Barack Obama umwirbt die Facebook-Generation

21. April 2011, 17:30
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Wahlkampfauftakt mit einem Besuch bei der Online-Plattform Facebook: Obama rührt Trommel für Wiederwahl

Mark Zuckerberg mit Krawatte - das sieht man nicht alle Tage. Ungelenk steht der Facebook-Gründer auf der Bühne, sagt etwas über Regierungsbeamte, die sein soziales Netzwerk nun auch verstärkt nutzen, stockt in seinem Redefluss und bekennt: "Sorry, ich bin ziemlich nervös. " Worauf der US-Präsident ins Scheinwerferlicht tritt und sich vorstellt, als wäre dies das alljährliche White House Correspondents Dinner, wo der schräge Ton zum Pflichtprogramm gehört. "Mein Name ist Barack Obama, und ich bin der Bursche, der Mark dazu brachte, Sakko und Krawatte zu tragen."

Das sei nun schon das zweite Mal, wirft Zuckerberg ein, was Obama zum Anlass nimmt, um eine kleine Anekdote zu erzählen. Ja, beim ersten Mal habe man beim Abendessen zusammengesessen, Zuckerberg tatsächlich mit Sakko und Krawatte. "Ungefähr zur Halbzeit begann er zu schwitzen, es muss wirklich unbequem für ihn gewesen sein. Da habe ich ihm aus seinem Sakko geholfen."

Der Präsident und die Generation Facebook, solche Bilder sollen den Wahlkampf prägen. Obama will die sozialen Medien einspannen, eine Klaviatur, auf der er schon 2008 virtuoser spielte als all seine Rivalen. Und er will jene Koalition wiederbeleben, die ihn auf einer Welle der Hoffnung ins Weiße Haus spülte. Frauen, Afroamerikaner, Hispanics und die Jungen waren die Säulen des Bündnisses.

Dass es diesmal schwerer wird, zeigt eine Umfrage der Elite-Uni Harvard. Demnach wollen die 18- bis 29-Jährigen immer noch mehrheitlich für Obama stimmen, zu 13 Prozent lieber für ihn als für einen Konservativen. Doch vor drei Jahren hatte sein Vorsprung in der Gruppe bei 34 Prozent gelegen.

Das Ungewöhnliche: De facto hat der Amtsinhaber seine Kampagne bereits begonnen, während seine republikanischen Herausforderer nur mühsam in die Startlöcher kommen. Lediglich Mitt Romney und Tim Pawlenty, Ex-Gouverneure von Massachusetts und Minnesota, erklärten bisher ihre Kandidatur. Obama dagegen rührt schon die Spendentrommel.

Eine Karte für 38.500 Dollar

Beim Fundraising-Auftakt in Chicago sammelte er vor wenigen Tagen zwei Millionen Dollar, in San Francisco folgten am Mittwoch zwei weitere Veranstaltungen mit betuchten Sympathisanten. Bei der exklusiveren, im Haus des Software-Unternehmers Marc Benioff, kostete die Eintrittskarte 38.500 Dollar. Vorher schaute er in Palo Alto bei Facebook vorbei, es war der Höhepunkt seiner österlichen PR-Offensive.

In der Sache warb Obama für seinen Plan, den Rekordschuldenberg so abzubauen, dass nicht allein die sozial Schwachen die Zeche bezahlen. Demnach soll das Defizit in den nächsten zehn Jahren um vier Billionen Dollar sinken, und zwar auch durch höhere Steuern. Wohlhabende wie Zuckerberg und er selber würden stärker zu Kasse gebeten, stellte er klar. Darauf der Facebook-Milliardär: "Ich bin da ganz cool." (Frank Herrmann aus Washington, STANDARD-Printausgabe, 22.04.2011)

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    Barack Obama (links) und Facebook-Gründer Mark Zuckerberg: "Ich bin der Bursche, der Mark dazu brachte, Sakko und Krawatte zu tragen", sagte der US-Präsident. Zumindest für kurze Zeit.

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