Ubuntu 11.04: Ein Wagnis namens "Unity"

25. April 2011, 13:11
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Linux-Distribution verpasst sich ein neues Interface - Viel Potential, aber mindestens ebenso viele Baustellen - Ansichtssache

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screenshot: andreas proschofsky

Ubuntu 11.04 hinterlässt einen eher gemischten Eindruck: Zwar kann Unity - wenn man sich mal darauf eingelassen hat - mit einigen durchaus interessanten und wohl durchdachten Konzepten aufwarten, die das Zeug haben, den Desktop-Alltag zu erleichtern. Gerade die starke Suche und das "Lenses"-Konzept bergen hier noch einiges an Potential für die Zukunft. Gleichzeitig wirkt die aktuelle Version aber an all zu vielen Stellen wie eine Baustelle, um wirklich ungetrübte Begeisterung aufkommen zu lassen. Aber klar: Angesichts des kurzen Entwicklungszyklus von Ubuntu und des Umstands, dass man dann auch noch Unity auf Basis von Compiz reimplementiert hat, war wohl nicht groß etwas anderes zu erwarten. Insofern sollte beim Testen bedacht werden, dass es sich hierbei erst um einer erste Version handelt. Viele der jetzt noch unübersehbaren Probleme und losen Fäden werden wohl schon bis zur kommenden Release im Oktober ausgebügelt sein.

Update oder nicht?

Bestehende NutzerInnen haben von dieser Erkenntnis natürlich wenig, immerhin wollen sie mit dem Desktop im hier und jetzt arbeiten - und nicht erst in sechs Monaten. So bleibt "Natty Narwhal" eigentlich nur für jene eine uneingeschränkte Empfehlung, die gerne rasch neue Konzepte ausprobieren wollen, und sich von den verbliebenen Bugs nicht abschrecken lassen. Alle anderen sollten lieber noch ein paar Wochen warten, bis zumindest die gröbsten Fehler durch Updates ausgebügelt wurden - oder die aktuelle Version gleich ganz auslassen. Wer mit Unity so gar nichts anfangen kann, und lieber weiter den "klassischen GNOME" bevorzugt, für den gibt es ohnehin kaum einen wirklich überzeugenden Grund auf Ubuntu 11.04 zu aktualisieren. Die selbe GNOME-Version mit geringerer Stabilität - wer hier nicht gerade sehr aktuelle Hardware sein eigen nennt, wird von solche einem Ausblick wenig angetan sein.

Ausblick

Für die weitere Zukunft der Distribution - in Form von Ubuntu 11.10 - stehen nun aber gleich die nächsten größeren Hürden an. So muss sich erst zeigen, wie Ubuntu nach dem Unity-Wechsel die Integration der diversen GNOME3-Komponenten (natürlich jenseits der GNOME Shell) in seinen Desktop bewerkstelligt. Damit einher geht eine Umstellung der eigenen Softwarebestandteile auf GTK+3 - insofern wird wohl der nächste Release-Zyklus auch nicht unbedingt ein Spaziergang für die EntwicklerInnen bei Canonical. Dazu ist derzeit auch noch nicht wirklich geklärt welche Rolle die KDE-Basis Qt - jenseits der Nutzung bei Unity 2D - künftig in Ubuntu spielen soll - und wie sich das dann alles rein platzmäßig auf die Live-CD ausgeht. Nur eines ist eigentlich wirklich sicher: Der Linux-Desktop erlebt so spannende Zeiten wie schon lange nicht mehr, bleibt zu hoffen, das im Endeffekt die NutzerInnen vom Wettstreit zwischen Unity, GNOME3 und anderen Umgebungen wie KDE profitieren. 

Download und so

Ubuntu 11.04 soll am 28.04 in der fertigen Version zum Download freigegeben werden. Wer nicht mehr so lange warten will, kann sich die aktuellste Beta herunterladen und dann mit dem Update Manager auf die Final Release aktualisieren. Eine eigene Netbook-Version gibt es angesichts der Unity-Integration in den Desktop übrigens nicht mehr. Das darauf folgende Ubuntu 11.10 "Oneiric Ocelot" wird derzeit für Mitte Oktober anvisiert. (Andreas Proschofsky, derStandard.at, 25.04.11)

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