Ein Wanderapostel mit Visionen

21. April 2011, 13:01
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Seit 20 Jahren setzt Leo Riebenbauer auf erneuerbare Energien - und weiß darüber schöne Geschichten zu erzählen

Wien - "Die 1990er-Jahre waren Missionsarbeit", erzählt Leo Riebenbauer, der oststeirische Pionier in Sachen erneuerbarer Energien, von seinen Anfängen. Und der 53-jährige Gebäudetechniker hat einige Geschichten zu erzählen. Der Erdölpreis war damals im Keller, das Bewusstsein für Alternativenergien ebenfalls. "Im Grunde war ich ein Wanderapostel, der mit seinen Öko-Ideen von Gemeinde zu Gemeinde gepilgert ist. Die Hälfte meiner Arbeit musste ich als Freizeit deklarieren, weil meine Projekte nicht umgesetzt wurden."

20 Jahre nach der Planung des ersten Biomasseheizwerks in seiner Heimatgemeinde Pinggau beschäftigt Riebenbauer mittlerweile 17 Personen in "Green Jobs", also in Berufen, die sich mit nachhaltiger Energiegewinnung beschäftigen. Sein "Büro für erneuerbare Energien" bezieht Öko-Strom aus selbstgeplanten Projekten, die Mitarbeiter sind mit E-Bikes unterwegs, und im Fuhrpark stehen Autos, die mit Pflanzenöl betrieben werden. Den Stoff liefert die von Riebenbauer geplante Ölmühle im burgenländischen Großwarasdorf, die auch die Schifffahrtsflotte in Mörbisch versorgt. Landet das Rapsöl nicht als Diesel im Tank, ist es als Speiseöl "Burgenlandgold" im Handel erhältlich. Und der aus dem Raps gewonnene Presskuchen dient Rinderbetrieben als Eiweißfuttermittel.

"Was ist das?" 

In der Anfangszeit seiner Initiativen war freilich viel auf Zufall aufgebaut. "Mich hat jeder gefragt: Erneuerbare Energie, was ist das?", erzählt Riebenbauer. Seine erste im Burgenland mitgeplante Hackschnitzelheizung in Unterrabnitz war so ein Beispiel. "Es gab viel Käferholz, die Waldbesitzer wussten nicht, wohin damit. Für die war es ein Notfall. Und für mich eine Vision."

Auch die kleine niederösterreichische Gemeinde Stetteldorf am Wagram nahe Korneuburg bietet Riebenbauer Anlass für eine Geschichte. "Die Sonne hat geschienen, aber es war trotzdem finster. Weil der Bauer das Stroh, das nicht verwendet werden konnte, angezündet hat. Heute gibt es dort eine Strohheizung. Und die Asche geht in Form von Gülle per Dünger wieder retour aufs Feld."

Große globale Öko-Energielösungen sind Riebenbauers Sache nicht. Stattdessen setzt sich der Steirer lieber für lokale Konzepte ein, mehr als 200 hat er in Österreich, Deutschland und Ungarn schon umgesetzt. "Energie gehört dort produziert, wo man sie braucht. Die Zukunft sind kleine, dezentrale Systeme, die Energie aus der Region mit Jobs in der Region für die Region produzieren." So sollen am Masenberg im steirischen Joglland bald vier Windräder vier Gemeinden energieautark machen. Der Windpark soll 13 Millionen Kilowattstunden pro Jahr erzeugen, womit 3000 Durchschnittshaushalte versorgt werden können.

Sorge ums Wild

Erst vor einer Woche bekam das Projekt vom Land grünes Licht, weil sich in der Bevölkerung Widerstand regte. Die Windräder würden das Landschaftsbild verschandeln, hieß es. Und: Durch das Geräusch der Rotoren würde das Wild gestört werden.

Die Palette an erneuerbaren Energien zusammenzuführen ist Riebenbauers Traum. Dem am nächsten kommt das südsteirische Mureck. Hier wird Biodiesel aus Altspeiseöl und Raps produziert, für den Ökostrom zeichnen ein Biomasseheizkraftwerk, eine Biogasanlage und auch eine Fotovoltaikanlage verantwortlich, die Riebenbauer plante.

Drei Millionen Euro hat die Anlage gekostet, mit einer Million haben sich 250 Bürger beteiligt. Der Strom wird in das Netz eingespeist, der Erlös wird an die Anteilseigner bezahlt. In zwölf Jahren soll sich die Investition rechnen. "Das kostet jetzt etwas. Dafür muss man der Sonne später nichts mehr für den Strom zahlen."

Die Kritik, dass erneuerbare Energie in der politischen Diskussion als Kostenfaktor gesehen wird, lässt Riebenbauer nicht gelten. "Wenn man auf Atomstrom und auf Benzin die Umweltkosten und kalkulierbaren Risiken draufschlagen würde, bräuchten wir keine Fördergelder für Ökostrom mehr." Als Beispiel führt er die Biogasanlage im burgenländischen Rechnitz an. "Wenn's dort einen Super-GAU gibt, muss man sich einen Tag die Nase zuhalten, weil einer das Jauchefass umgeschüttet hat." (David Krutzler, DER STANDARD Printausgabe, 21.4.2011)

  • In Mureck plante Leo Riebenbauer die größte Solaranlage Österreichs mit 
Bürgerbeteiligung. 250 Haushalte werden versorgt
    foto: privat

    In Mureck plante Leo Riebenbauer die größte Solaranlage Österreichs mit Bürgerbeteiligung. 250 Haushalte werden versorgt

  • Ökopionier Leo Riebenbauer hat Ideen
    foto: privat

    Ökopionier Leo Riebenbauer hat Ideen

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