"Restrepo"-Filmemacher Tim Hetherington in Libyen getötet

21. April 2011, 07:31
100 Postings

Der britische Fotojournalist und sein US-Kollege Chris Hondros wurden Opfer eines Granatangriffs in Misrata

Misrata/New York - Tim Hetherington, der gemeinsam mit Sebastian Junger die Afghanistan-Kriegsdoku "Restrepo" über eine US-Fronteinheit gedreht hatte, welche nach dem Großen Jurypreis beim Sundance-Festival 2010 auch für die Oscars nominiert wurde, ist am Mittwoch  bei neuen Recherchen in der zurzeit belagerten libyschen Küstenstadt Misrata (Misurata) getötet worden, teilte seine Agentur gegenüber dem TV-Sender CNN mit. 

Der 41-jährige gebürtige Liverpooler war nach einem Literaturstudium  in Oxford als Fotojournalist aus Krisengebieten wie Liberia und Darfur berühmt geworden. Seine Erlebnisse verarbeitete er zu zwei Dokumentarfilmen "An Uncivil War" (2004) und "The Devil Came on Horseback" (2007). 2007 hatte er den World Press Photo Award für eine Afghanistan-Reportage im "Vanity Fair" erhalten, auch nun war er  für das US-Magazin  in Libyen.

Auch der Fotograf Chris Hondros von der Agentur Getty ist infolge des Angriffs ums Leben gekommen, er erlag im Krankenhaus seinen Verletzungen. Hondros war ebenfalls ein erfahrener Krisenreporter. Vor Libyen war er bereits in Unruhegebieten wie dem Kosovo, Angola, dem Irak, Afghanistan oder Liberia unterwegs. Für seine Arbeit in Liberia erhielt er eine Nominierung für den Pulitzer-Preis.

Der britische Fotograf Guy Martin wurde schwer verletzt. Nach Angaben der Agentur Panos, für die Martin arbeitet und auch Hetherington gearbeitet hat, wurden die Journalisten von einer Panzerabwehrgranate getroffen, als sie dabei waren, den Schauplatz zu verlassen, wo sich Rebellen und Truppen des Machthabers Muammar Gaddafi bekämpften. Die Gruppe befand sich auf der großen Tripolis-Straße, als die Granate einschlug.

Die Straße steht im Zentrum der Gefechte zwischen den Aufständischen und den Truppen von Machthaber Muammar al-Gaddafi, die seit sechs Wochen die Küstenstadt belagern.  Mit Hetherington und Hondros sind es nun bereits drei ausländische Journalisten, die seit Beginn des Aufstands  ums Leben kamen. Am 12. März war der Kameramann des arabischen Senders Al-Jazeera, Ali Hassan El Jaber, bei einem Hinterhalt in der Nähe der Rebellenhochburg Benghazi (Bengasi) getötet worden, ein weiterer Mitarbeiter des Senders wurde verletzt. (red)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Tim Hetherington beim Dreh von "Restrepo" in der gleichnamigen US-Stellung im Korengal-Tal in Afghanistan

Share if you care.