"Die größte Show der Welt"

20. April 2011, 19:41
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Das englische Königshaus fasziniert Millionen Menschen - Prinzenhochzeit ist ein gutes Geschäft

Am Mittwoch hat die britische Monarchie einen neuen Rekord gebrochen. Seit 20. April 2011 ist Prinz Charles (62) der am längsten wartende Thronfolger in der Geschichte englischer Könige - die mehr als 1000 Jahre zurückreicht. Anders als Edward VII, der 1901 nach 59 Jahren, zwei Monaten und 13 Tagen Wartezeit seiner Mutter Viktoria auf den Thron nachfolgte, muss sich der Älteste von Queen Elizabeth II auf weitere Jahre als Prince of Wales gefasst machen. Die 85-Jährige denkt nicht ans Abdanken.

Die teils glamouröse, teils unendlich banale Realität des britischen Königshauses fasziniert seit Jahrzehnten weltweit Millionen Menschen: ihre lange historische Perspektive, die einzigartige Mischung aus politischem Pflichtbewusstsein und politisch neutraler Repräsentanz, das häufig weitgehend sinnfreie Leben königlicher Hoheiten in Palästen. Wenn kommende Woche Charles' Sohn William, der Zweite der Thronfolge, und seine langjährige Freundin Kate Middleton vor den Altar der Westminster Abbey treten, werden nach Schätzungen angeblicher Fachleute zwei Milliarden TV-Zuschauer live dabei sein.

"Die Welt ist verrückt geworden"

Fest steht: Der uralte Traum vom bürgerlichen Mädchen, das vom Prinzen geheiratet wird, beschäftigt die Gemüter rund um den Globus in monarchiefreien Zonen wie Deutschland und Amerika womöglich mehr als auf der Insel selbst. "Die Welt ist vollkommen verrückt geworden", stöhnt ein Sprecher der Foreign Press Association in London.

Ein einziger TV-Sender aus Miami beantragte 50 Pressekarten, die wichtigsten US-Sender schicken Starmoderatoren nach London, in Deutschland übertragen die ARD und ZDF das Ereignis live. In einem Jahr ohne Fußball-WM oder Olympische Spiele wird "dies die größte Show der Welt", freut sich Rachel Johnson vom Society-Magazin The Lady.

Wirtschaftsexperten sagen dem Land einen royalen Boom voraus: Durch den Verkauf von Souvenirs, die Millionen von Touristen und die Buchung von Unterkünften würden 725 Mio. Euro in die angeschlagene britische Wirtschaft gepumpt, glaubt der Einzelhandelsanalyst Neil Saunders.

So überteuert wie das durchschnittliche Londoner Hotelzimmer sind auch die Preise für alles, was mit dem Prinzenpaar zu tun hat. Auch von der Firma der Brautfamilie Middleton kann man wichtige Feierzutaten wie Plastikbecher, Girlanden und Pappteller kaufen. "Traditionelles Zubehör einer Street-Party" nennt das eine Sprecherin von Party Pieces und weist den Vorwurf zurück, die Brauteltern wollten sich am Großereignis bereichern. Ein sozialer Aufstieg, wie ihn die Middletons repräsentieren, gilt der englischen Mittelschicht spätestens seit Margaret Thatchers Reformen aber sowieso als vorbildlich. Aus eigener Initiative sind die Abkömmlinge nordenglischer Bergleute zu Millionären geworden. Nun wird die junge Frau Prinzessin und lernt vom Schwiegervater das Warten auf den Tag, an dem sie an Williams Seite den Thron besteigt. (sbo, DER STANDARD Printausgabe, 21.4.2011)

  • Fans jubeln Prinz William und Kate Middleton im April in Darwen zu. Zur 
Hochzeit reisen Millionen Touristen an
    foto: epa/parnaby

    Fans jubeln Prinz William und Kate Middleton im April in Darwen zu. Zur Hochzeit reisen Millionen Touristen an

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