UV-Licht macht alles wieder gut

20. April 2011, 19:06
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Forscher haben ein revolutionäres Material entwickelt, das nach einer kurzen Bestrahlung mit UV-Licht flüssig und gleich wieder fest wird - Kratzer am Autolack könnten damit der Vergangenheit angehören

London/Wien - Nichts passiert einfacher: Eine kleine Unaufmerksamkeit beim Einparken, und fertig ist der Kratzer am Auto. So leicht er zustande kommt, so teuer ist seine Entfernung. In nicht allzu ferner Zukunft kann man sich die Reparaturwerkstatt womöglich ersparen, und man fährt einfach in eine mit UV-Lampen ausgestattete Waschanlage, die alles wieder gut macht.

 

Ein US-schweizerisches Forscherteam um Christoph Weder vom Adolphe Merkle Institut der Uni Freiburg (Schweiz) hat nämlich ein Material entwickelt, das sich selbst "ausbessert", wenn es mit starkem UV-Licht bestrahlt wird. Auf diese Weise könnten Kratzer am Auto oder in Bodenbelägen in weniger als einer Minute wieder zum Verschwinden gebracht werden.

Die neue gummiartige Substanz nennt sich Metallo-Supramolekül-Polymer und besteht aus relativ kurzen Molekülen, die sich zu längeren Molekülketten verbinden. Metallteilchen dienen als eine Art molekularer Klebstoff, die nach UV-Bestrahlung die Eigenschaft des gesamten Materials verändern.

Anders als beim Zahnarzt, wo UV-Licht zum Härten von Füllungen verwendet wird, macht es die ganze Substanz flüssig. Sobald das Licht wieder abgedreht wird, nimmt der Wunderstoff seine ursprüngliche Form an, wie die Materialforscher in der aktuellen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins "Nature" (online) berichten. Tests zeigten zudem, dass das Material wiederholt an derselben Stelle verkratzt und ausgebessert werden kann.

Zwar gibt es bereits Materialien, die unter Hitzeeinwirkung ähnliche Eigenschaften zeigen. Der Vorteil des neuen Wunderstoffs sei es, dass die Ausbesserungen dank des Lichts punktgenau vorgenommen werden können, schrieben die Forscher um Christoph Weder.

Wie lange es noch dauern werde, bis das neue Material marktreif ist, sei schwierig abzuschätzen. Etliche Firmen hätten aber bereits großes Interesse gezeigt. (tasch/DER STANDARD, Printausgabe, 21. 4. 2011)

  • "Heilbares Polymer" in der künstlerischen Umsetzung des Forschungsinstituts - Nadel und Faden sind symbolisch zu sehen, denn eigentlich geht es um eine "Lichttherapie". Genaueres dazu zeigt das Video rechts.
    foto: dominique bersier and gina fiore for adolphe merkle institute, case western reserve university, us army research laboratory

    "Heilbares Polymer" in der künstlerischen Umsetzung des Forschungsinstituts - Nadel und Faden sind symbolisch zu sehen, denn eigentlich geht es um eine "Lichttherapie". Genaueres dazu zeigt das Video rechts.

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