Mediaprint bläst Einstieg bei NÖ Gratisblättern nur vorerst ab

21. April 2011, 16:58
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Antrag auf Zusammenschluss zurückgezogen - Neuer Anlauf: Man will eine wettbewerbsrechtlich gangbare Form finden

Die Wege der Herren der Mediaprint wirken bisweilen unergründlich: Erst stellten sie ihre Gratiswochenzeitungen ein, um sich an denen des Niederösterreichischen Pressehauses zu beteiligen. Nun zogen sie nach Infos des STANDARD  ihren Fusionsantrag überraschend zurück.

Die "Krone"/"Kurier"-Tochter Mediaprint wollte 30 Prozent an der Niederösterreichischen Gratismedien GmbH übernehmen. Die Tochter des Pressehauses ("Niederösterreichische Nachrichten") produziert 14-täglich die Bezirksgratiszeitung "kurz&bündig" und in St. Pölten zehnmal jährlich kostenlos die LHZ - Die Landeshauptstadt. 

"Gemeinsame Kontrolle"

Mediaprint und Pressehaus hätten laut Gesellschaftsvertrag "gemeinsame Kontrolle" über den Gratisverlag übernommen.

Die Einstellung der Bezirksjournale, 2010 mit mangelnder Perspektive begründet, sollte der Kartellbehörde wohl die Zustimmung zum - lange verhandelten - Einstieg des Zeitungsriesen bei der Tochter des Wochenzeitungsriesen erleichtern. "Kurier"-Gesellschafter Raiffeisen hält schon 20 Prozent am Pressehaus. Allein: Der Beirat empfahl, den Zusammenschluss vor das Kartellgericht zu bringen, und die Wettbewerbsbehörde stellte diesen Antrag auf vertiefte Prüfung. 

Womöglich auch, weil die beiden Medienhäuser nicht alle Daten rasch genug lieferten. Gerade veröffentlichte die Wettbewerbsbehörde eine kleine Mahnung an heiratswillige Konzerne: Kämen angeforderte Infos nicht oder spät, könne die Behörde nicht in vier Wochen "vernünftig" prüfen. Also seien vermehrte Prüfungsanträge "mit den damit verbundenen Kosten vorgezeichnet" oder sei gar mit "Zurückweisung nicht vollständiger Zusammenschlussanmeldungen durch das Kartellgericht zu rechnen". - Die Behörde würde das "jedenfalls anregen".

Ob die beiden einen neuen Anlauf mit den geforderten Infos versuchen, blieb Donnerstag offen: Mediaprint-Geschäftsführer Martin Huttarsch und Pressehaus-Geschäftsführer Harald Knabl waren zunächst nicht erreichbar. Freitag erklärte Huttarsch dem STANDARD, dass man die Ambitionen nicht aufgebe. Man wolle allerdings einen im Wettbewerbsverfahren gangbaren Weg finden.

Die Mediaprint räumte mit dem Ende der Bezirksjournale ein Feld, auf dem sich ein großer Herausforderer formierte: Styria ("Kleine Zeitung", "Die Presse") und Moser Holding ("Tiroler Tageszeitung") versuchen, mit ihren praktisch national verbreiteten Regionalmedien Austria ("Wiener Bezirkszeitung", "Bezirksblätter", "Woche") der "Krone" im Inseratenmarkt Konkurrenz zu machen. (fid, DER STANDARD; Printausgabe, 22.4.2011/Onlineupdate 22.4.2011)

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