OECD senkt BIP-Prognose für Japan

21. April 2011, 15:56
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Tokio/Wien - Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) empfiehlt Japan in ihrem neusten Länderbericht, sich nach dem Wiederaufbau dringend der Budgetkonsolidierung zu widmen. Schon jetzt ist das Land, das am 11. März von dem schlimmsten Erdbeben in seiner Geschichte heimgesucht wurde, mit über 200 Prozent des eigenen Bruttoinlandsprodukts (BIP) verschuldet. Wegen der Naturkatastrophe hat die OECD die Wachstumsprognose für Japan für heuer auf 0,8 Prozent halbiert, für 2012 rechnet sie aber mit einem Wachstum von 2,3 Prozent.

Dabei dürfte die Wirtschaft von den Wiederaufbaumaßnahmen profitieren, denn im November war die OECD von einem Wachstum von nur 1,3 Prozent für 2012 ausgegangen. "Der negative Trend bei öffentlichen Ausgaben wird von den Wiederaufbaumaßnahmen unterbrochen werden. Diese dürften sich auf 5,6 Bio. Yen (46,9 Mrd. Euro) bis Ende 2012 oder 1,1 Prozent des japanischen BIP belaufen", heißt es in dem am Donnerstag veröffentlichten Bericht.

Um das Vertrauen der Anleger nicht zu verlieren und hohe Risikoaufschläge auf Staatsanleihen zu vermeiden, brauche es in der Folge einen "detaillierten und glaubwürdigen" Plan zur Budgetsanierung. Dieser müsse sowohl die Reduktion von Staatsausgaben als auch Steuererhöhungen umfassen. Mit den Konsolidierungsmaßnahmen solle so schnell wie möglich begonnen werden, empfiehlt die Organisation. Spielraum sieht die OECD vor allem bei der niedrigen Mehrwertsteuer - diese sollte die "Hauptquelle für zusätzliche Einnahmen" sein. Eine Anhebung von derzeit fünf auf 20 Prozent könne nötig sein.

"Wir sind sehr zuversichtlich, dass Japan diese Probe bestehen wird", sagte OECD-Generalsekretär Angel Gurria gemäß der Nachrichtenagentur AFP am Donnerstag bei der Präsentation des Berichts in Tokio. Die wirtschaftlichen Auswirkungen der Naturkatastrophe würden sich in einem bewältigbaren Rahmen halten. Auch die internationalen Konsequenzen seien überschaubar.

Dennoch würden erhebliche Unsicherheiten fortbestehen, etwa wie lange die Stromkürzungen und die Probleme mit dem Atomkraftwerk in Fukushima noch andauerten. Auch aufgrund der unterbrochenen Lieferketten, vor allem in der Automobilindustrie, wird daher für das zweite Quartal diesen Jahres ein substanzieller Rückgang des BIP erwartet. Ab dem dritten Quartal geht es laut Prognose der OECD dank der Wiederaufbaumaßnahmen der Regierung und der Privatwirtschaft aber schon wieder bergauf. Eine wirtschaftliche Depression sei daher sehr unwahrscheinlich. (APA)

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    Rechneten die Experten vor der Katastrophe mit einem Wachstums-Plus von 1,7 Prozent, sind es jetzt nur mehr 0,8 Prozent.

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