Goethe in 140 Zeichen: "twitteratur" vereint Weltliteratur im Kleinen

21. April 2011, 14:02
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Studenten haben die großen Werke auf Twitterformat eingedampft

Weltliteratur - für viele heißt das dicke Wälzer, geschwollene Sprache, große Dichter. Wer sich an Tolstois schwere Kost, Kafkas Metaphern oder Shakespeares "Gemetzel" nicht rantraut, kann es jetzt mit "twitteratur" versuchen. Zwei Chicagoer Studenten erzählen literarische Klassiker ganz neu - im 140-Zeichen-Format des Kurznachrichtendienstes Twitter. Dabei geht es in dem Buch nicht nur zeitsparend und umgangssprachlich, sondern oft erfrischend provozierend zu. Die Website Welttwitteratur.de ist die offizielle Website zum Buch “Twitteratur” von Alexander Aciman und Emmett Rensin.

Von Hamlet bis Harry Potter

"Kunst ist klasse", das wollen Alexander Aciman und Emmet Rensin mit ihrem Werk beweisen. Dabei haben die beiden vor fast keinem Klassiker haltgemacht: Nicht nur Sophokles und sein "König Ödipus", Goethes "Leiden des jungen Werther" und Shakespeares "Hamlet" sind dabei. Witzig und ohne Blatt vor dem Mund nehmen sich die Studenten auch Dan Browns "Sakrileg", "Dracula" oder "Harry Potter" vor.

"Oh! Ein weißes Kaninchen, wie in Matrix!"

Dostojewskis "Schuld und Sühne" twittert sich anfangs so: "Schlimm dieses Studentenleben. Ein Haufen Arbeit, schäbige Bude, und ich hab den hässlichsten Hut auf dieser Seite des Urals." Alice im Wunderland dagegen merkt: "Oh! Ein weißes Kaninchen, wie in Matrix. Cooler Film, wenn man auf Drogen ist". Dazwischen streuen Aciman und Rensin - ganz wie in echten Tweets - immer mal ein "LOL" ("laughing out loud"), "OMG" ("Oh my God") oder "W/e" ("whatever").

Unbarmherzige Reduzierung 

Die "twitteratur" liest sich leicht und mit verschmitztem Grinsen - allerdings nur für den, der das Original zumindest inhaltlich schon kennt. An allen anderen gehen so mancher Witz und viele provozierende Thesen verloren. Von letzteren und der unbarmherzigen Reduzierung auf das Allerwesentlichste könnten sich auch echte Literaturfans auf den Schlips getreten fühlen.

Zu viel Respekt vor Bibel

Nur an das wohl größte und bekannteste Werk der Weltliteratur haben sich die Twitterer nicht gewagt: an die Bibel. Im Vorspann ihres Buches schreiben sie respektvoll: "Allerdings wird es besser sein, wenn wir uns von der Bibel fernhalten". Diese Achtung zeigen "twitteratur"-Anhänger im Internet nicht. In einem Blog rufen Aciman und Rensin zum Mit-twittern auf. Hier nimmt sich "ghostofthemovie" das Buch aller Bücher vor. Das ganze Werk in nüchternen 140 Zeichen: "Langatmige Autobiographie eines persönlichkeitsgestörten Unsichtbaren mit Allmachtsphantasien in der dritten Person". (dpa)

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  • Die "twitteratur" liest sich leicht und mit verschmitztem Grinsen.
    foto: screenshot, welttwitteratur.de

    Die "twitteratur" liest sich leicht und mit verschmitztem Grinsen.

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