Spieltheorie

Wann kostspielige Bestrafung überwiegt

21. April 2011, 12:55

Stehen Gruppen im Wettbewerb mit anderen, nehmen Einzelne rasch die Kosten auf sich

Jena - In der Spieltheorie wird unter anderem untersucht, unter welchen Umständen und finanziellen Bedingungen man bereit ist, mit anderen zusammen zu arbeiten und gegebenenfalls auch andere zu bestrafen. Wie Lauri Sääksvuori vom Jenaer Max-Planck Institut für Ökonomik nun gemeinsam mit finnischen Kollegen im Rahmen von Tests zeigen konnte, steigert sich das uneigennützige Handeln eines Gruppenmitglieds zum Wohle der Gruppe, wenn die Gruppe im Wettbewerb mit anderen Gruppen steht. Auf die Praxis umgelegt könnte zum Beispiel die Politik spielerische Anreize schaffen und Menschen zum Beispiel zum Energiesparen anspornen, meinen die Forscher. Ihre Untersuchung ist in den "Proceedings of the Royal Society" erschienen.

In vielen Fällen hängt der Erfolg einer Gruppe davon ab, dass ihre Mitglieder entgegen möglicher eigennütziger Interessen zum Wohle der Gemeinschaft zusammenarbeiten. Wie gut Mitglieder konkurrierender Gruppen miteinander kooperieren und wie sie damit umgehen, wenn einzelne nur ihren Eigennutz verfolgen, untersuchten die Wissenschaftler in einem spieltheoretischen Laborexperiment. "Wir wussten, dass Gruppen, deren Mitglieder kooperieren, erfolgreicher sind. Unter welchen Umständen aber werden sie aktiv, wenn egoistisches Verhalten dem Erfolg der Gruppe im Weg steht?", erläuterte Studienleiter Sääksvuori die Fragestellung.

Spieltheoretische Untersuchung

Die Forscher bildeten Gruppen, deren Mitglieder in 30 Spielrunden Gelder auf ein eigenes oder das Gruppenkonto verteilen konnten. Den Betrag auf dem Gruppenkonto verdoppelten die Forscher nach jeder Runde und teilten ihn unter allen Mitgliedern auf – das Geld egoistisch zu horten, half also nur dem Einzelnen, wirkte sich aber negativ auf den Erfolg aller aus. Zudem variierten die Forscher die Bedingungen zum Teil: In einigen Gruppen bestand die Möglichkeit, eigennützig handelnde Mitglieder durch Punktabzug zu sanktionieren – dies kostete allerdings auch den Strafenden Punkte. Gleichzeitig standen manche Gruppen im Wettbewerb miteinander, dort gewann die Gruppe mit dem am besten gefüllten Gemeinschaftskonto bei Spielende.

Die Verhaltensforschung würde nun erwarten, dass rationale Individuen nicht sofort sanktionieren, sondern abwarten, um die Kosten der Sanktion anderen zu überlassen. Handeln alle Mitglieder so, blockiert sich aber die Gruppe - der Erfolg sinkt. Die Forscher beobachteten aber ein anderes Verhalten: Sobald eine Gruppe im Wettbewerb mit anderen steht, warten Gruppenmitglieder nicht mehr ab, ob ein anderer die Sanktion vornimmt – sie handeln schnell und nehmen die Kosten auf sich, zum Vorteil der ganzen Gruppe. "Der Wettbewerb zwischen den Gruppen bietet damit einen Anreiz-Mechanismus, um kulturelle Einstellungen zu verändern. Ein Fußballteam spielt auch mannschaftsdienlicher, wenn es um den Pokal geht", resümierte Sääksvuori. (red)


Abstract
Proceedings of the Royal Society: Costly punishment prevails in intergroup conflict

Kommentar posten
20 Postings
Bertel Mann
00
23.4.2011, 07:02
Dieses Experiment hat zunächst nichts mit Spieltheorie zu tun, sondern mit - empirischer - Soziologie

Die Spieltheorie käme dann ins Spiel, wenn es ein mathematisches Modell gäbe, das das Ergebnis dieses Experiments erklärt.
Vielleicht gibt es das ja auch, aber im Artikel steht nichts davon.

Quark
00
26.4.2011, 14:01

ja, die Spieltheorie selbst beschäftigt sich nicht mit dem Gedanken wie Menschen wirklich reagieren, sondern damit, was passiert wenn sie sich in einer Weise Verhalten

Personifizierte Unscheinbarkeit
00
21.4.2011, 23:56

"Die Forscher bildeten Gruppen, deren Mitglieder...", jetzt wär es halt noch interessant, ab wann, rein spieltheoretisch natürlich, der Einzelne freiwillig dazu bereit ist, sich einer Gruppe anzuschließen. Ich sehe in der Gesellschaft nur Einzelkämpfer, die sich allerhöchstens irgendwelcher Meuten vorübergehend bedienen, aber keine Gruppen.

DasWalross
 
103
21.4.2011, 14:28
so unnötig....

hab ich jetz was glernt draus??

"wenn man in konkurrenz mit einem anderen team steht, ist der mannschaftszusammenhalt und loyalität höher..."??

meiner meinung nach steht in dem artikel nix was man sich als halbwegs intelligenter mensch nicht auch selbst herleiten könnt durch logisches nachdenken!!!

x x3
01
24.4.2011, 13:00
Mit "logischem Nachdenken" meinst du den "Hausverstand", stimmt's?

Nur weil's diesen jetzt bereits günstig beim Billa gibt,
bedeutet dies aber noch nicht, das er das tolle Wundermittel für die Erklärung der Welt ist ;-)

"Logisch Denken" ist ganz was anderers.
Das hat mit "Logik" zu tun und sicher nichts mit auf persönlichen Erfahrungen basierenden Meinungen.
(Was nun nicht bedeutet, dass man diese persönl. Erfahrungen generell gering schätzen sollte).

Porqué no te callas?
12
22.4.2011, 08:35

du weisst nicht was spieltheorie ist und was sie erreichen will, stimmts?

subspace99
02
22.4.2011, 08:18

1. Sagt Ihnen der folgende systematische menschliche Verarbeitungsfehler etwas? http://en.wikipedia.org/wiki/Hindsight_bias
Dann würden Sie vielleicht verstehen, warum ich immer leicht schmunzeln muss, wenn wieder jemand im nachhinein verkündet, das ganze schon gewusst zu haben.

2. Die ganze Experimentalpsychologie ist ja unter anderem deswegen so interessent, weil ihre Ergebnisse mitunter genau dem widersprechen, was sich ein "halbwegs intelligenter mensch [...] durch logisches nachdenken" herleiten könnte. Nachdenken erspart daher leider das Experimentieren nicht.

DasWalross
 
20
22.4.2011, 20:07

zu 1.) nonsens much??

zu 2.) stimme ich im prinzip zu aber nur im kontext der physik, mathematik, etc... und NICHT bei der psychologie/verhaltensforschung

Pyros
01
22.4.2011, 13:20

Zu 1.) Das habe ich schon immer gewusst, dass es das gibt.

Schönen Gruß von Doug R.H.

Nick Tameer
00
21.4.2011, 21:10

Eine Sache der Logik ist es zwar nicht, aber die Erfahrung zeigt, dass Menschen machmal ihre persönlichen Interessen gegenüber Gruppeninteressen - übrigens je nachdem zum Guten oder zum Schlechten - zurückstellen.

Student der Natur
08
21.4.2011, 15:20

gibt es eigentlich einen Artikel im Wissenschaftsforum, der vom Walross nicht mit "Und was haben wir jetzt davon?" kommentiert wird?

mike sierra
00
30.4.2011, 02:06

Interessanterweise ist es die Frage "Wozu brauchen wir das?", die die Menschheit wirklich voranbringt und die Wissenschaft effektiver macht.

Leider fühlen sich viele schon durch den Ton - also: "zu was brauch ma das?" - provoziert .

derger
02
21.4.2011, 18:53

Ja, es gibt einen, wo er sich entrüstet, dass das Thema nichts mit Erdgeschichte zu tun hat und einen anderen, in dem er sich in seinem christlichen Glauben gekränkt fühlt.
Ich glaub immer noch, dass er nur möglichst viele rote Strichl sammeln will.

DasWalross
 
70
21.4.2011, 20:33
ganz falsch!!

rote stricherln sammeln waer bissi zeitverschwendung findst nicht?!?

mir gehts drum, dass' mich aufregt, dass in dem forum alle "wissenschaftler" gleich geschalten sind und keine kritischen diskussionen mehr moeglich sind... wenn ich eh einer meinung mit der allgemeinheit bin (was oft vorkommt) dann werd ich sicher nicht einfach "stimmt!!" posten sondern es gleich lassen, deswegen post ich halt meistens wenn mich was aufregt (zugegebenermaszen manchmal provokant formuliert)

ich hab naturwissenschaftlich sicher eine ganz andere ausbildung genossen als ihr deswegen kann das forum von mir nur profitieren!!!

Quark
00
26.4.2011, 14:06

versuchen sie eine wissenschaftliche diskussion anzuregen und nicht durch allzu provokante vorwürfe uns Forumsleser von ihrem eigentlichen wissenschaftlichen Wesen abzulenken

derger
01
21.4.2011, 22:21

Wenn Sie uns ihre völlig andere Sichtweise der Wissenschaft plausibel erklären wollen, sollten Sie etwas konstruktiver vorgehen. Mit Ihrer "des hob i eh ois scho immer gwusst" Rhetorik zeigen Sie nur, dass Sie von Sinnhaftigkeit der Spieltheorie wenig Ahnung haben. Es geht eben in der Spieltheorie um die mathematische Modellierung von Konflikten und einige Ergebnisse sind sicherlich evident, andere wieder überraschend.
Ich persönlich finde die Aussage des Artikels spannend. Die ganze Problematik des Zusammenspiels von persönlichem und kollektivem Interesse ist interessant und auch immer brisant.

Neuer Nick neues Glück
02
21.4.2011, 14:55

Vermutlich gäbe es aber auch andere Ergebnisse, die man sichals halbwegs intelligenter Mensch zusammenreimen könnte.
Und um herauszufinden, welches dieser Ergebnisse stimmt, muss man forschen.

DasWalross
 
61
21.4.2011, 15:08
ja aber

sogar mit der bestätigung, dass die überlegung in dem experiment oben stimmt kann man wenig anfangen... es war einfach von vornherein klar!!

und jetz?

provokant ausgedrückt denk ich ma: das warn a paar hawara die sich noch nicht von da uni ins arbeitsleben stürzen wollten und halt was gfundn ham wos a bissal rumspielen können...

fauler Student
01
21.4.2011, 14:52

Ich dachte, du hättest es nicht so mit theoretischen Gedankenkonstrukten.

DasWalross
 
30
21.4.2011, 15:05
das hab ich selbst nie gsagt!!!!

ich fühl mich nur dazu verpflichtet überall dort aufzuzeigen wo UNNÖTIGE "theoretische gedankenkonstrukte" mit einem eifer erforscht werden (+geistige und finanzielle verschossen werden) den man an anderer stelle besser benötigen könnte!!!

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