Kompromisspolitiker

21. April 2011, 18:11
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Schafft Barack Obama eine ähnlich begeisternde Kampagne wie 2008?

Irgendwie soll der Funke zum zweiten Mal überspringen. Barack Obama will es wieder entfachen, jenes Feuer der Begeisterung, das ihn 2008 aus der Außenseiterrolle bis ins Oval Office ziehen ließ. Fast grenzte es an ein Wunder, würde ihm das Kunststück noch einmal gelingen.

Der Präsident ist nicht mehr das unbeschriebene Blatt, auf das jeder seine Hoffnungen schreiben kann. Er ist ein Politiker, der so regiert, wie es die "checks and balances" der US-Machtarchitektur zulassen: durch Kompromisse. Er ist ein Pragmatiker, der seine treuesten Anhänger mitunter enttäuscht, weil die sich mehr Kampfgeist wünschen.

Als Wiederholungskandidat wird Obama den unpopulären Krieg in Afghanistan verteidigen, Wege aus der dramatischsten Haushaltsmisere der Nachkriegszeit weisen müssen. Dass es vor allem Bush war, der die Staatsfinanzen ruinierte, interessiert die Wähler im Jahr 2012 nicht mehr. Sie halten sich an den Amtsinhaber. Der muss geduldiger erklären, besser kommunizieren denn je.

Obama will die Jungen erreichen, die keine Zeitung mehr lesen, sich lieber bei Jon Stewart als in den Abendnachrichten informieren und über Facebook und Twitter austauschen. Jugendliches Engagement soll den Rest des Landes anstecken, die Zyniker in die Schranken weisen. Eine frühe Wahlrede von Facebook-Gründer Mark Zuckerberg passt gut ins Konzept. Kein Zufall, dass Obama ins Silicon Valley flog, um seine Kampagne in Schwung zu bringen. (Frank Herrmann, STANDARD-Printausgabe, 22.04.2011)

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