Neues Regierungsteam

"Finance ist etwas anderes als die Kieberei"

21. April 2011, 15:42
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    foto: apa/pfarrhofer

    Josef Pröll überreicht Maria Fekter ein Sparschwein.

Faymann und Spindelegger beschwören gemeinsamen Kurs - ÖVP-Chef: "Nicht kuscheln und nicht streiten"

Wien - Die Regierung ist wieder komplett. Bundespräsident Heinz Fischer hat am Donnerstag die neue ÖVP-Mannschaft mit Michael Spindelegger an der Spitze angelobt. Im Anschluss beteuerten Kanzler Werner Faymann (SPÖ) und sein neuer Vize, als Team auftreten zu wollen. Ende Mai geht es in eine Regierungsklausur am Semmering. Vorschusslorbeeren der Opposition blieben aus. In der Hofburg herrschte ein Auflauf, wie man ihn sonst nur bei der Angelobung nach einer Nationalratswahl kennt. Immerhin brachte Außenminister Spindelegger vier ganz Neue mit und mit Maria Fekter und Beatrix Karl zwei Ressortchefinnen, die ihr Amt wechselten.

Im Schlepptau hatten die neuen Minister und Staatssekretäre ihre Familien, Spindelegger wollte Frau und Söhnen den Tag seiner Vizekanzlerwerdung ebenso wenig vorenthalten wie die blendend gelaunte Maria Fekter ihrer Tochter den Amtsantritt als Finanzministerin. Für das Trachtige sorgte die Familie des Tiroler Neo-Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle, dessen erst vor kurzem geborenes Enkerl den Bundespräsidenten geradezu hinriss.

Angetan war das Staatsoberhaupt auch von jener Rede, mit der Josef Pröll krankheitsbedingt seine Ämter als Vizekanzler, Finanzminister und VP-Obmann zurückgelegt hatte - "eindrucksvoll" nannte Fischer diese in seiner Kurzansprache vor der Angelobung. Gleichzeitig nahm er Prölls Kritik an fehlendem Anstand und mangelnder Dynamik auf.

"Nicht alles erlaubt, was nicht ausdrücklich verboten ist"

Bei ersterem Punkt schloss sich der Präsident der Kritik des nunmehr ehemaligen Vizekanzlers an. Gesetze seien eine wichtige Norm, aber nicht die einzige Regel: "Ich will nicht in einer Gesellschaft leben, wo alles erlaubt ist, was nicht ausdrücklich verboten ist." Reformeifer erkennt Fischer hingegen bei der Regierung, habe diese doch großartige Ergebnisse bei der Bekämpfung der Wirtschaftskrise vorzuweisen.

Auch Kanzler und Vizekanzler blicken auf das Geleistete positiv zurück und erwarten sich für die Zukunft noch mehr. Nachdem man in der ersten Halbzeit der Regierung den Folgen der Wirtschaftskrise mit aktiven Maßnahmen entgegengesteuert habe, gelte es nun, in der zweiten Halbzeit, den Kurs zu halten und das Tempo zu erhöhen, verkündete Faymann. Die angepeilte gemeinsame Arbeitsweise charakterisierte Spindelegger: "Wir wollen einen Stil pflegen, der nicht heißt kuscheln miteinander, der nicht heißt streiten miteinander, sondern der heißt konstruktiv und sachlich miteinander zusammenzuarbeiten."

Freilich bleibt das Top-Streitthema Wehrpflicht bis auf weiteres ungelöst. Sollte man sich nicht doch auf eine gemeinsame Lösung verständigen, schlossen weder Faymann noch Spindelegger eine Volksbefragung aus. Als Zeitrahmen gab der Kanzler den Herbst an.

Während sich die Regierungsspitze gemeinsam im Bundeskanzleramt aufstellte, ging es für die Minister zu den diversen Hofübergaben. Im Innenministerium prophezeite die scheidende Ressortchefin Maria Fekter (ÖVP) ihrer Nachfolgerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) eine aufregende Zeit: "Mord und Totschlag kann man nicht planen." Dass der - übrigens krawattenfrei angetretene - neue Integrationsstaatssekretär Sebastian Kurz medial nicht gerade freundlich empfangen wurde, sieht Fekter als Vorteil. So steige der Bekanntheitsgrad, eine Marke entstehe - sie wisse das aus eigener Erfahrung, weshalb sie den Medien ausdrücklich dafür danke, dass diese sie ins Finanzministerium katapultiert hätten.

"Finance ist etwas anderes als die Kieberei."

Dort trat Fekter am Nachmittag ihr Amt an - die Hofübergabe organisierte Josef Pröll, der zur Angelobung des neuen Teams in der Hofburg gar nicht mehr erschienen war. Den Schlüssel übergab er einer "Frau, die das kann". Allerdings wird man eine andere Ministerin Fekter erleben als im Innenministerin, wenn man ihr Glauben schenkt, nämlich eine mit einer weniger deftigen Sprache, denn: "Finance ist etwas anderes als die Kieberei."

Änderungen gibt es auch am Minoritenplatz, wo Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) mit Karlheinz Töchterle einen neuen Nachbarn bekommt. Der künftige Wissenschaftsminister wurde von seiner Vorgängerin Beatrix Karl (ÖVP) mit Sportschuhen ausgestattet, auf dass er nicht am glatten Wiener Parkett ausrutsche. Der Rektor selbst zeigte sich realistisch und sprach von einem "Wagnis", das Amt zu übernehmen. Karl ersparte sich wenigstens eine zweite öffentliche Übergabe. Denn die abgelöste Justizministerin Claudia Bandion-Ortner verzichtete freiwillig auf ein Kameragewitter und sandte lieber eine Erfolgsbilanz über die 29 Regierungsvorlagen ihrer Amtszeit aus.

Kritik von Opposition

Allzu große Ansagen machten die Neuen klarerweise noch nicht. Justizministerin Karl meinte im APA-Interview, ihre erste Aufgabe sei, das Vertrauen in die Justiz wieder herzustellen und die neue Lobbyismusregelung und Korruptionsbekämpfungsmaßnahmen auf den Weg zu bringen. Innenministerin Mikl-Leitner will sich als "Sicherheitsministerin" positionieren und die Frage der nordafrikanischen Flüchtlinge auf europäischer Ebene und "sensibel" lösen. Wissenschaftsminister Töchterle wiederum sieht es als sein Ziel, "die Wissenschaftslandschaft vielfältig zu erhalten und synergetisch zu gestalten".

Die Opposition ist wenig begeistert von dem, was sie heute zu hören bekam. Mit neuen Köpfen alleine werde man noch keine neue Politik machen können, wenn das Programm noch immer das Alte sei, an dem letztendlich die ÖVP gescheitert sei, meinte FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache. Grünen-Bundessprecherin Eva Glawischnig befand, dass sich Spindelegger mit seiner Personalwahl auf einen rechtskonservativen Kurs begeben habe, und BZÖ-Obmann Josef Bucher erkennt "eine Regierung der Beamten und der Stillstandsverwahrer". (APA)

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bruno bruno
00
30.4.2011, 19:22
da bekommt der Spitzname Schottermitzi

gleich eine ganz andere Bedeutung

DannyBoy1
02
23.4.2011, 06:55

mit seiner ausbildung und erfahrung wuerde er im wahren leben kaum mehr als 1,000 Euro/mes bekommen, zB sachbearbeiter in einer anwaltskanzlei-und auch dafuer wuerde es mit der AHSmatura nicht reichen;durch OEVP's Gnaden und weitsicht kassiert kurz jetzt mehr als das zehnfache ab-einfach unglaublich welche leute da aufgeboten werden. warum ist die politik so vom leben und allen dortigen prinzipien entkoppelt? niemand wuerde zB auf die idee kommen, einen ehem bezirksklasse-schilauefer fuer den Abfahrtslauf bei einer Olympiade aufzubieten - da gaebe es einen aufschrei - das geht doch nicht. aber einen etwa gleichermassen unqualifizierten in ein hoechstsensibles pol. amt zu setzen das vor allem lebenserfahrung fordert, das geht?

Tirol6020
00
23.4.2011, 13:09
Der Studiosus Kurz hat sich den Stadtplan...

... angesehen:
Vom Juridicum in die Hofburg kommt man(n) über die Herrengasse.
Meine Güte, was hatten wir für Träume mit 24 *g*.

Tirol6020
01
23.4.2011, 14:18
PS: 1.000 Euro brutto inklusive...

... Lohnnebenkosten und etwa 80 Überstunden monatlich, anteiliges 13. und 14. bereits eingerechnet.

Javert
00
25.4.2011, 12:23

(Berg)Bauer?

DannyBoy1
03
23.4.2011, 06:47
was fuer ein kasperltheater

"finance ist was anderes wie die kieberei", und wieder was anderes wie die aussenpolitik und die bildung und die juristerei - heute machen wir das, morgen was anderes - hauptsache wir sitzen immer hoch am ross und auf dicken bezuegen, bekommen gehaelter bezahlt, die uns sonst niemand zahlen wuerde als wir uns selbst; koennen tun wir sowieso alles. einmal im ernst: das ganze ist doch in der tat nur noch ein schlechtes schauspiel - es wird nicht mehr in aemtern gedient (ministerium kommt glaube ich von lat. dienen) sondern selbst-dargestellt und eine rolle eingenommen, die diesen pseudo-eliten in unnachvollziehbarer weise angeboten wird - juengster (im doppelten sinn) - die bestellung v. "hrn." kurz zum staatssekretaer

Stuff
20
22.4.2011, 16:32
"Ich will nicht in einer Gesellschaft leben, wo alles erlaubt ist, was nicht ausdrücklich verboten ist."

Und was stellen Excellenz sich so vor? Scharia? Heimtückegesetz? Offensichtlich keine bürgerliche Republik!

/ö\

Tirol6020
00
23.4.2011, 13:14
Nicht jede Norm ist ein Gesetz.

Es gibt eine Menge von Regeln, die weder im Gesetz stehen, noch mit staatlicher Strafe geschützt sind, Sitte, Anstand, Moral...
Z. B. ist es höflich, beim Betreten eines Raums zu grüßen - und wird erwartet. Klar jetzt?

Loxoceles
00
22.4.2011, 17:17

"Ich will nicht in einer Gesellschaft leben, wo alles erlaubt ist, was nicht ausdrücklich verboten ist."

Im Strafrecht heisst es aber: Keine Strafe ohne Gesetz!

el magnifico
00
22.4.2011, 16:22
leider

ist keines von beiden volkswirtschaft liebe mizzi

der unverbesserwisserliche
01
22.4.2011, 15:24

wärs andersrum, hätte es wohl geheißen: "intigreischan ist etwas anderes als moneten"

kurzum, jetzt kann auch sie n.e.g.e.r. sein

Sepp Unterwurmbacher
00
22.4.2011, 14:31
neue bildunterschrift für foto 1

ein nazgul überreicht mezzer fikti einen palantir.

kein Freund von Giebelkreuzen
 
23
22.4.2011, 13:54
Von Lemmingen wusste ich es.

Aber dass jetzt schon Gummistiefel versuchen, sich umzubringen ist mir neu. Schätze die ÖVP dzt auf 15% ein. Prozentsatz täglich sinkend...

Richard III
23
22.4.2011, 13:44
"Finance ist etwas anderes als die Kieberei"- rein kommunikativ ist sie nach wie vor eine totale Katastrophe

Nicht nur, dass sie damit die ihr eben noch unterstellten BeamtInnen beleidigt...diese Wortwahl ist einer Ministerin eigentlich komplett unwürdig.

LG,

Ri

Javert
01
23.4.2011, 11:57
sie stellt sich selber bloß ... aber vermutlich begreift sie das gar nicht

hauptsache, man wundert sich nachher über das nicht existente ansehen seiner person

LightCurves
03
22.4.2011, 15:34

ned nur die wortwahl. dazu noch das absolut primitive idiom.

VaterJanus
01
22.4.2011, 12:33
OMG

also so sieht es aus wenn sie lächelt?

Manche Leute sollten es einfach nciht tun :D Karl, Fekter ....

DI Henning
02
22.4.2011, 12:12
Naja man muss es positiv sehen

in knapp 2 Jahren ist die Schosse vorbei, bis dahin werden wir das auch noch durchdrücken...

alpentiger
14
22.4.2011, 12:12
Finance ist etwas anderes als die Kieberei?

Will die intellektuelle Tieffliegerfraktion jetzt einen auf "besonders lustig" machen?

Mit der politischen Spur der Schottermizzie wird Kampflächeln eher als Provokation empfunden werden. Wer glaubt denn, dass mit dem Umzug ins Ministerium die Weisheit einziehen wird?

Anton D.
00
22.4.2011, 14:37
Einziehen wird mehr Effizienz.

Der Ministerin Fekter ist mehr zuzutrauen als Finanzministern, die im Hauptjob Parteichefs sind. Außerdem ist die Landwirtschaftsabhängigkeit beendet. Auch fachlich bringt sie im Hinblick auf ihre Studien und ihre Wirtschaftskompetenz ein Mehr an Sachverstand ein.

kein Freund von Giebelkreuzen
 
01
22.4.2011, 11:23
Und fürn Schweizerhaus-Seppi

hamms dann noch "Lunge, komm bald wieder" gesungen. Alle.

laurelundhardy
00
22.4.2011, 11:13
"Nicht alles erlaubt, was nicht ausdrücklich verboten ist"

Aber genau so arbeitet zB die Finanzindustrie! Hart am Limit und darüber hinaus in den ''Grauzonen''. Gutes Zureden und moralische Appelle werden nicht die Lösung bringen!
Und es ist auch ganz schlecht für die Moral, wenn Menschen nicht für die Konsequenzen ihres Tuns, ihrer Arbeit einstehen müssen! Die nächste Blase kommt bestimmt!

Räudiger Straßenköter
01
22.4.2011, 11:32
Ich will sehr wohl in einer Gesellschaft leben, wo alles erlaubt ist, was nicht ausdrücklich verboten ist!

Die Alternative dazu wäre eine ausgesprochen grausliche, kleinkarierte, pseudoliberale Spießbürgerdiktatur ihrem Wahlspruch: Bei uns gibt es das nicht!

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