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"Gegenstücke" im Salon der Amalie Redlich: "Litzlberg am Attersee" ...

... und "Kirche in Cassone" von Gustav Klimt.
Das Land Salzburg restituiert an Georges Jorisch, der Erbe nach Amalie Redlich zeigte sich sogleich erkenntlich.
***
Salzburg - Georges Jorisch, 1928 in Wien geboren, erzählt seine Geschichte sehr nüchtern: Ab 1934, nach der Scheidung seiner Eltern, lebte er mit seiner Mutter in einer Villa des Sanatoriums Purkersdorf, das zu einem Drittel seiner Großmutter Amalie Redlich, geborene Zuckerkandl, gehört hatte.
1939 erwirkte der Vater, Anwalt und Legitimist, das Sorgerecht für seinen Sohn Georg. Denn er wollte ihn mitnehmen auf die Flucht nach Brüssel. Die Mutter hingegen blieb in Wien, weil sie sich die Brutalität, mit der das NS-Regime vorgehen würde, nicht vorstellen konnte: Sie wurde, wie deren Mutter, 1941 nach Polen deportiert.
Doch Brüssel war kein sicherer Ort. Jorisch erzählte 1997: "Mein Vater wurde an die Gestapo ausgeliefert. Aber er wurde befreit. Und wir konnten fliehen. Wir sind zu Fuß bis Ostende. Aber der Kapitän wurde erschossen oder verletzt. Wir konnten nicht an Bord. Und so blieben wir in Belgien. Mein Vater hatte Freunde, wir sind bei ihnen untergetaucht. In Brüssel. Für zweieinhalb Jahre. Mein Vater hat mich Latein und Algebra gelehrt."
Über diese Zeit redet Jorisch nicht gern. Sie muss schlimm gewesen sein. Nach dem Krieg arbeitete er in der Stahlindustrie - bis er genug Geld hatte, um 1957 nach Kanada auswandern zu können.
"Beide ganz ähnlich"
Vier Jahrzehnte später erfuhr er, dass "in Österreich der Widerstand zu Rückgabe etwas aufgetaut hat": Er wandte sich an den Nationalfonds und im August 1999 an Ernst Bacher, den damaligen Leiter der Kommission für Provenienzforschung. Denn seine Großmutter hatte unter anderem zwei Landschaftsbilder von Gustav Klimt besessen: "Beide ganz ähnlich, mit Wasser im Vordergrund und das Ufer parallel zum Rahmen. Alles in Grün und Blau-grün mit ein paar roten Dächern durch die Bäume schauend."
Damals beschränkte sich die Provenienzforschung nur auf die Bundesmuseen. Zudem glaubte Jorisch, dass beide Bilder den Gardasee darstellten. Bacher musste daher eine unbefriedigende Antwort geben: Das eine Bild, Malcesine am Gardasee, sei zuletzt im Besitz der Familie Lederer gewesen und 1945 verbrannt. Das andere, Kirche in Cassone, befinde sich in Grazer Privatbesitz.
In der Folge, 2001, schrieb Jorisch an die Provenienzforscherin Ruth Pleyer, die damals für die Israelitische Kultusgemeinde tätig war: Seiner Erinnerung nach seien die Bilder, die im Salon der Großmutter hingen, "Gegenstücke". Das eine sei sicher nicht Malcesine, es erinnere ihn an Unterach am Attersee, das sich im Rupertinum in Salzburg befand.
Ruth Pleyer forschte jahrelang, ging allen Indizien nach. In Salzburg wusste man spätestens 2006, dass die Provenienz von Litzlberg am Attersee, wie das Gemälde nun genannt wird, eine ungeklärte Provenienz hat. Aber die vielen Puzzleteile fügten sich erst 2010 zusammen. Denn Jorisch erhielt Kirche in Cassone aus dem Grazer Privatbesitz zurück: Das Bild wurde in London bei Sotheby's versteigert, der Gewinn - 30,81 Millionen Euro sind der höchste für eine Klimt-Landschaft bezahlte Preis - geteilt. Auf der Rückseite befand sich ein Etikett, das auf den Salzburger Kunsthändler und NS-Kollaborateur Friedrich Welz hinwies. Nun waren die Zusammenhänge klar, Jorisch hatte recht behalten: Alfred Noll, dessen Anwalt, wandte sich im Oktober 2010 an das Museum der Moderne (vormals Rupertinum).
Wilfried Haslauer, der für die Museen zuständige Landeshauptfraustellvertreter (VP), zierte sich zunächst: Er gab ein Rechtsgutachten in Auftrag. Laut diesem besteht zwar kein klagbarer Anspruch auf das Gemälde, die Salzburger Landesregierung hatte sich aber 2002 in einem Akt der Selbstbindung darauf festgelegt, Bilder zu restituieren, wenn der Eigentumsbeweis eindeutig vorliegt.
Das sah Haslauer ein. Am Donnerstag gab er bekannt, dass er der Landesregierung und dem Landtag entsprechende Anträge vorlegen werde. Mit einem Beschluss ist am 6. Juli zu rechnen.
Museumsdirektor Toni Stooss schätzt, dass Litzlberg am Attersee bei einer Auktion bis zu 30 Millionen Euro erzielen könne. Haslauer gibt sich "keiner Illusion hin, dass wir derartig hohe Summen aufbringen können". Jorisch setzt aber eine Geste und spendet 1,3 Millionen Euro für den Um- und Ausbau des Wasserturms neben dem Museum der Moderne. Er soll Amalie-Redlich-Turm heißen. (Thomas Trenkler/ DER STANDARD, Printausgabe, 22.4.2011)
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Das mit der Geste finde ich toll.
Wobei ich nachwievor ein komisches Gefühl bei diesen Restitutionen habe. Hier wird üblicherweise Staatsvermögen, also auch mein Vermögen, ohne einklagbaren Grund hergegeben. Man hat quasi die Verjährung abgeschafft. Juristisch schein das ja so eine Gratwanderung zu sein. Eine verjährte Schuld ist nicht einklagbar, wenn man sie (versehentlich) bezahlt, dann ist sie aber auch nicht rückforderbar.
Ich habe mit Nazis nix am Hut, aber irgendwann muss die Vergangenheit doch Vergangenheit bleiben. Wobei der Mann eine tolle Geste geleistet hat. Allzuoft, ich hoffe nicht in diesem Fall, gehen ja gegen 50% der Verkaufserlöse an Anwälte.
also mit diesem (auch meinem) "staatsvermögen" will ich dann lieber nix zu tun haben, wenn die ehemaligen eigentümer enteignet und ermordet wurden.
da ist der abstand dann zum naziregime (und wie es finanziert wurde) nicht mehr groß.
und:
die anwälte brauchen die ehemaligen eigentümer bzw erben, weil die restitution eben NICHT selbstverständlich ist.
Ich geben Ihnen recht, für "normale" Vorgänge samt Nebenwirkungen machen Verjährungsfristen sicher Sinn, in diesen speziellen Fällen aber garantiert sicher nicht.
In unsere Republik hat es nach dem 2. Weltkrieg überhaupt kein Interesse gegeben, von den Nazis gestohlenes oder arisiertes Vermögen an ihre ursprünglichen Eigentümer zurückzugeben. Das hat sich bis in die 80er Jahre des letzten Jahrhunderts auch nicht wirklich geändert.
Es gibt viele Berichte von Eigentümern, die tw. jahrzehntelang erfolglos versucht haben, ihr Eigentum wiederzuerlangen.
Das ist meiner Meinung nach eines der dünkelsten Kapitel unserer zweiten Republik, daß es fast 50 Jahre gedauert hat, bis wir es geschafft haben, verbindliche Restitutionsregeln festzulegen.
mein komisches gefühl bezieht sich mehr auf die arisierungen, wenn ich so durch wien wandere, zum beispiel auf der landstrasser hauptstrasse, das bezirksmuseum hat vor bald zwanzig jahren ein ausstellung zu den jüdischen wohungs- und hausbesitzer in deren umgebung gemacht
und ich fand noch die konturen eines bethauses in einer benachbarten gasse, heute eine wohnung im erdgeschoß
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