Ein Ökonom, der sich fragt, was er weiß

22. April 2011, 11:59
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Markus Knell ist erster Hannes-Androsch-Preis-Träger

Wenn man es genau nimmt, dann hat Markus Knell den höchstdotierten Wissenschaftspreis gewonnen, der in Österreich je vergeben wurde. Zwar ist der erstmals vergebene Hannes-Androsch-Preis "nur" mit 100.000 Euro dotiert. Aber im Gegensatz zum Wittgenstein- oder Start-Preis, deren Gelder samt und sonders wieder in die Forschung gesteckt werden müssen, bleibt dem Ökonomen das gesamte Preisgeld zur privaten Verfügung.

Die bei Überweisung sechsstelliger Eurosummen gern gestellte Frage "Wos woa mei Leistung?" kann Knell zudem mit gutem Gewissen, ja mit Stolz beantworten: Er hat mit seinem Aufsatz zur Pensionsfrage - "Das Umlageverfahren - Relikt der Vergangenheit oder Weg für die Zukunft?" - eine internationale Fachjury überzeugt, die befand, das Knell unter 17 Einreichungen aus elf Ländern die beste Arbeit abgeliefert hat, die noch dazu mit einem eigenen Symposium am 5. Mai gewürdigt wird.

Für einen Wirtschaftswissenschafter hat der gebürtige Wiener, der den Preisstifter "auch nur aus dem Fernsehen" kennt, eine etwas ungewöhnliche universitäre Karriere hinter sich. Zunächst studierte Knell nämlich Philosophie und dissertierte mit 25 zum Thema "Was weiß ich? Zur Entwicklung des großen und kleinen Skeptizismus seit Montaigne". Seine Betreuer waren damals die Philosophen Rudolf Burger und Konrad Paul Liessmann.

Daneben und danach studierte der heute 42-Jährige in Wien und im kalifornischen San Diego Ökonomie, promovierte an der Uni Zürich und landete schließlich an der Forschungsabteilung der Österreichischen Nationalbank (OeNB) - einem für ihn idealen Arbeitsumfeld zwischen akademischer Theorie und ökonomischer Praxis.

Was Knell, der in seiner Arbeit für das Umlageverfahren und ein demografisch angepasstes Pensionsantrittsalter argumentiert, mit den 100.000 Euro Preisgeld machen wird, wisse er noch nicht. Ein Ferrari oder eine andere exzentrische Anschaffung werde es jedenfalls sicher nicht werden. Außerdem sei der Preis ja steuerpflichtig.

Gesund hält sich der "leidenschaftslose Rapid-Fan" im Sommer unter anderem auf dem Fußballfeld und im Winter mit Skitouren. Für ihn selbst ist ein Antritt zum Regelpensionsalter jedenfalls "kein Schreckgespenst". Er kann sich gut vorstellen, auch darüber hinaus aktiv zu bleiben - "solange mir die Ideen nicht ausgehen und weil man sich so die Neugierde bewahren kann". (Klaus Taschwer, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 22. April 2011)

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    foto: oenb
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