Kontrollfreaks und Nacktscanner-Lobby

21. April 2011, 18:20
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Bei Passagierkontrollen auf Flughäfen gibt es oft unangenehme Überraschungen und endlose Diskussionen - hier Antworten auf häufige Fragen

Frage: Wer ist für Passagierkontrollen zuständig?

Antwort: Seit Jahresbeginn ist es in Österreich nicht mehr das Innenministerium, sondern der Flughafen selbst. Das Innenressort gibt aber die Spielregeln vor, die auf entsprechenden EU-Verordnungen und Regularien der Internationalen Zivilluftfahrtorganisation basieren.

Frage: Warum muss ich manchmal Schuhe ausziehen, manchmal nicht?

Antwort: Je nach Sicherheitslage gibt es Ermessensspielräume für Kontrolleure. In Frankfurt wird Handgepäck oft auch auf Sprengstoffpartikel gescannt. Die Angst vor der Schuhbombe geht seit Richard Reid um, der Ende 2001 eine im Schuh versteckte Bombe im Flieger nach Miami zünden wollte.

Frage: Darf ich "Nacktscanner" verweigern?

Antwort: In Europa schon (noch) - außer in Manchester und in London. Bodyscanner werden (nicht in Österreich) probeweise verwendet. Passagiere können freiwillig entscheiden, ob sie den meist mit kürzeren Warteschlangen lockenden "Nacktscanner" ausprobieren. In Manchester und in London Heathrow werden Passagiere stichprobenartig in den Körperscanner gebeten - wer sich weigert, darf aber nicht fliegen.

Frage: Sind Körperscanner eine Gefahr für meine Gesundheit?

Antwort: Das EU-Parlament und Mediziner warnen vor Geräten mit Röntgentechnologie. Die hauptsächlich verwendete Methode ist aber nichtionisierende Terahertzstrahlung (Wärme). Bei Passivgeräten besteht keine Gefahr, weil keine Strahlenquelle auf Körper gerichtet, sondern die abgestrahlte Wärme detektiert wird. Seit dem verhinderten Terroranschlag im Dezember 2009, als in Amsterdam ein Passagier mit Sprengstoff am Körper an Bord kam, werden Bodyscanner in den USA stark forciert. Im Hintergrunde gibt es heftige Lobbyingvorwürfe gegen Ex-Heimatschutzminister Michael Chertoff, der mit einer Herstellerfirma verbandelt ist.

Frage: Wann darf ich wieder handelsübliche Getränkeflaschen mit an Bord nehmen?

Antwort: Die EU und die internationale Zivilluftfahrtorganisation ICAO sind dafür, bis 2013 wieder Flüssigkeiten in üblichen Verbrauchsmengen im Handgepäck zuzulassen. Die derzeitigen Minimaße (100 ml) gelten seit dem Sommer 2006, als in London Heathrow islamistische Extremisten versuchten, Flüssigsprengstoff in US-Passagiermaschinen zu schmuggeln.

Frage: Bei einer Kontrolle wurde mir eine Flasche Mouton Rothschild 1945 abgenommen. Wo erhalte ich Schadenersatz für die 22.000 Euro?

Antwort: Nirgends. Passagiere sind verpflichtet, Vorschriften einzuhalten. Mitbringsel, die im Handgepäck nicht durchgehen, können als Reisegepäck eingecheckt werden. Wenn dafür keine Zeit mehr bleibt, kann der Inhalt nur noch schnell konsumiert werden. Santé. (simo, DER STANDARD, Printausgabe, 22.4.2011)

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