Die ÖVP und ihr "Kinderparteisoldat"

22. April 2011, 15:41
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Die Auswahl der neuen ÖVP-Regierungsmitglieder polarisierte

Diese Woche ging es rund. Die Timelines auf Twitter waren voll mit Tweets zur ÖVP. Eingeleitet wurde die Debatte mit dem bisher letzten Rücktritt innerhalb der ÖVP: Generalsekretär Fritz Kaltenegger zog sich in "die Privatwirtschaft" zurück. "Kaltenegger war ein enger Pröll-Vertrauter. Ist von ihm konsequent jetzt auch zu gehen...", twitterte dazu @isabelledaniel. FPÖ-Generalsekretär Herbert Kickl witterte in einer Presseaussendung gleich einen "Linksruck". "Alles eine Frage der Perspektive", meinte dazu @MadlenerB. "Jedesmal, wenn ich Twittter aufmach, geht jemand von der ÖVP. Hm. schreibt mir jemand ein Script?", fragte sich Michel Reimon (@michelreimon) von den Grünen im Burgenland.

"Inne, Anne, U und raus bist du?"

Kaum war der letzte Pröll-Vertraute von der Politbühne verschwunden begannen die Gerüchte darüber, wer die neuen ÖVP-Minister werden, zu blühen. "Den dümmsten Titel zu den VP-Rochaden hat kleine.at verbrochen: Inne, Anne, U und raus bist du?", stellte @eminenz fest. Der ÖVP-Delegationsleiter Othmar Karas in Brüssel nahm sich gleich via Twitter selbst aus dem Spiel: "ÖVP - Karas würde nicht als Staatssekretär zur Verfügung stehen".

Dies blieb aber die einzige klare Ansage aus der ÖVP. Selbst über das "schwarzen Telefon" von derStandard.at wurden Gerüchte nicht und nicht bestätigt.

Assessmentcenter für Minister?

Immerhin: Nur fünf Tage nachdem Spindelegger zum neuen Parteichef gekührt worden war, stand das neue ÖVP-Team fest. "So ein Ministrabilitäts-Assessmentcenter dürfte in Österreich mit einem 30-Sekunden-Telefonat auch schon gebongt sein. Motivation ist alles", kommentierte diese schnelle Personalauswahl @MartinSchimak.

Ein Bund der ÖVP hatte bei den Personalrochaden die Nase vorn: Der neue Generalsekretär, die Innenministerin, die Justizministerin und der Parteichef gehören dem ÖAAB an. Der produzierte sogleich ein YouTube-Video, indem sich diese Personen vorstellen:

Mobilisierung für und gegen Kurz

Für die größte Aufregung sorgte allerdings die Bestellung von JVP-Obmann Sebastian Kurz zum Integrationsstaatssekretär. "Liebe Leute, bin zu spät aufgestanden. Der Kurz solls werden?!!? Nicht wahr, oder? #integration", zeigte sich daStandard.at-Chefin Olivera Stajic auf Twitter entsetzt.
Noch bevor sicher war, dass er das Amt tatsächlich bekommt, wurde auf Facebook eine Gruppe gegen Kurz gegründet. Kurz darauf kam eine Gruppe für Kurz dazu. Die Gruppe "Ich mach jetzt den Integrationsstaatssekretär bei Humbold" hat bisher (Stand: Freitagvormittag) rund 26.700 Mitglieder.

Die Bestellung von Kurz lud sogleich zu Wortspielen ein. Hier die drei Favoriten:

  • @apfl: Gut, dass es endlich ein #Integrationsstaatssekratiat geben wird. Hoffentlich kommt es nicht zu kurz.
  • @DieterBornemann: Gerade beim Mittagessen gehört: Was ist der Unterschied zwischen der deutschen und der österreichischen Bundesregierung? Die haben Brüderle, wir haben Töchterle. Und bei uns kommt die Integration zu Kurz.
  • @georgholzer: 24 Jahre und nur geil. Sind Kinder-Parteisoldaten die Bankrotterklärung der Politik? Wer will sich das sonst schon antun?

In die Bresche für das jüngste Bundesregierungsmitglied aller Zeiten sprangen sogleich seine Parteikollegen. ÖVP-Mitarbeiter Gerhard Loub schrieb einen Blogeintrag, indem er die Bestellung von Kurz verteidigte: "Sebastian ist ein klares Signal an die Jugend - mit ihm als neuem Integrations-Staatssekretär wird einer Politik(er)verdrossenen Jugend gezeigt: Ja, auch Ihr könnt es schaffen, wenn Ihr Euer Schicksal selbst in die Hand nehmt, selbst politisch aktiv werdet", schreibt er. Auch ÖAAB-Generalsekretär Lukas Mandl lobte auf Twitter "CHARAKTER, Rückgrat, Ehrlichkeit, Verlässlichkeit" von Kurz.

Der frisch gebackene Staatssekretär für Integration hat übrigens auch einen Twitter-Account (@sebastiankurz) - "bin am Weg zur Angelobung - jetzt beginnt die Zeit des Arbeitens ;-)", ist sein letzter Eintrag. (Lisa Aigner, derStandard.at, 22.4.2011)

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