Ozonloch über Europa wird wieder kleiner

21. April 2011, 20:14
23 Postings

Sonnenbrandgefahr zu Ostern bei uns wieder normal - neue Studie zeigt, dass antarktisches Ozonloch das Tropenklima beeinflusst

Bremerhaven/Washington - Gute Nachrichten aus dem buchstäblich hohen Norden: Das Ozonloch über der Arktis, das kurzfristig auch Kurs auf Mitteleuropa hielt, wird erstens wieder kleiner und zieht zweitens nach Osteuropa ab. Das bedeutet, dass die Sonnenbrandgefahr zu Ostern bei uns nicht größer ist als normal um diese Zeit.

Wie berichtet, war die schützende Ozonschicht über der Arktis in den vergangenen Wochen durch die extrem tiefen Temperaturen in hohen Luftschichten so stark geschwunden wie noch nie seit Beginn der Messungen in den Sechzigerjahren. In bestimmten Regionen Nordeuropas brannte die Frühlingssonne mit so viel UV-Strahlung herab wie sonst nur im Hochsommer.

Betroffen waren vor allem Skandinavien, Russland und Kanada. Auch in Mitteleuropa gab es kurze Phasen erhöhter UV-Strahlung, die aber früher als prognostiziert wieder vergingen. Nach aktuellen Untersuchungen von Meteorologen des Alfred-Wegener-Instituts in Bremerhaven erholt sich die Schutzschicht wieder dank der höheren Temperaturen. Und zudem verlagert sich das Ozonloch in Richtung Osten, wie eine aktuelle Simulation für den Gründonnerstag (Bild links) zeigt. Gleichwohl empfehlen die Forscher insbesondere für Kleinkinder Sonnenschutz.

Ozonloch mit fernen Folgen

Eine neue Studie nordamerikanischer Forscher über das Ozonloch in der Antarktis wiederum zeigt, wie weit die Auswirkungen der zerstörten Ozonschicht tatsächlich reichen. Wie die Wissenschafter im Fachjournal Science schreiben, würden zahlreiche klimarelevante Prozesse durch das Ozonloch verändert, wodurch es letztlich zu vermehrten Regenfällen in den subtropischen Regionen komme (siehe Grafik links).

Sarah Kang von der Columbia University in New York und ihre Mitarbeiter errechneten vier unterschiedliche Klimamodelle, die zeigen, dass das Ozonloch eine Abkühlung in der unteren Stratosphäre verursachen würde. Dadurch verschiebt sich die Grenzschicht zwischen Troposphäre (0 bis 15 Kilometer Höhe) und Stratosphäre (15 bis 50 Kilometer Höhe) nach oben.

Das schließlich habe zur Folge, dass sich westliche Starkwinde außerhalb der Tropen polwärts verschieben und in den subtropischen Sommern zur Zunahme der Regenfälle führen, unter anderem auch im östlichen Australien, das erst kürzlich von Überflutungen heimgesucht wurde. (tasch, APA, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 22. April 2011)

  • Das Ozonloch (am 21. April) zieht nach Osten ab.
    illu.: awi bremerhaven

    Das Ozonloch (am 21. April) zieht nach Osten ab.

  • Der Abbau der Ozonschicht in der Antarktis führte zu mehr sommerlichen Niederschlägen in den Tropen.
    grafik: der standard

    Der Abbau der Ozonschicht in der Antarktis führte zu mehr sommerlichen Niederschlägen in den Tropen.

Share if you care.