Sterben in Misurata: Embedded Journalism

22. April 2011, 15:02
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Zum Tod der Fotografen Tim Hetherington und Chris Hondros - Einige Links über ihre Arbeit und über Kriegsberichterstattung im Allgemeinen

Der Krieg in Libyen hat am Mittwoch zwei prominente Opfer gefordert. Der britische Fotograf Tim Hetherington und sein US-amerikanischer Kollege Chris Hondros sind am 20. April in Misurata in Folge eines Angriffs ums Leben gekommen. Der Außenpolitik-Blog dreht sich dieses Mal um den Tod der Fotografen Tim Hetherington und Chris Hondros. Einige Links über ihre Arbeit und über Kriegsberichterstattung im Allgemeinen.

Misurata

Sieben Wochen schon tobt eine erbitterte Schlacht um die von Gaddafis Soldaten eingekesselte Küstenstadt im Westen Libyens. 1.000 Tote zählen die Mitarbeiter des zentralen Krankenhauses bereits, dazu 3.000 Verletzte, die meisten von ihnen Zivilisten. Gaddafis Truppen überziehen ganze Stadtviertel mit Streubomben und russischen Raketen. Menschenrechtler berichten von Streubomben, die über Wohngebieten abgeworfen wurden.


Größere Kartenansicht; Quelle: Google Maps

Hetherington und Hondros wurden nach Angaben des spanischen Fotografen Guillermo Cervera, der beim Angriff dabei war, von einer Splitterbombe getroffen. Sie erlagen ihren Verletzungen noch am selben Tag. Ihre Körper wurden in die Rebellenhochburg Bengasi gebracht, von dort aus werden sie nach Hause gebracht. Am Freitag ist der beiden noch mit einer Trauerfeier gedacht worden. Der Angriff kostete mindestens weiteren sieben Zivilisten das Leben, zwei weitere Fotografen wurden verletzt. "Sie sind Helden", sagte der Vizepräsident des Nationalen Übergangsrates der Aufständischen, Abdel Hafis Ghoka, in seiner Traueransprache. "Sie sind gekommen, um der Welt von diesem Konflikt zu berichten. Niemand kann Journalisten daran hindern, sich an die Front zu begeben."

Hondros, Hetherington und Robert Capa

Hondros war ein erfahrener Kriegsjournalist, unter anderem fotografierte er für die New York Times und die Washington Post. Vor Libyen war er etwa im Kosovo und im Irak, in Afghanistan, Liberia, Angola. Für seine Arbeit in Liberia war er 2004 für den Pulitzer-Preis nominiert worden. 2006 erhielt er den Robert Capa Gold Medal, eine Auszeichnung des "Overseas Press Club Of America" für Fotoreportagen, die besonderen Mut und Einsatz erfordern. Die Washington Post hat eine Auswahl seiner Bilder zusammengestellt. Ein Nachruf der New York Times auf Chris Hondros.

Der Amerikaner Robert Capa wurde weltberühmt mit seinem Bild "Loyalistischer Soldat im Moment des Todes", das Foto eines sterbenden Soldaten während des Bürgerkriegs in Spanien. Capa, der als einer der berühmtesten Fotografen des 20. Jahrhunderts gilt, gründete 1947 mit Henri Cartier-Bresson und David Seymour die Foto-Agentur Magnum. Er war 1936 Fotoreporter im Spanischen Bürgerkrieg, 1938 bei der japanischen Invasion in China, während des Zweiten Weltkriegs in Europa, 1948 während des Unabhängigkeitskampfes Israels sowie 1954 in Indochina, wo er durch eine explodierende Landmine starb.Heute streiten sich Wissenschaftler über die Echtheit von Robert Capas berühmtester Kriegsfotografie.

Der Filmemacher und Fotograf Hetherington wurde 2007 mit dem World Press Photo Award ausgezeichnet für seine im Magazin Vanity Fair erschienenen Fotos von den im afghanischen Korengal-Tal stationierten US-Soldaten: Photos from the Korengal. Ein Nachruf der New York Times auf Tim Hetherington.

Bekannt sind auch seine Bilder der schlafenden Soldaten. Ein Interview mit Tim Hetherington über diese Fotostrecke finden sie hier.

 

Quelle: Youtube

Restrepo

In dem als "Tal des Todes" bekannten Kampfgebiet im Osten des Landes hatte Hetherington zusammen mit dem Journalisten Sebastian Junger eine Dokumentation über das Platoon aus 15 US-Soldaten gedreht. "Restrepo" heißt der Außenposten, benannt nach ihrem verstorbenen Kollegen, dem Armeesanitäter Juan Restrepo. Dieses Jahr wurden Hetherington und Junger für ihre Kriegsdoku "Restrepo" für den Oscar nominiert. Jungers hat seine Erfahrungen aus dieser Zeit in einem Buch niedergeschrieben.

 

Quelle: Youtube

Tim Hetherington und Sebastian Jungers sprechen über ihre Arbeit rund um die Kriegs-Dokumentation "Restrepo" und über Kriegs-Berichterstattung:

 

Quelle: Youtube

Der Fotograf Marcel Mettelsiefen war acht Tage in Misurata. Für Spiegel Online beschreibt er die Arbeit in der umkämpfte Stadt. Wolfgang Bauer fuhr für die Zeit auf auf einem Schlepper mit libyschen Rebellen nach Misrata und schildert, wie Gaddafis Truppen dort wüteten.

Auch Al Jazeera hat sich mit dem Thema der Kriegsberichterstattung in Libyen auseinandergesetzt. Der New Yorker beschäftigt sich hier ebenso mit dem Thema, mit Buchbesprechung und Blog-Empfehlung. Hier finden Sie eine Sammlung von Texten, die sich mit der Kriegs-Berichterstattung zwischen Jänner und Mai 2003 auseinandersetzen. Zusammengestellt wurde sie vom Pew Research Center's Project for Excellence in Journalism in Washington. Ein weiterer, etwas älterer Text über die Kriegsberichterstattung in Afghanistan und im Irak vom Independent. (fin, derStandard.at, 22.4.2011)

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