Rebellen melden Einnahme eines Grenzpostens

21. April 2011, 12:57
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Sprecher des Übergangsrats für Auslandsintervention: Hilfsaktion wäre kein Militäreinsatz

Bengasi - Die libyschen Aufständischen haben nach Angaben von Augenzeugen einen Grenzübergang zu Tunesien eingenommen. Reuters erfuhr aus der südtunesischen Stadt Dehiba (Landkarte), dass die Rebellen nach erbitterten Kämpfen, die bis in die Morgenstunden das Donnerstags dauerten, den Grenzposten unter ihre Kontrolle gebracht hätten.

Dutzende libysche Soldaten hätten sich der tunesischen Armee ergeben, um einer Gefangennahme durch die Aufständischen zu entgehen. Am Telefon waren Freudenschüsse zu hören.

NATO weist Bericht über zivile Opfer zurück

Die NATO hat den Vorwurf libyscher Staatsmedien zurückgewiesen, nahe der Hauptstadt Tripolis Zivilisten durch ein Bombardement getötet zu haben. "Es gab einen NATO-Luftangriff in der Gegend von Chellat al-Ferjani", sagte ein Vertreter der Militärallianz am Donnerstag der Nachrichtenagentur AFP in Brüssel. "Das Ziel war ein Befehls- und Kontrollbunker inmitten eines Militärgeländes. Es gibt keine Hinweise auf zivile Opfer."

Das libysche Staatsfernsehen Al-Libya hatte zuvor berichtet, NATO-Kampfjets hätten am Mittwochabend Ziele in der Region Chellat al-Ferjan südwestlich von Tripolis angegriffen. Dabei habe es Tote und Verletzte unter den Einwohnern gegeben. Der amtlichen libyschen Nachrichtenagentur Jana zufolge wurden bei dem Angriff sieben Zivilisten getötet und 18 weitere verletzt.

Rebellen: Hilfsaktion wäre kein Militäreinsatz

Die libyschen Rebellen würden zum Schutz von Zivilisten den Einsatz ausländischer Bodentruppen akzeptieren. "Um Zivilisten schützen zu können, benötigen wir Korridore, um Hilfsgüter zu liefern", sagte der Sprecher des Nationalen Libyschen Rates, Hafiz Ghoga, am Mittwoch in der Rebellen-Hochburg Bengasi. Wenn dies nur mit Bodentruppen möglich sei, gehe von diesen keine Gefahr aus. Der Nationale Rat sei nicht der Meinung, dass eine solche Hilfsaktion auf einen Militäreinsatz am Boden hinauslaufe.

Die EU-Kommission erwägt, Bodentruppen zum Schutz von Hilfslieferungen einzusetzen. Dabei geht es hauptsächlich um Hilfen für die Einwohner der Stadt Misrata im Westen Libyens, die seit rund sieben Wochen von der libyschen Armee belagert wird.

Rebellen laden Sarkozy nach Bengasi ein

Rebellenführer Mustafa Abdel Jalil, der derzeit eine Europatour absolviert, hat Frankreichs Präsidenten Nicolas Sarkozy nach Bengasi eingeladen. Der Besuch des Staatsoberhaupts solle "die Moral der Revolution" stärken, sagte Gaddafis ehemaliger Justizminister. Ob Sarkozy die Einladung annehmen wird, ist nicht bekannt.

Frankreich, Italien, Großbritannien schicken Militärberater

Ghoga lobte die Fortschritte bei den Nato-Luftangriffen. "Die Leistung der Allianz beim Schutz der Zivilisten ist gut, nicht nur in Adjdabija sondern auch in Misrata und Tripolis", sagte der Rebellen-Sprecher. Zugleich hieß Ghoga die Entsendung von Verbindungsoffizieren gut. Details nannte er nicht. Frankreich kündigte an, zehn Offiziere zu den Aufständischen zu schicken.

 Auch die italienische Regierung will zehn Experten nach Libyen entsenden, teilte der italienische Verteidigungsminister Ignazio La Russa mit. Großbritannien hatte bereits am Dienstag angekündigt, "erfahrene Militärberater" nach Benghazi zu schicken. (red/Reuters)

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    Am 4. April waren die Rebellen in Bengasi noch siegessicher

  • Rebellenführer Abdul Hafiz Ghoga
    foto: epa/manu brbao

    Rebellenführer Abdul Hafiz Ghoga

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