Russland warnt vor weiterer Einmischung

21. April 2011, 18:03
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Während die Kämpfe um die libysche Rebellenhochburg Misrata toben, schicken Frankreich, Großbritannien und Italien Militärberater ins Kriegsgebiet - Moskau sieht das als ersten Schritt für den Einsatz von Bodentruppen

Misrata/Moskau - Um die libyschen Rebellen in ihrem Kampf gegen Diktator Muammar al-Gaddafi mehr als bisher zu unterstützen, will Frankreich seine Luftangriffe intensivieren und erwägt auch den Einsatz von Verbindungsoffizieren. Großbritannien und Italien haben bereits angekündigt, Militärberater zu entsenden - was Russland heftig kritisiert.

Für den russischen Außenminister Sergej Lawrow wäre dies der erste Schritt hin zu einem Einsatz von Bodentruppen. Es laufe "eindeutig" auf eine Einmischung in den Konflikt am Boden hinaus, sagte Lawrow nach Angaben russischer Nachrichtenagenturen am Donnerstag. Dies sei ein "riskantes Unterfangen" mit "ungewissem Ausgang".

"Die Geschichte ist reich an Beispielen", meinte Lawrow, wohl auf Vietnam und Afghanistan Bezug nehmend. "Erst werden Berater entsandt, und dann zieht sich alles über Jahre hin, und Hunderte oder gar Tausende Menschen auf beiden Seiten sterben."

Misrata weiter eingekesselt

Unterdessen beschossen Gaddafis Truppen erneut mit Granaten die seit Wochen eingekesselte Rebellen-Enklave Misrata östlich von Tripolis. Dabei kamen den Aufständischen zufolge mindestens drei Rebellen ums Leben, weitere 17 wurden verletzt. Am Mittwoch waren bei einem Mörserbeschuss in Misrata auch zwei ausländische Fotoreporter getötet worden (siehe Artikel rechts).

Während die militärische Situation im Osten des Landes weiterhin einem Patt gleichkam, konnten die Rebellen im Westen einen Erfolg verzeichnen: Sie brachten nach Angaben von Augenzeugen einen wichtigen Grenzposten zum Nachbarland Tunesien unter ihre Kontrolle.

Die Nato wies unterdessen Berichte libyscher Staatsmedien zurück, nahe Tripolis Zivilisten durch ein Bombardement getötet zu haben. "Es gab einen Nato-Luftangriff in der Gegend von Chellat al-Ferjani. Das Ziel war ein Befehls- und Kontrollbunker inmitten eines Militärgeländes. Es gibt keine Hinweise auf zivile Opfer", erklärte ein Vertreter der Militärallianz in Brüssel.

Das libysche Staatsfernsehen Al-Libya hatte zuvor berichtet, Kampfjets der Allianz hätten Ziele südwestlich von Tripolis angegriffen. Dabei habe es Tote und Verletzte unter den Einwohnern gegeben. Der amtlichen libyschen Nachrichtenagentur Jana zufolge wurden sieben Zivilisten getötet und 18 weitere verletzt. (red, Reuters, AFP, STANDARD-Printausgabe, 22.04.2011)

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    Ein Raketenwerfer in der libyschen Wüste bei Ajdabiya.

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