Attraktiv auch ohne Attraktionen

    22. April 2011, 16:54
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    Der Grestner Hochkogel wird ganz zu Unrecht von den meisten Wanderern vernachlässigt. Der wöchentliche Wandertipp von Bernd Orfer

    "Man hat ihre Gipfel nicht mit dem Jubel des Eroberers betreten, man sitzt oben und schaut hinaus ins Weite und still in sich hinein." Diese Zeilen schrieb Julius Kugy, der berühmte Erschließer der Julischen Alpen, über die Voralpenberge, deren Randerhebungen von den Wanderern und auch von den Autoren recht stiefmütterlich behandelt werden. Zugegeben, dort fehlt die wilde Romantik der Felsmauern und Schluchten, dort gibt es keine ausgesetzten Steige oder gar mit Seilen versicherte Abschnitte. Dort warten auch keine Events auf den Besucher, der auf seinen Wanderungen sehr leicht ins Meditieren kommt und die Landschaft fast in sich aufsaugt. Zu diesen Höhen, die keine Attraktionen bieten, die aber doch sehr attraktiv sind, gehört der Grestner Hochkogel, der meist nur von den Heimischen aufgesucht wird; nicht einmal besonders oft.

    Der Weg durch die von Weiden und Obstbäumen geprägte Landschaft - also durch die Most- und Schafkäseregion - mit den verstreut liegenden Gehöften lässt romantische Gefühle aufkommen; vor allem dann, wenn man sich genug Zeit und Muße nimmt, den Blick in die Umgebung schweifen zu lassen. Je höher man steigt, desto mehr bekannte Gipfel kommen hinter dem Horizont hervor und rufen schöne Erinnerungen hervor.

    Immerhin schweift der Blick von der Gipfelwiese des Grestner Hochkogels bis zur Reisalpe, zum Gippel, Göller und Ötscher, zum Dürrenstein und Hochschwab. Es zeigen sich auch Gamsstein, ein paar Erhebungen des Gesäuses und der in unmittelbarer Umgebung liegende Prochenberg. Von einigen Stellen aus sind auch Ostrong, Maria Taferl und Ybbs an der Donau zu erspähen. Von der an der Route liegenden Wolfgangkapelle überschaut man einen Teil des Tales der Kleinen Erlauf mit dem idyllischen Gresten.

    Eine "Attraktion" allerdings hat die Runde doch aufzuweisen: Man passiert gleich viermal den 15. Längengrad, wo während der Normalzeit um 12 Uhr, während der Sommerzeit um 13 Uhr die Sonne exakt im Süden steht. Zudem informieren einige Tafeln über die Geschichte der Gegend, die einst zu Regensburg gehörte, und über Sehenswürdigkeiten

    Die Route: Von Gresten geht es auf der roten Weitwandermarkierung in das Tal des Grestenbaches, dann den Güterweg aufwärts. Später wendet sich der Weg in den Hang, man steigt - ein Stück steil - zum Gehöft Grestenberg auf. Gehzeit 1¼ Stunden. Auf einem Güterweg erreicht man das Gehöft Schauersberg, auf einem Fahrweg dann den Gipfel des Grestner Hochkogels. Ab Grestenberg eine halbe Stunde.

    Auf einer in der Karte nicht eingezeichneten roten Markierung steigt man direkt zum Grestenberg ab und folgt dem Güterweg zur Wolfgangkapelle. Eine Kehre abschneidend, gelangt man zum Gehöft Pflügelreith. Bald darauf wendet sich der Weg nach rechts, und man wandert zurück zum Ausgangspunkt. Gehzeit ab Hochkogel 1¾ Stunden. (Bernd Orfer/DER STANDARD/Printausgabe/23.04.2011)

    • Die Landschaft ist von Weiden und Obstbäumen geprägt.
      foto: österreich werbung/diejun

      Die Landschaft ist von Weiden und Obstbäumen geprägt.

    • Gesamtgehzeit 3½ Stunden, Höhendifferenz rund 450 Meter. Kein Stützpunkt auf der Runde, Gasthäuser in Gresten. ÖK25V Blatt 4203-Ost (Ybbsitz) und 4204-West (Lunz am See), Maßstab 1:25.000
      grafik: der standard

      Gesamtgehzeit 3½ Stunden, Höhendifferenz rund 450 Meter. Kein Stützpunkt auf der Runde, Gasthäuser in Gresten. ÖK25V Blatt 4203-Ost (Ybbsitz) und 4204-West (Lunz am See), Maßstab 1:25.000

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