Ecclestone: "Wurde von Gribkowsky erpresst"

22. April 2011, 12:42
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Formel-1-Zampano beschuldigt ehemaligen BayernLB-Vorstand und gibt erstmals Geldflüsse zu

Wien - Rund um das Rätsel um die mögliche Herkunft von Millionen, die der frühere BayernLB-Vorstand Gerhard Gribkowsky in Stiftungen in Österreich geparkt hat, gibt es neue Entwicklungen. Formel-1-Geschäftsführer Bernie Ecclestone hat dem inhaftierten Banker vorgeworfen, ihn zur Zahlung von 40 Mio. Dollar gezwungen zu haben.

Wie das Nachrichtenmagazin "Focus" am Freitag berichtet, hat Ecclestone bei seiner Vernehmung vor der Staatsanwaltschaft München ausgesagt, Gribkowsky habe von ihm mehr als 40 Mio. Dollar nach dem Verkauf der Formel-1-Anteile an die Investmentgesellschaft CVC gefordert. Ansonsten würde er Interna über Ecclestones internationales Firmengeflecht und dessen steuerliche Gestaltung den Fiskus wissen lassen.

Gribkowsky sitzt seit fast vier Monaten in München in Untersuchungshaft. Die Ermittler hegen u.a. Bestechungsverdacht.

Erpressung oder Ratschläge?

Wie "Focus" weiter berichtet, gab der Brite bei der Vernehmung zum ersten Mal zu, dass er tatsächlich Millionenzahlungen an den Ex-Banker veranlasst habe. Würde Gribkowsky tatsächlich wegen Erpressung verurteilt werden, könnte Ecclestone seine Gelder zurückfordern, heißt es in dem Bericht. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Ecclestone neben Beihilfe zur Untreue auch wegen Bestechung im geschäftlichen Verkehr.

Die "Süddeutsche Zeitung" hat am Donnerstag berichtet, dass Ecclestone am 6. April vor der Münchner Staatsanwaltschaft wieder ausgesagt hat, auch da sei er schon gefragt worden, ob er vielleicht erpresst wurde. Ob sie glaubten, dass er sich bedrohen lasse, soll Ecclestone sinngemäß geantwortet haben. Er lasse sich Einschüchterungen nicht bieten - auch dann nicht, wenn der Andere deutlich größer sei als er selbst. Oder habe Ecclestone für teure Ratschläge Gribkowskys bezahlt, wie es Gribkowsky selbst behauptet hat? Nein, schreibt die "SZ" unter Berufung auf Ermittlerkreise nach der Befragung, er habe keine Beratung nötig, weder durch Gribkowsky, noch durch sonst jemanden.

Briefkastenfirmen

Bei seiner Beschuldigtenvernehmung habe er am 6. April aber wohl nicht genau erklärt, wofür Gribkowsky so viel Geld bekam, die Rede war bisher von bis zu 50 Millionen Dollar. Dass er mit der Zahlung zu tun hatte, bestritt Ecclestone laut "SZ" aber nicht mehr so vehement wie noch Anfang des Jahres. Da hatte er öffentlich beteuert, von illegalen Zahlungen gar nichts zu wissen.

Die Zahlungen an Gribkowsky stammen von Briefkastenfirmen auf Mauritius und den Britischen Jungferninseln, von dort ist dem Bericht zufolge keine Rechtshilfe zu erwarten. Doch angesichts der Verhaftung Gribkowskys vor bald vier Monaten war Ecclestone diese Taktik wohl zu riskant, mutmaßen die Autoren. Wenn er jetzt bei der Aufklärung helfe, hätte das für ihn zwei Vorteile: Erstens kann er auf längere Sicht darauf hoffen - wenn überhaupt -, mit einer Bewährungsstrafe davonzukommen. Zweitens muss er nicht mehr fürchten, verhaftet zu werden.

Die "Stuttgarter Zeitung" hat Anfang der Woche berichtet, Gribkowsky-Anwalt Reinhard Höß habe Antrag auf Haftbeschwerde gestellt, um die Freilassung des Topbankers zu erreichen. Folgt das Gericht seinen Argumenten, kommt der bayerische Banker nach Ostern frei. Höß beklagt, dass sein Mandant "medial hingerichtet" werde, er weist alle Vorwürfe zurück.

Die Ermittlungsrichter und das Landgericht werden eine Entscheidung binnen zwei Wochen fällen, sagt eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft dem Blatt. "Wir rechnen aber damit, dass die Untersuchungshaft bestätigt wird", erklärt sie. Ob das damit zu tun habe, dass die Münchner Ermittler vor knapp zwei Wochen Ecclestone im brisanten Fall vernommen haben, wollte sie nicht sagen. Der 80-Jährige sei aber als Beschuldigter und nicht lediglich als Zeuge verhört worden. Dem Briten wird Beihilfe zur Untreue vorgeworfen. (APA/red)

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    Bernie Ecclestone (li.) hat Millionenzahlungen an den Ex-BayernLB-Top-Banker Gerhard Gribkowsky veranlasst.

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