"Wie bei einem Sommer-Hockeycamp"

22. April 2011, 11:25
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Thomas Vanek spricht Tacheles, er lässt kein gutes Haar am heimisch­en Eishockeyverband, kritisiert die Rahmenbedingungen und wünscht sich mehr Transparenz

Wien - Österreichs Eishockey-Star Thomas Vanek schießt vor der anstehenden WM scharf gegen den österreichischen Verband. Auf seiner Webseite meint der Spieler der Buffalo Sabres: "Ich selbst bin und war immer stolz, für Österreich zu spielen, die Zustände im Verband machen es einem aber leider nicht immer einfach. Man kommt sich da oft vor wie bei einem Sommer-Hockeycamp und nicht wie bei einem Nationalteam. Das hat jetzt nicht nur mit der Verpflegung zu tun - obwohl die auch eine sehr wichtige Rolle spielt - sondern geht schon bei so Bascis wie einer gemeinsamen Kleidung los. Andere "kleine" Länder wie Italien oder Norwegen treten als einheitliches Team auf und das fängt schon bei der gleichen Trainingsbekleidung an. Wir wärmen in unterschiedlichen Sweatern auf. Matthias Trattnig und die anderen Salzburger in Bullen-Leiberln, Bernd Brückler in einem russischen T-Shirt, ich in einem Buffalo-Shirt."

Personalmangel

Auch in Punkto Personal sieht Vanek Potenzial nach oben: "Ein Physiotherapeut und ein Zeugwart für eine Nationalmannschaft sind einfach zu wenig. Vor allem, wenn es so intensiv zugeht wie bei einer Weltmeisterschaft. Bei so vielen Spielen in so kurzer Zeit bräuchten nach jeder Partie rund 15 Spieler einen Masseur, bei Team können aber nur drei oder vier Spieler behandelt werden. Und der Zeugwart kommt mit der Arbeit auch nicht nach. Von den Spielern wird ein professionelles Auftreten erwartet, aber das muss man sich auch vom Verband erwarten können. Wir wollen ja kommen und gut spielen, aber man macht es uns nicht wirklich leicht."

Transparenz erwünscht

Auch mehr Transparenz scheint Vanek wünschenswert: "Womit das zu tun hat ist schwer zu sagen. Uns Spielern fehlt auch der Einblick in die Finanzen des Verbandes. Wir können nicht beurteilen, wo das Geld hinfließt, ob wirklich alles dorthin fließt, wohin es fließen sollte. Es ist aber bedenklich, wenn vergleichbare Nationen wie Norwegen so viel besser dastehen als wir. Wir haben im letzten Jahr mit Verbandskapitän Giuseppe Mion und Präsident Dieter Kalt sen. gesprochen, viel rausgekommen ist dabei aber nicht."

Volle Konzentration auf die Sabres

Eine Teilnahme an der WM scheint eher unwahrscheinlich: "Ob ich heuer zum Team komme, kann ich wirklich noch nicht sagen, denn ganz ehrlich, habe ich mir darüber noch gar keine Gedanken gemacht. Derzeit gilt meine ganze Konzentration den Sabres und dem Aufstieg in die nächste Playoff-Runde. Von dem bin ich überzeugt und insofern sollte sich diese Frage heuer auch gar nicht stellen." 

Mion reagiert

Mion wies die Kritik, die gleichlautend auch schon Matthias Trattnig geäußert hatte, zurück. "Wir machen mit dem Budget alles was uns möglich ist. Wir sind offen für Verbesserungsvorschläge, aber die Mittel sind begrenzt. Wir können nicht alles umsetzen. Das Thema ist vor zwei Jahren bei der WM in der Schweiz aufgebrochen, es hat damals von zwei, drei Spielern Kritik gegeben. Wir sind damals auf die Wünsche eingegangen", erläuterte Mion am Freitag.

Kritik für Verband nicht nachvollziehbar

Im Vorjahr bei der B-WM, an der Vanek nicht teilgenommen hatte, habe es keinerlei Beschwerden gegeben, so Mion. Selbstverständlich nehme er die aktuelle Kritik ernst, nachvollziehen könne er sie allerdings nicht. "Die Arbeit der Betreuer ist sehr professionell. Wir fahren beim Verband den Standard, der in der A-Gruppe einheitlich gefahren wird. Andere Nationen arbeiten bis auf kleine Abweichungen gleich wir wir", betonte Mion im Gespräch mit der APA. Bei den jüngsten Teamzusammenkünften, an denen weder Vanek noch Trattnig teilgenommen hatten, habe er keinerlei unzufriedene Spieler erlebt. Auch der Physiotherapeut, der Teamarzt und der Zeugwart fühlten sich keineswegs überfordert. (red/APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Vanek ohne Blatt vor dem Mund.

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