"Mehr Mut bei Risikofinanzierungen"

29. Mai 2011, 11:15
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SIME Vienna bringt Unternehmer und Business Angel Stefan Glänzer aufs Podium

"Start Ups gehen dahin, wo es die meisten Veränderungen gibt und die digitale Revolution hat noch immer gerade erst begonnen", ist der Unternehmensgründer und Investor Stefan Glänzer überzeugt: "Ob nun durch Web, Mobile, Apps oder 'the next big thing' - am Ende wird jede Industrie anders aussehen." Glänzer hat 1998 Ricardo.de mit aufgebaut und investiert heute in Risiko-Geschäfte. Ähnlich wie damals wurde ihm auch bei der Musikplattform Last.fm im Jahr 2004 stark von der Gründung abgeraten. "Manchmal muss man einfach seiner Leidenschaft folgen", erklärt er, weshalb er sich nicht von seinen Plänen abbringen ließ. 

Als einer der umtriebigsten Business Angels auf dem europäischen digitalen Markt wird die Rede von Stefan Glänzer auf der SIME Vienna mit Spannung erwartet. 

Einbindung Sozialer Netzwerke 

Seit dem Verkauf von Last.fm für 280 Millionen Dollar an den US-Fernsehsender CBS, ist der Deutsche nur noch "intensiver Nutzer", wie er sagt. Hinter der Einbindung von sozialen Netzwerken in den Musikdienst sieht Glänzer mehr Chancen als Gefahr. "Musik Keywords zählen zu den bedeutendsten Suchanfragen auf Google, in Blogs und Social Media wird mehr denn je über Musik kommuniziert. Musik war, ist und bleibt ein Treiber der jugendlichen Identifikation. Hier liegen klar die Chancen, man müsse sie dann auch konsequent nutzen wollen - mit dem Risiko zu verlieren", ist der Unternehmer überzeugt.

Auswirkungen auf die Musikindustrie 

Durch die zunehmende Online-Relevanz ist auch die Musikindustrie einem Wandel unterzogen. Für die Branche hat das neue Distributionskanäle aufgetan. "Es ist eine schwierige Industrie", sagt Glänzer: "Klar aber ist, dass heute mehr Geld mit Musik umgesetzt wird als je zuvor. Nur nicht eben über den Verkauf von kleinen silbernen Datenträgern."

Mangel an Risikobereitschaft 

Der Rückstand, den Europa gegenüber anderen Märkten aufgebaut hat, liegt einerseits in fehlender Risikobereitschaft begründet. Unternehmen wie Google und Apple sind nicht in Greifweite und Internet Start Ups werden kaum mit Risikokapital verwöhnt. Im Silicon Valley findet sich für all jene, die in der digitalen Welt erfolgreich sein wollen, ein fruchtbarer Boden mit den nötigen Zutaten wie zahlreichen Gründern und Webunternehmen, Investoren und Universitäten. 

"Müssen eigenen, europäischen Weg finden"

Der Unternehmer und Wahl-Londoner sieht auch Unterschiede in der Start Up Szene zu mitteleuropäischen Großstädten. "Es ist alles eine Frage der Dichte des Ökosystems. Hier liegt Londons East End wahrscheinlich vorne in Europa, wobei Berlin Mitte schnell aufholt. Da wir aber niemals die Dichte je Quadratmeter des Valleys erreichen werden, müssen wir einen eigenen, europäischen Weg finden", sagt Glänzer.
Positive Beispiele: Das Unternehmen Garmz, das von Österreichern in London gegründet wurde, oder das schwedische Soundcloud, das in Berlin aus der Taufe gehoben wurde. Auch Rebate Networks aus Berlin ist in 29 Ländern der Welt aktiv - vor allem in Asien. 

Vergütung von Kreativarbeit 

Als eine der Entwicklungen der Gratis-Kultur im Netz rufen diverse Industrievertreter die Vergütung von Kreativarbeit im Internet auf die Agenda. So auch ein Ziel der deutschen Medien- und Verlagsindustrie (u.a. ARD und ZDF) mit dem "Bündnis für Inhalte". In der Hinsicht glaubt Stefan Glänzer eher an den Flattr-Button, wobei User einen freiwilligen Betrag an die Autoren spenden. "Es ist noch keine große digitale Innovation aus den öffentlich-rechtlichen Häusern gekommen", so Glänzer. (Eva Zelechowski, derStandard.at, 22. April 2011)

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  • Stefan Glänzer: "Start Ups gehen dahin, wo es die meisten Veränderungen gibt."
    foto: stefan glänzer

    Stefan Glänzer: "Start Ups gehen dahin, wo es die meisten Veränderungen gibt."

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