Jobbeschreibung

20. April 2011, 19:07
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Was macht eigentlich ein Staatssekretär für Integration?

Zuerst muss man sich darüber im Klaren sein, was Integration überhaupt sein soll. Im Wesentlichen geht es wohl darum, die bestmöglichen Voraussetzungen für ein positives Zusammenleben zwischen der autochthonen und der zugewanderten, auf Dauer hier angesiedelten Bevölkerung zu erreichen. Das bedeutet zunächst einmal, einander überhaupt zur Kenntnis zu nehmen. Die Bevölkerungsgruppen lebten bis vor kurzem nebeneinander her. Nachdem aber kulturell sehr unterschiedliche Gruppen sehr stark zunahmen und besonders einen hohen Anteil der Jugend bilden, geht dieses Ignorieren nicht mehr. Es ist umgeschlagen in relativ große Irritation, durchaus auf beiden Seiten. Integration bedeutet, keine Parallelgesellschaften entstehen zu lassen, aber auch, der Mehrheitsgesellschaft klarzumachen, dass Zuwanderer Rechte haben.

Was die Politik zur Integration beitragen kann, ist relativ begrenzt: a) sich wirklich intensiv mit der Lebenswelt der Migranten auseinandersetzen, b) von den Migranten anerkannt werden, c) sich einer angemessenen Sprache bedienen, d) diverse integrationspolitische Programme und Aktionen (finanziell) unterstützen, e) notfalls gesetzliche Regelungen entwerfen. All das bedarf der Fähigkeit zur Empathie, langer Erfahrung im Umgang mit fremden Kulturen und großer politischer Klugheit. Viel Glück, Herr Staatssekretär Sebastian Kurz. (rau, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21.4.2011)

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