Linke Israelis demonstrieren für Palästinenserstaat

21. April 2011, 16:26
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Lieferten sich bei Protesten in Tel Aviv Handgreiflichkeiten mit rechten Gegnern

Tel Aviv - Dutzende israelischer Intellektueller haben am Donnerstag in Tel Aviv für die Gründung eines unabhängigen Palästinenserstaates demonstriert. Die in Berlin geborene Schauspielerin Hanna Maron, die bei einem Terroranschlag ein Bein verloren hat, verlas feierlich eine Erklärung. Darin wird zur Unterstützung palästinensischer Staatlichkeit in den Grenzen vor dem Sechstagekrieg von 1967 aufgerufen.

Linke Aktivisten klatschten laut, während rechtsorientierte Gegner die Veranstaltung mit Trillerpfeifen und Buhrufen störten. Es kam auch vereinzelt zu Handgreiflichkeiten. Polizisten trennten die Streithähne.

Die Demonstranten versammelten sich vor dem Haus am Rothschild-Boulevard, in dem am 14. Mai 1948 der israelische Staat ausgerufen worden war. Unter den Unterzeichnern der propalästinensischen Erklärung sind 17 Träger des renommierten Israel-Preises - der höchsten Auszeichnung de Staates Israel. Auch der bekannte israelische Dramatiker Yoshua Sobol gehört zu den Initiatoren und war bei der Demonstration zugegen.

Netanyahu torpediere palästinensische Unabhängigkeit

"Wir rufen jeden, der nach Frieden und Freiheit für alle Völker strebt, dazu auf, die Ausrufung palästinensischer Staatlichkeit zu unterstützen", heißt es in der Erklärung. Der israelische Journalist Sefi Rachlevsky warf Ministerpräsident Benjamin Netanyahu vor, der Demokratie und den Bürgerrechten zu schaden. "Er versucht, eine unabhängige palästinensische Staatlichkeit zu torpedieren, obwohl diese in unserem Interesse liegt", sagte Rachlevsky. "Wir bewegen uns auf eine Katastrophe zu, wenn Israel nicht die Richtung ändert."

Die Gegner der Unabhängigkeitserklärung hielten Schilder in die Höhe, auf denen unter anderem stand: "Verräter, schämt Euch!" und "Das Volk will Frieden, aber nicht mit Terroristen." Aktivisten beider Lager schwenkten große blau-weiße Israel-Fahnen.

Einer der Passanten, Oded Lieberman, rechnet mit einer baldigen internationalen Anerkennung eines Palästinenserstaates. "Wir werden die Palästinensergebiete verlassen müssen", sagte Lieberman. "Es ist schade, dass wir keine Initiative zeigen, sondern uns nur zerren lassen."

Israels Friedensverhandlungen mit den Palästinensern liegen seit gut einem halben Jahr wieder auf Eis. Netanyahu besteht darauf, dass eine Friedenslösung nur durch Verhandlungen beider Seiten erzielt werden kann. Die Palästinenser sind jedoch nach einem 20 Jahre langen Friedensprozess zutiefst frustriert. Sie wollen nicht länger warten und ihren eigenen Staat im September mit Hilfe der Vereinten Nationen gründen. (APA)

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    Prominente Unterstützer traten für einen Palästinenserstaat ein.

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