Ried wirft Titelverteidiger Sturm raus, Chance auf Double

20. April 2011, 20:30
97 Postings

Grazer verlieren in einem dürftigen Spiel in Oberösterreich mit 1:2 - Royer, Hadzic und Glasner erzielen die Treffer

Die SV Ried steht im Halbfinale des ÖFB Cups. Die Oberösterreicher schalteten im Viertelfinale zuhause Titelverteidiger Sturm Graz mit 2:1 aus und haben weiterhin die Chance, das Double aus Meisterschaft und Pokal zu schaffen.

Ein kampfbetonter Beginn brachte den 3.300 Fans in der "Keine Sorgen-Arena" kaum erfreuliche Szenen. Sturm versuchte die Rieder aus der Reserve zu locken, die den Steirern diesen Gefallen aber nicht taten. Stattdessen dominierten die Oberösterreicher den Ballbesitz. Eine Viertelstunde lang musste man sich dieses Spielchen ansehen. In Minute 17 rückten die Grazer dann an sich das erste Mal etwas weiter auf ...

Erste Aktion, erstes Tor

Auch Dominic Pürcher war auf der linken Außenbahn mitgegangen, dort aber unter Druck gesetzt worden. Er hob den Ball eher unkontrolliert-hoffnungsvoll über seinen Gegenspieler. Die Abwehr der Gastgeber hatte aber aufgepasst und schickte den Ball hoch und weit auf den schnellen Markus Hammerer. Der konnte von Thomas Burgstaller dank seinem Stellungsfehler nicht einmal mit einem Foul gestoppt werden und fand in der Mitte Anel Hadzic. Dieser erahnte Daniel Royers Ansturm die linke Seite entlang, hob sehenswert den Ball in dessen Lauf und Royer schob den Ball per Volley nicht minder sehenswert ins Tor. 1:0 für die Rieder.

Diese zogen sich nun etwas weiter zurück. Von den Blackies konnte das aber nicht genutzt werden, denn die Anbindung des Mittelfeld an die Stürmer funktionierte nicht. Wegen der schwachen Leistung seiner Mannschaft schickte Franco Foda schon nach 25 Minuten Mario Haas und Klaus Salmutter zum Aufwärmen. Zu eben jener Zeit kam Hadzic zur zweiten Rieder Tormöglichkeit. Er schoss aus spitzem Winkel einfach mal selbst. Die halbe Stunde war gerade um, als Burgstaller mit einem Fauxpas beinahe ein zweites Mal seinen Ex-Verein beschenkte. Seine Rückgabe per Kopf auf Christian Gratzei (erster Einsatz nach der Verletzungspause) geriet zur Vorlage für Hammerer, doch der schoss überhastet daneben.

Elfmeterpfiff blieb aus

Einmal sprangen die Blackies dem Schicksal in der ersten Hälfte noch von der Schaufel. Bei einer an sich harmlosen Flanke wollte Pürcher den Ball über die Torlinie springen lassen, hatte aber nicht mit dem schnellen Hammerer gerechnet, der das Leder noch erlief. Der Rieder ließ Pürcher auch im Zweikampf wie einen Amateur aussehen und legte auf Hadzic ab. Der 21-jährige hatte am Fünfer die Schussmöglichkeit, wurde aber von Mevoungou gefoult. Alle hatten es gesehen, Schiedsrichter Brugger nicht. Der Pfiff zum Strafstoß blieb aus.

Und Sturm selbst? Nichts. Ein Schüsschen von Andreas Hölzl (32.) und einen nicht ernstzunehmenden Volley von Standfest (39.) kann man aus Freundlichkeit unter "Chancen" anführen. Die Beste für die Gäste hatte im Prinzip Thomas Schrammel, der bedrängt von Hölzl mit einem Rückpass in der Nachspielzeit seinen Torhüter Thomas Gebauer herausforderte. Der unsichtbare Roman Kienast durfte nach dem Seitenwechsel gleich gar nicht mehr aufs Feld. An seiner Stelle kam Mario Haas. Bei Ried musste kurz nach Wiederanpfiff Jan-Marc Riegler verletzt dem Ex-Grazer Mark Prettenthaler Platz machen.

Mehr Wille nach der Pause bei Sturm, aber kaum mehr Klasse

Sturm sah man nach der Pause an, dass die Mannschaft zumindest den Ernst der Lage erkannte. Burgstallers Köpfler bei einem Eckball (50.) und ein Schuss von Szabics aus 20 Metern (54.), sowie einige Situationen bei denen Keeper Gebauer rechtzeitig aus dem Tor kommen musste gaben den Schwarzen Hoffnung. Besonders die Schnelligkeit von Haas machte die Rieder Abwehr etwas nervöser als bisher. Mit Klaus Salmutter statt dem harmlosen Christian Klem (61.) und Samir Muratovic statt Patrick Mevoungou (65.) versuchte Foda seiner Mannschaft mehr Kreativität und Offensivdrang zu verleihen. Zwischen den Wechseln glänzte Gebauer bei einem neuerlichen Kopfball von Burgstaller nach einer Ecke. Richtig zwingend wurde Sturm im Allgemeinen aber nicht. Meist Griff man zu hohen Bällen auf die Stürmer.

Die SV Ried zeigte sich wie immer perfekt eingestellt und diszipliniert, rief aber auch keine spielerische Glanzleistung ab. Man musste allerdings auch nichts mehr tun und verlagerte sich ganz aufs Kontern. Eine sehenswerte Flanke von Ewald Brenner auf Royer konnte vom ordentlich spielenden Joachim Standfest zur Ecke geklärt werden. Bei dieser sprang der Ball durch das Gewirr zum langen Eck, wo Martin Stocklasa den Ball direkt nahm und knapp über das Tor schoss. Der müde gewordene Hammerer machte für Robert Zulj Platz (73.). In der 77. Minute traf Hadzic mit einem freien Schuss das Tor nicht.

Eine letzte und eine der besten Chancen von Sturm fand in der Schlussphase Hölzl vor. Eine weite Standfest-Flanke konnte er mit dem Kopf aber nicht auf das Tor zirkeln. Als bereits absehbar war, dass die Grazer die Partie nicht mehr drehen können wurden, setzte Ried im Konter noch einen drauf. Pürcher verlor in der 92. Minute ein Laufduell gegen Oldie Stefan Lexa. Der konnte sich an der Grundlinie umdrehen, sah Hadzic heranrauschen. Dieser krönte seine starke Leistung mit dem alles entscheidenden Tor zum 2:0.

Dass Oliver Glasner in der 95. Minute noch ein Eigentor beisteuerte, bekam man fast nicht mehr mit. Damit hatte skurilerweise auch in der zweiten Hälfte die beste Chance für Sturm ein Rieder. Mit einem solchen Auftreten kann man einen Titel nicht verteidigen. (tsc, derstandard.at, 20.4.2011)

SV Ried - SK Sturm Graz 2:1 (1:0)
Keine-Sorgen-Arena, 3.300 Zuschauer (richtig), SR Brugger

Tore:
1:0 (17.) Royer

2:0 (94.) Hadzic

2:1 (95.) Glasner (Eigentor)

Ried: Gebauer - Stocklasa, Glasner, Riegler (48. Prettenthaler) - Brenner (93. Ziegl), Mader, Schrammel - Lexa, Hadzic, Royer - Hammerer (73. Zulj)

Sturm: Gratzei - Standfest, Schildenfeld, T. Burgstaller, Pürcher - Hölzl, Mevoungou (66. Muratovic), Weber, Klem (61. Salmutter) - Szabics, Kienast (46. Haas)

Gelbe Karten: Hadzic, Zulj, Mader bzw. Szabics

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Ried drängte Sturm aus dem Bewerb

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Anel Hadzic sorgte mit dem 2:0 für die Entscheidung.

Share if you care.