"Traumplan" von Fiat wird zügig realisiert

21. April 2011, 17:11
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Beteiligungsaufstockung von 30 auf 46 Prozent bei Chrysler - Neue Arbeitsbedingungen stoßen auf Widerstand

Der Turiner Autokonzern Fiat wird bis Jahresmitte die Beteiligung am US-Konzern Chrysler von derzeit 30 auf 46 Prozent aufstocken. Die Turiner zahlen dafür 880 Millionen Euro. Spätestens bis Jahresende peilt Fiat dann die absolute Mehrheit an Chrysler an. "Die angekündigte Operation bei Chrysler ermöglicht, dass unser Traum eines weltweiten Autoherstellers realisiert wird", kommentierte CEO Sergio Marchionne den Deal. Rund sechs Millionen Fahrzeuge sollen bei Chrysler-Fiat ab 2015 jährlich vom Band rollen.

Sobald der in Detroit ansässige US-Autobauer Chrysler seine Schulden von insgesamt sieben Mrd. Dollar zurückgezahlt habe, werde Fiat die absolute Beteiligungsaufstockung vollziehen. Bislang hat Fiat keinen Cent in das US-Unternehmen investiert. Der Beitrag beschränkte sich auf die Einbringung neuer Technologien.

De facto kontrollieren die Turiner den Detroiter Autobauer bereits seit dessen Insolvenz 2009. Die Regierungen der Vereinigten Staaten und Kanadas hatten Chrysler vor anderthalb Jahren vor der Pleite bewahrt. Fiat hatte seinen Anteil an Chrysler in der vergangenen Woche planmäßig von 25 auf 30 Prozent erhöht. Es war bekannt, dass die Beteiligung am US-Autobauer sukzessive bis zur Mehrheitsübernahme aufgestockt werden sollte.

Inzwischen arbeiten die Fiat- Manager noch an einer anderen Baustelle. In dem vom Autodesigner Bertone übernommenen Werk in Turin sollten ursprünglich die neuen, ebenfalls zum Fiat Konzern zählenden Maserati-Modelle hergestellt werden. Bedingung sei laut Fiat, dass alle Arbeiter die im Turiner Mirafiori-Werk ausgehandelten Arbeitsbedingungen akzeptieren. Es handelt sich um verschärfte Bedingungen, welche bislang nur unter großen Protesten des Gewerkschaftsverbandes Cgil eingeführt wurden. Die 300 Bertone Arbeiter wollen am 2. Mai abstimmen. Falls sie gegen die neuen Arbeitsbedingungen sind, werde die Maserati-Produktion kurzerhand in die USA verlagert, drohte Marchionne. (Thesy Kness-Bastaroli, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 22.4.2011)

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    Fiat hält bereits 30 Prozent an Chrysler, will aber mehr.

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