grandner sieht ungerechtfertigte Einmischung von Seiten des Rektorats - "Das Rektorat will uns etwas aufdrücken"

Wien - Im Streit um das Master-Studium für Internationale Entwicklung (IE) an der Universität Wien scheinen sich die Fronten zu verhärten. Während das Rektorat der Uni ein "Ergebnis" des "intensiven Diskussionsprozesses der letzten Wochen" übermittelt hat, sind aus Sicht von IE-Vize-Studienprogrammleiterin Margarete Maria Grandner die Gespräche noch lange nicht beendet. "Das Rektorat will uns etwas aufdrücken", kritisiert sie gegenüber der APA. Mit der Meldung über eine angebliche Einigung versuche die Uni das Institut noch dazu zu "Kollaborateuren" zu machen, sie erwäge deshalb rechtliche Schritte.

"Vorläufiges Master-Studium"

Laut Rektorat wird mit Herbst ein "vorläufiges Masterstudium" für die ersten 100 Bachelor-Absolventen eingerichtet. Das Rektorat kündigt an, ein Curriculum für einen regulären Master ab 2012/13 unter Berücksichtigung der "fachlichen Aspekte der einzelnen Fakultäten und der Internationalen Entwicklung als eigenständiger Forschungsansatz" erarbeiten zu lassen. Grandner sieht unterdessen eine ungerechtfertigte Einmischung des Rektorats, nachdem der Entwurf eines Curriculums bereits die erste Lesung der Curricularkommission des Senats passiert hat: "Das Curriculum für den Master ist nicht verhandelbar", so die Vize-Studienprogrammleiterin.

Ein "vorläufiges Masterstudium" sei schon rein rechtlich nicht möglich. Gemeint sei wohl ein individuelles Studium, bei dem Studenten Inhalte nach ihren Interessen zusammenstellen. Das wiederum sei widersinnig, weil die Internationale Entwicklung als Studienrichtung bereits existiert. "Damit will das Rektorat das Masterstudium, das bereits steht, wieder aus dem Weg räumen."

"Wir brauchen eigene Ressourcen."

Finanziell würde die Konstruktion bedeuten, dass die IE immer von anderen Studienrichtungen abhängig ist. "Aber wir wollen und können nicht angewiesen sein auf andere Disziplinen", so ein IE-Student. "Wir brauchen eigene Ressourcen." Grandner vermutet politische Gründe hinter dem Plan, den IE-Master als individuelles Studium anzubieten: Dieser wäre nämlich nur für jene studierbar, die bereits den IE-Bachelor an der Uni Wien absolviert haben. Bachelor-Absolventen anderer Studien oder aus dem Ausland bliebe der Zugang verwehrt.

"Für uns kommt das nicht in Frage, weil ein ordentlicher Studienplan erstellt wurde." Immerhin sei er vom dafür vorgesehenen Gremium ausgearbeitet worden. "Wenn das Rektorat dann sagt, es kann das nicht zahlen, ist das eine politische Entscheidung, die mir nicht gefällt, aber die ich akzeptieren muss." Es sei aber nicht in dessen Kompetenz, in die inhaltliche Gestaltung einzugreifen. Die Kritik wegen angeblicher inhaltlicher Mängel ist für Grandner nicht nachvollziehbar. Schließlich sei das IE-Curriculum bereits einmal vom Rektorat mit einer ähnlichen Begründung abgewiesen worden. In der daraufhin installierten Curriculararbeitsgruppe seien dann verschiedene Disziplinen, unter anderem der Dekan einer Fakultät vertreten gewesen.

Grandner befürwortet zwar eine Notlösung für jene Studierenden, die ab Herbst ein Masterstudium beginnen wollen, wenn es kein Geld für ein reguläres Masterstudium gibt. Sie befürchtet jedoch, dass das Provisorium ein langes Leben hätte; in der IE sei das nämlich ein "altbekanntes Spiel". Das individuelle Diplomstudium war nie in ein reguläres umgewandelt worden. 2009, als es abgeschafft wurde, habe das Rektorat die Einrichtung eines regulären Bachelor- und Master-Studiums versprochen. Gekommen ist der Bachelor schließlich mit dem Wintersemester 2009, die Zukunft des Masters ist nach wie vor ungewiss, und neuerdings wird auch das Bachelorstudium wieder in Frage gestellt. (APA)

  • "Das Rektorat will uns etwas aufdrücken", sagt Studienprogrammleiterin Grandner.
    foto: standard/cremer

    "Das Rektorat will uns etwas aufdrücken", sagt Studienprogrammleiterin Grandner.

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