Smartphones - die Kamera-Killer

21. April 2011, 10:39
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Die meisten der 130 Millionen Bilder, die jedes Monat auf Flickr hochgeladen werden, werden bald mit einem iPhone 4 gemacht

Die meisten der 130 Millionen Bilder, die jedes Monat auf Flickr hochgeladen werden, werden bald mit einem iPhone 4 gemacht. Schon längst haben iPhone-Fotos alle anderen Kompaktkameras weit hinter sich gelassen; jetzt setzen sie dazu an, die Spiegelreflex Nikon D90 zu stürzen.

Nebenprodukt der enormen Fotozahl

Flickr ist quasi das Youtube für Fotografie und wird von Menschen benutzt, die viel, gern und oft auch außergewöhnlich interessant fotografieren. Darum ist die Statistik, Nebenprodukt der enormen Fotozahl, von besonderem Interesse: Denn hier sind ambitionierte Fotografen unterwegs, für die Kamerawahl nicht nebensächlich ist.

Aber die von dieser kleinen Trendhochrechnung entsprungenen Nachrichten vom bald bevorstehenden Ende der digitalen Kompaktkamera - die Ixuses, Lumixes, Cybershots und Coolpixes der Fotowelt - sind übertrieben. Sicher ist jedoch, dass sich unser Fotografierverhalten dramatisch geändert hat.

Was ist passiert? Erstens fotografieren viele, vielleicht die Mehrzahl der unzähligen Knipser, denen wir etwa zu Ostern auf den Straßen von Wien begegnen, nicht mehr für ein späteres Fotoalbum. Sie machen Bilder für den Augenblick und für alle, die gerade nicht da sind; das Fotoalbum ist heute Facebook, Flickr, Tumblr oder eine spezielle Fotocommunity wie Instagram, DailyBooth oder eben Flickr. Und diese Spontaneität hat nur ein Handy, während Bilder auf der Kamera eingesperrt auf die Nachbearbeitung am PC harren.

Das iPhone 4 ist dabei nicht einmal die beste unter den Handycams

Zweitens hat die technische Fotoqualität der Smartphones ein sehr hohes Niveau erreicht, das "gut genug" ist für die meisten Alltagssituationen. Das iPhone 4 ist dabei nicht einmal die beste unter den Handycams - aber eben: gut genug, um allenfalls auch große Bilder zu drucken. Aber das ist ohnehin längst nicht mehr die primäre Bestimmung des digitalen Negativs.

Denn dieses, drittens, ist immer öfter nur Ausgangsmaterial für eine der unzähligen Apps, mit denen wir am Handy einen eigenen Fotostil entwickeln können: Bilder, die der Farbcharakteristik alter Filme, von Spielzeugkameras oder Polaroid, von aufwändigen Tilt-Shift-Objektiven oder anderem entsprechen. Die Kunst, ein traditionelles Foto zu machen, wird dank automatisierter Digitalcams heute von vielen gemeistert (zum Leidwesen professioneller Fotografen). Womit die Bilder immer austauschbarer werden - es sei denn, man appifiziert sie mit interessanten, lustigen, individuellen Effekten.

Welcher Platz bleibt da noch für "richtige" Kameras? Generell ein kleinerer, was nicht so schnell auffällt, da der Markt dank wachsendem Interesse weiterhin zulegt. Denn was die Handycams auch hervorbringen, ist: größere Freude am Fotografieren. Und das schlägt sich, zumindest einige Zeit noch, auch in aufwändigeren Kameras nieder. (PERSONAL TOOLS, HELMUT SPUDICH. 21. April 2011)

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