Ein Jahr nach Beginn der Ölpest im Golf von Mexiko schlägt der britische Ölgigant zurück und geht gegen den "Deepwater-Horizon"-Eigentümer vor
New York - Der britische Ölkonzern BP will beim Betreiber der Unglücksplattform "Deepwater
Horizon" 40 Milliarden US-Dollar (27,6 Mrd. Euro) Entschädigung eintreiben.
Genau ein Jahr nach Beginn der Katastrophe verklagte das Unternehmen am Mittwoch
(Ortszeit) in den USA die in der Schweiz ansässige Firma Transocean, von der sie
die Bohrinsel "Deepwater Horizon" geleast hatte. Das bestätigte der Konzern am
Donnerstag in London.
Außerdem geht BP gerichtlich gegen das Unternehmen Cameron International in
Houston (Texas) vor, den Hersteller einer Einrichtung, die in Notsituationen
automatisch den Ölfluss aus einer Quelle stoppen soll. In diesem Fall hatte
dieser "Blowout Preventer" nicht funktioniert. Rechtliche Schritte hat BP zudem
gegen das US-Unternehmen Halliburton eingeleitet. Halliburton war für die
Einbetonierung der Quelle zuständig. Die Klagen wurden bei einem Bundesgericht
in New Orleans (US-Staat Louisiana) eingereicht.
"Kontrollvorrichtungen haben versagt"
In der Klageschrift heißt es: "Fakt ist, dass am 20. April 2010 jedes
einzelne Sicherheitssystem und -instrument sowie sämtliche Kontrollvorrichtungen
für die Quelle auf der Deepwater Horizon versagt haben. Dies führte zu den
Verlusten durch den Unfall."
Transocean nannte die Klage einen "verzweifelten Versuch" von BP, die volle
Verantwortung für die Umweltverschmutzung und die daraus entstehenden Kosten von
sich zu weisen. Die Klage sei "fadenscheinig und skrupellos", hieß es in einem
Statement, das der Zeitung "Financial Times" (FT) vorlag.
Die Ölplattform war am 20. April vergangenen Jahres explodiert. Elf Arbeiter
starben. 780 Millionen Liter Rohöl strömten ins Meer, bis die Quelle in 1.500
Metern Tiefe im August geschlossen werden konnte. 48.000 Menschen kämpften gegen
das Öl, das 1.000 Kilometer Küste verschmutzte.
Folgekosten
Derzeit sind rund 30 Milliarden US-Dollar (20,7 Mrd. Euro) an Folgekosten
eingeplant. BP hat bereits Vermögenswerte in Höhe von rund 24 Milliarden
US-Dollar (16,5 Mrd. Euro) verkauft, etwa Ölfelder in Argentinien oder in der
Nordsee.
Die Briten haben derzeit zahlreiche offene Baustellen: Die Ölpest hatte dem
Unternehmen nicht nur einen massiven Image-Schaden eingebracht, sondern im
vergangenen Jahr erstmals seit Jahrzehnten einen Verlust von 5 Milliarden
US-Dollar (3,44 Mrd. Euro). Die Folgekosten für die Katastrophe dürften in naher
Zukunft nicht versiegen.
Probleme gibt es außerdem in Russland. Dorthin hatte sich BP nach dem
Golf-Desaster stärker ausrichten wollen. Ein Milliarden-Deal mit dem russischen
Konzern Rosneft zu Ausbeutung von Vorkommen im Nordpolarmeer aber droht zum
Fiasko zu werden.
Vorgesehen ist ein Aktientausch mit Rosneft im Wert von zehn Milliarden Pfund
(11,28 Mrd. Euro). Allerdings hat das russische Oligarchen-Konsortium AAR gegen
die geplante Zusammenarbeit ein Veto eingelegt. Mehrere Schlichtungsversuche
sind bereits gescheitert. Die neue Frist für den Aktientausch ist der 16.
Mai. (APA/Reuters)